szmmctag

  • Bye bye Hanoi, bye bye Blog!

    Seit kurzer Zeit habe ich mein Rückflugticket in der Schublade. Meine Tage hier sind gezählt, denn es geht definitiv Mitte Juni wieder zurück nach Deutschland. Mein Jahr ist um.

    Und seit ich dieses Ticket habe, lebe ich gedanklich schon immer öfter wieder in der alten Heimat als hier in Hanoi. Eigentlich sollte man ja in der Gegenwart leben, aber im Geiste überlege ich tatsächlich schon, wie ich den Garten wieder auf Vordermann bringe, wessen Geburtstagsparty ansteht, was ich sofort erledigen muss, wen ich sofort besuchen will, wohin der Sommerurlaub geht, wenn ich erst wieder zurück bin.

    Hier habe ich damit begonnen, auszumisten. Es sammelt sich auch in nur 10 Monaten so viel an. Zeitschriften, Bücher, Kosmetik, Klamotten und Medikamente, die gar nicht mehr so kostbar erscheinen, bei dem Gedanken sie in 6 Wochen wieder "mal eben so" an jeder Ecke besorgen zu können. Und inzwischen habe ich hier mehr Flip Flops als es Badelatschen-Tage in Deutschland gäbe.

    Darum fällt es mir auch schwer, diesen Blog noch weiter zu führen. Ich bin ja nun nicht mehr neu hier und längst ist auch nicht mehr jeder Tag so ereignisreich, sonder genau wie in Deutschland ziemlich alltäglich geworden. Die Intention meines Blogs ist also nicht mehr gegeben.
    Deshalb wird dies heute mein letzter Eintrag sein.

    Insgesamt war die Blogschreiberei eine schöne Sache für mich: Ich konnte mich gut mit den Dingen hier auseinandersetzen, hatte die Motivation Einiges zu hinterfragen und nachzuschlagen, kann später noch mal nachlesen und mich an die schönen Zeiten hier erinnern, konnte meinem Hobby „Schreiben“ nachgehen und habe auch viele Tipps von den Kommentatoren bekommen. Und ich habe durch den Blog viele interessante Menschen virtuell kennengelernt, einige sogar persönlich.

    Jetzt bleibt mir noch, mich bei euch für‘s Lesen und Kommentieren zu bedanken. Lesen und Kommentieren werde ich natürlich weiterhin auf Anderleut’s Blogs.

    Danke, liebe Grüße und alles Gute für euch!
    Heike

  • Taschenkontrolle

    Gestern beim Blick in meine Handtasche ist mir aufgefallen, dass ich in Sachen Inhalt schon etwas vietnamesisch geworden bin. Klar sind da Portemonnaie, Schlüssel, Handy, Lippenstift und Kaugummis drin, ohne die ich Deutschland auch nie das Haus verlasse. Aber die übrigen Zutaten lassen doch Rückschlüsse auf eine eher asiatischen Alltag zu.

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    Der Fächer hilft prima, wenn man gerade wegfließt oder es unangenehm riecht. Dieser ist nämlich aus Sandelholz und bringt beim Wedeln gleich noch einen angenehmen Duft in die Nase.
    Manchmal bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob das Wedeln damit noch mehr Schweiß treibt, denn die Bewegung an sich ist ja auch eine Anstrengung.

    Das viereckige braune Plastikding mit Toyota-Emblem ist die Fernbedienung für das Rolltor vor der Hausfront. Gegen 21:00 Uhr werden vor den Häusern die ja oft nicht breiter als Garagen sind, die Tore herabgelassen und von außen sieht die Siedlung auf einmal aus wie ein Garagenhof. Man kann schon mal die Orientierung verlieren, aber ein Klick auf die Fernbedienung und am eigenen Haus geht die Rollade hoch. Und das bei uns mit so einem Gequietsche, das jeden informiert, dass gerade einer nach Hause kommt.

    Ein viereckiges rosa Päckchen Pop Pufs ist auch immer dabei. Da sind hauchdünne Seidenpapierblättchen drin, die man sich zwischendurch zum Fett und Schweiß aufsaugen auf Stirn, Kinn und Nase drücken kann, damit man nicht so glänzt, denn dass passiert bei dem Klima hier ziemlich oft. Die erste Packung habe ich direkt am Anfang meiner Zeit hier von einer Vietnamesin auf einer Party geschenkt bekommen, als ich sie fragte, was sie damit vorhabe. Ich hatte erst gedacht, sie wolle sich eine Zigarette drehen.

    Moskitolotion braucht man eigentlich nur abends, denn die Viecher kennen die Uhr. In der Zeit des Sonnenuntergangs kommen sie aus allen Ecken und fallen über die Menschheit her. Danach wird es etwas ruhiger und später abends im Freien, nehme sie sich etwas unauffälliger die Menschenfüße und -beine zum Stechen vor. Diese Fläschchen, die man hier in verschiedenen Marken kaufen kann, kosten nur ca. einen Euro. In manchen Restaurants stehen sie draußen auch gleich neben der Kerze auf dem Tisch. Ein guter Service.

    Feuchttücher sind hier sehr nützlich um sich die Dreckspritzer der Mopeds von den Beinen zu wischen, das Besteck noch mal zu wienern oder zwischendurch für die Hände.

    Zum Schluss, nicht auf dem Bild: Ganz viele Visitenkarten, mit denen man den Taxifahrer bei Verständigungsproblemen zeigen kann, wo man hin möchte.

    So, und jetzt verstehen sicher auch die Männer, warum Handtaschen mindestens 5 Innenfächer haben sollten.

  • Tot und auf dem Rücken liegend...

    ... so habe ich sie am liebsten, die Kakerlake alias Küchenschabe, alias Blatta orientalis. Entschuldigt bitte das unscharfe Foto, aber es musste schnell gehen, denn ich war auf der Flucht.

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    An vieles habe ich mich gewöhnt, es macht mir nichts aus wenn der Zimmergecko über das Bettgestell huscht, Ameisen an der Zahnpastatube krabbeln und Ratten in gebührendem Abstand wuseln. Aber Kakerlaken gehen gar nicht.

    Leider fühlen die sich in tropischen Klima besonders wohl und können riesig werden. Nämlich bis zu 6 cm groß und dazu noch die Fühler in ähnlicher Länge.

    Seit der Hitzeperiode hier, also seit ca. 10 Tagen habe ich schon zwei in der Wohnung entdeckt. Da ich vermute, dass sie aus den Bad-Abflüssen kommen, wurden die erst mal alle mit Chlor durchgespült und dann mit Untertassen verschlossen. Auch im Waschbecken ist der Stöpsel jetzt immer drin.

    Lebendfangen ist bei ihrer Geschwindigkeit unmöglich, sie sind angeblich die schnellsten Insekten zu Fuß, Gift in der Wohnung geht auch nicht, schon wegen der Geckos, also muss ich sie platthauen. Das ist wegen ihrer Größe und Härte schon ein Gefühl, als wenn man einen Spatz zerquetscht, also auch furchtbar.

    Im Buch „Mieses Karma“ ist die Höchststrafe bei Wiedergeburt das Dasein als Ameise. Das verstehe ich nicht, für mich ist es eindeutig das Kakerlakenleben in dunklen Abflüssen. Denn Ameisen sind klein, niedlich, sozial und nützlich. Aber wofür sind Kakerlaken gut?

    Nach dem deutschen Infektionenschutzgesetz werden Kakerlaken als Gesundheitsschädlinge eingestuft und gelten als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm.
    Aber man lese und staune, in der Homöopathie werden „Verdünnungen“ von ihnen tatsächlich gegen Asthma und Husten eingesetzt. Da muss was dran sein, denn asthmaähnliche Symptome bekomme ich auch, wenn ich sie sehe.

  • Von Räubern und Gendarmen

    Eine hier in Hanoi lebende Bekannte hat ein kleines Abenteuer erlebt, das auch mich beeindruckt hat. In der Altstadt wurde ihr das Portemonaie aus der Handtasche geklaut. Ihre Begleiterinnen machten sie unmittelbar auf einen Mann aufmerksam, der gerade noch neben ihr gestanden hatte und jetzt das Weite suchte.

    Nennen wir sie X., ist nun nicht die sportlichste, etwa 1,60 groß und auch etwas rundlich und eine äußerst freundliche Person. Trotzdem hat sie zu einem Sprint angesetzt und sich diesen Mann gegriffen. Ich habe sie gefragt, ob sie denn keine Angst vor körperlicher Gegenwehr gehabt hätte, aber sie bestätigte mir, dass sie einfach so sauer war, dass sie über sich hinaus gewachsen sei.

    Der Mann hat ihr daraufhin tatsächlich ihre Börse zurückgegeben. Leider war sie leer. Also noch mal einen Endspurt hingelegt, den Mann gepackt und festgehalten, bis Hilfe in Form eines Taxifahrers kam. Dann haben sie den Mann in ein Geschäft gezerrt, dort wurde die Eingangstüre verschlossen und die Polizei gerufen. Bis die eintraf, hat sie also eine Stunde mit diesem Mann in diesem Shop gesessen.

    Diese Situation konnte ich mir so gar nicht vorstellen. Hatte er nicht lamentiert, gedroht, versucht abzuhauen? Aber nein, er hätte ohne eine Miene zu verziehen, still und friedlich dagesessen und man hätte glatt Tee servieren können.

    Dann kam die Polizei und der Dieb wurde etwas grob abgeführt. Auf die entsetzte Frage von X. wurde ihr gesagt, dass er ein alter Bekannter sei. Auf der Wache selbst musste sie, trotz Diplomatenpass noch vier Stunden warten, bis alle Formalitäten abgeschlossen waren. Alle waren recht freundlich aber es hat ewig gedauert. Eine Woche später musste sie noch mal für eineinhalb Stunden hin.
    Falls mir das demnächst mal passieren und ich es rechtzeitig merken sollte, werde ich vielleicht die Abkürzung wählen. Ich könnte ihm mein Hab und Gut sowie seine Hose abnehmen und ihn dann laufen lassen.
    Aber die Gefahr, Opfer eines Taschendiebs zu werden, ist in Hanoi im Gegensatz zu Metropolen wie Paris, Berlin oder Rom oder sogar Dortmund wirklich sehr gering.

  • In stillem Gedenken....

    ... ist nicht gerade das Motto, wenn hier jemand das Zeitliche segnet. Vielmehr geht die Trauer recht lebhaft zu. Am Donnerstag hat es unseren direkten Nachbarn getroffen. Den hatte ich vorher noch nie gesehen sondern nur das Portrait des älteren weißhaarigen Herrn, welches im zur Straße geöffneten einzigen Wohnraum feierlich vor dem geschlossenen Sarg stand.

    Vielleicht war er schon lange bettlägerig und ist nicht mehr rausgegangen. Jetzt haben diese Nachbarn einen Ahnen mehr im Himmel, der ihre Geschicke hier auf der Erde lenkt und den sie verehren werden. Dafür steht in jedem Wohnhaus und jedem Geschäft ein Ahnenaltar und ein Todestag ist wichtiger als ein Geburtstag.

    Vor dem Sarg ist extra ein großer Altar mit Räucherstäbchen, Kerzen und Bild des Verstorbenen aufgebaut. Es soll drei Tage dauern, bis die Seele den Körper verlässt und in dieser Zeit dürfen die Räucherstäbchen nicht ausgehen. Und seit Donnerstag war ein Orchester engagiert, das auf dem Bürgersteig vor dem Haus die Klagemusik beisteuerte. Unermüdlich mit nur ganz kurzen Pausen von morgens 6:00 bis abends 22:00 wird auf einer Art Laute geblasen, ein zweisaitiges Instrument gestrichen und auf eine Trommel geschlagen. Für ungewohnte Ohren hört sich das sehr fremd und sehr jammernd an, und man braucht die 3 Tage über viel Geduld, um das zu ertragen.
    Das typische Zelt mit Höckerchen und Tischchen wurde aufgebaut und es kamen von morgens bis abends jede Menge Kondolanten zu Fuß und per Moped, die auf einen Tee im Zelt verweilt haben. Die engsten Angehörigen konnte man an weißen Umhängen und Kopfbändern erkennen. Die Witwe hat ihre langen, grauen Haare drei Tage offen getragen.

    Ab Tag zwei hatte ich mich über die unendliche Energie der Musiker gewundert. Ein Blick unter die Plane des Orchesters brachte die Lösung. In den Spielpausen läuft ein Band, aber Original und Band immer mit Verstärker.
    Gestern morgen war Abzug zum Friedhof. Ganz feierlich wurde der Sarg, auf dem Kerzen und Räucherstäbchen brannten, in einen Bus verladen. Der Bus war mit Fahnen und den hier typischen ovalen Blumenplatten, so eine Art Trauerkränze geschmückt. Orchester und Fahnenträger vorneweg, der Bus in Schrittgeschwindigkeit und die Angehörigen und Nachbarn hinter der offenen Ladeklappe schreitend. Zwischen Orchester und Bus, ging eine Frau, die Blütenblätter auf den Weg gestreut hat.
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    Es gibt also viele Parallelen zu westlichen Beerdigungen, aber auch viele Besonderheiten. Hier ist es lauter und bunter. Die Trauer ist sicher die Gleiche.

  • Kriegsspiele

    Im Armeemuseum bei der Zitadelle, ganz in der Nähe vom Mausoleum kann man neben vielen alten Panzern, abgeschossenen Flugzeugen und weiteren Dokumenten der Kriege, eine ganz besondere Vorführung besuchen. Es geht um die entscheidende Kriegsschlacht in Dien Bien Phu, ca. 60 km westlich von Hanoi im Jahre 1954.

    In einem kleinen Saal ist an der Stirnwand eine Landschaft von ca. 12 x 8 Metern aufgebaut, die an so eine Märklin-Eisenbahn Modellwelt auf Spanplatte erinnert. Zuschauer können auf kleinen Bänkchen Platz nehmen und haben eine gute Sicht aufs „Spiel“-feld.

    Dargestellt ist das Tal, in der die französischen Kolonialherren ihre Dschungelfestung errichtet hatten und sich aufgrund des undurchdringbaren Geländes ringsherum sehr sicher fühlten und fein aus der Luft versorgen ließen. Die Vietnamesen hatten damals keine Flugzeuge. Umgeben ist diese Tal von einer Bergkette.

    Die französischen Anlagen waren über und über mit leuchtenden grünen LED- Lämpchen (grün = Franzosen) gekennzeichnet und es war nett anzusehen.

    Und dann gings los. Plötzlich leuchteten auf den Kanten der Berge ringsherum rote Lämpchen auf: Die vietnamesichen Freiheitskämpfer!
    Nach und nach leuchtend rote Spuren auf allen Höhen, und die ersten dringen bergab ins Tal. Schließlich hatten die roten einen ganzen Ring gebildet und die grünen eingekesselt. Nun stoßen rote Leuchtbänder immer tiefer Richtung Mitte, so dass es bald aussieht wie ein rotes Spinnennetz. Derweil erlöscht ein grünes Licht nach dem anderen. Nachdem auch das letzte Grün ausgeblasen ist, erhebt sich wie von Geisterhand in der Mitte des Feldes, auf dem sogenannten Führungsbunker die vietnamesische Flagge und eine Melodie ertönt. Fast wie ein Schachspiel.

    Begleitet wurde das ganze von Ausführungen einer Sprecherin, Originalbildern die auf die Wand über dem Schlachtfeld projiziert wurden und flotter Militärmusik. Ca. drei Busladungen vietnamesischer Senioren verfolgten die Schau gebannt mit Ausrufen und Fingerzeigen aufs Feld. Vielleicht war der eine oder andere damals persönlich dabei?

    Das ganze war sehr spannend, gut visualisiert und erklärte sich selbst auch für Geschichtsmuffel, fast wie eine Schachpartie.
    Beinahe hätte man dabei vergessen können, dass es kein Brettspiel war und dass für diese Schlacht etwa 30.000 Menschen (davon ca. 20.000 Vietnamesen) ihr Leben lassen mussten.
    Nichts desto trotz gilt sie als die entscheidende heldenhafte Schlacht zur Befreiung des Landes von den Kolonialisten. Die Vietnamesen haben Unglaubliches geleistet, diese Festung einzunehmen. Das hätten die Franzosen und andere Kriegstaktiker nie für möglich gehalten. Der Mut, die Entschlossenheit und der Zusammenhalt in dieser Zeit wird auch heute noch bewundert und beschworen. Die Franzosen sind dann ja auch abgezogen. Leider war damit aber noch lange nicht Frieden in Vietnam.

    Also ich wäre dafür, dass künftige Kriege nur noch auf Spielbrettern ausgetragen werden.

  • Stadtrallye Hanoi

    Das heißt hier zwar Urban Discovery, ist aber dasselbe. Ziel ist es, eine Stadt besser kennenzulernen, indem man unter Zeitdruck hindurchrast um an den verschiedensten Stellen, die man erst mal finden muss, seltsame Aufgaben zu erfüllen.
    Die schweineschwerste Aufgabe gestern war, den bis jetzt heißesten Hanoi-Tag 2012 mit 38 Grad zu überstehen. Aber angemeldet ist angemeldet und da darf man nicht vorm Wetter kneifen.

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    Vorher: alle frisch, sauber und ahnungslos

    Die Aufgaben waren vielfältig schräg. Ein bestimmtes Wohnhaus entern und zum Beweis im dritten Stock ein Foto schießen. Eine tolle Pagode im 1. Stock eines ganz normalen Hinterhauses zu entdecken. In einem Bia Hoi eine Bierprobe mit verschlossenen Augen absolvieren, eine romantische Szene auf der Long Bien Brücke nachstellen und dafür erst mal einen Mann anquatschen, der mitmacht. Einen Auftritt vorbereiten, bei dem man ein Liebeslied über die Long Bien Brücke inszeniert. Auf dem Long Bien Markt halb ausgebrütete Eier und geröstete Käfer essen und im Dong Xuan Markt ein rotes Dessousteil besorgen. Dazwischen noch alle möglichen Fragen zur Stadt beantworten.
    Organisiert hat das Ganze ein vietnamesisches Event-Unternehmen aus Hanoi. Die wussten sehr wohl, was den Ausländer am meisten fordert.
    Insgesamt haben wir 18 km zurückgelegt und für alle Auslagen nur 40.000 Dong (1,30€) pro Person zur Verfügung gehabt. Also konnten wir uns nicht für jeden Weg ein Taxi leisten.
    Besonders schräg war die Aufgabe, mitten in einem Fahrzeug-Ersatzteilemarkt einen „Eisbecher“ zu füllen.
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    Das sind unterschiedliche Schmiermittel
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    Lecker, ne?
    Unterwegs musste dann noch Abfall gesammelt werden um daraus ein Kunstwerk zu recyclen.
    Schweiß, Hektik, sich zum Affen machen. Ich weiß heute zwar nicht mehr, wo ich jetzt überall rumgelaufen bin, aber es hat Riesenspaß gemacht. Die Stadt entdeckt man aber besser mal in Ruhe.

    Was noch zu sagen wäre: Unser blaues dänisch-deutsches Team hat´s auf den ersten Platz geschafft. Yeah!
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    Äh Doris, hab ich was vergessen?

  • Ist der liebe Gott ungerecht?

    Ob ich nicht Sorge hätte, dass meine Haut bräunen könnte, wurde ich von der Kosmetikerin des Spa gefragt, die mich am Pool getroffen hat. Sie hat mir neidvoll über meinen blassen Oberarm gestrichen und meine Hautfarbe gepriesen. Verkehrte Welt!

    Die ganze letzte Woche gab es hier ungewöhnlich viel Sonnenschein und ich habe versucht, mal etwas Farbe zu bekommen. Die Vietnamesinnen dagegen vermummt bis zur Unkenntlichkeit mit Handschuhen bis in die Achselhöhlen unterwegs.
    Wenn ich doch nur so leicht braun werden könnte wie sie.
    Sie fassen mir in die blonden Locken und seufzen über ihre eigenen wunderschönen schwarzen Haare, die in der Sonne glänzen wie Lack und manchmal bis zur Hüfte reichen.

    So ist das eben. Die Lockigen wollen glatt sein, die Glatten gewellt, die Bleichen braun und die Dunklen hell. Die Rundlichen wollen zierlich sein und die Schlanken etwas stämmiger, so z. B. im Libanon. Die einen malen sich Mandelaugen, die anderen hätten gerne westliche Kuller. Die ganz Jungen wollen älter sein und die Älteren wieder jung. Ein typisches Frauenleiden, viele hadern mit ihrer genetischen Ausstattung.

    Und vielleicht ist das auch gut so, denn ohne diese Wünsche würden ganze Industriezweige ausbluten und brachliegen, man denke nur an die vielen Hochglanzmagazine, Beautysalons, Telefonminuten beim Plausch mit der Freundin über die ungerecht verteilten Schönheitsattribute, unendliche Regalmeter mit vielversprechenden Tiegeln und Tuben, Douglasfilialen und Bodyshops, Fitnesscenter, die vielen Arbeitsplätze die daran hängen.

  • Ein Ausritt in Hanoi

    Nichts Sehnlicheres wünschte sich meine Tochter zum Geburtstag. Nun kann ich nicht zaubern oder die Welt anhalten und Reiten ist hier unbekannt. Jeden den ich gefragt habe, hat mit dem Kopf geschüttelt. Aber gut dass ich gefragt habe. Nach einem viertel Jahr habe ich dann über drei Ecken gehört, dass es in Hanoi tatsächlich eine Französin gäbe, die hier sogar ein eigenes Pferd besäße. Es hat dann noch mal eine Woche gedauert, bis ich rausgekriegt habe, wer das sei. Auch hier in Hanoi ist die Welt manchmal ein Dorf und es ist eine Kollegin von der Schule, die ich dreimal die Woche treffe, manchmal sogar mit ihr Mittag esse. Von ihrem Reithobby hatte sie mir nie erzählt.

    Jedenfalls hat sie angeboten, einen Ausritt mit Lotti zu machen. Sie erzählte was von ganz in der Nähe und Strand und Gelände und dass ich mir das nicht so wie in Europa vorstellen dürfe.
    Heute war es dann soweit. Wir sind mit dem Taxi in eine Richtung gefahren, in der ich erst selten war, Richtung roter Fluß. Und wirklich nach nur 10 Minuten schnurgerader Schotterpiste durch Bananen- und Mangoplantagen standen wir mitten in der Natur. Nicht in einem angelegten Park. Nein, in einer natürlichen Dünen-, Wiesen- und Strandlandschaft mit erträglichem Klima am roten Fluß. Wenn die Hochhäuser in der Ferne nicht zu sehen gewesen wären, hätte ich gedacht, wir wären ziemlich weit geflogen.

    Die Pferde sahen nicht so gepflegt aus wie im deutschen Stall, sie stehen aber auch das ganze Jahr im Freien und fressen was gerade wächst. Lotti hat einen zierlichen erst drei Jahre alten braunen Araber bekommen. Er ist noch in den Flegeljahren und etwas wild, aber keinesfalls neurotisch oder schreckhaft wie manches Schulpferd.

    Die Französin, die seit 4 Jahren hier lebt, erzählte mir, dass auch sie lange suchen musste bis sie diesen Vietnamesen am Stadtrand fand, der 4 Pferde hält, und sich nun auch anständig um ihr Pferd kümmert. Reiten ist als Sport hier überhaupt nicht bekannt und Lederzeug musste erst im Ausland besorgt werden. Die Halfter, an denen er die beiden Pferde rechts und links von seinem Moped brachte, waren aus Seilen handgeknüpft.

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    Und so hat Lotti heute einen wunderschönen Strandausritt am Roten Fluss genossen, Lichtjahre entfernt vom lauten, vollen Hanoi. Ich hätte ich nie gedacht, dass das Paradies nur 7 km vom Zentrum liegt.

  • Erste Hilfe

    Was mich hier wirklich ratlos macht, ist die ungeklärte Situation im Falle eines Verkehrsunfalls. Bei den Bedingungen hier ist so ein Fall durchaus ins Kalkül zu ziehen.
    Vor einiger Zeit stand in den Vietnam News, dass es eine Notrufnummer gäbe: 115. Das war mir neu, denn Krankenwagen sieht man sehr selten hier in der großen Stadt. Für Krankenwagen wird auch kein Platz gemacht, die müssen sich genauso durch den Verkehr kämpfen und ellenlang im Stau stehen, wie jedes andere Auto auch.

    Fragt man Vietnamesen, was bei einem Unfall zu tun sei, hört man manchmal schreckliche Dinge. Abhauen so schnell wie möglich, wenn du selbst einen umgefahren hast. Die gleiche Frage nach drei Bier wird dann auch mal gerne mit: „Noch mal drüber fahren, denn ein Toter kostet nur einen Bruchteil dessen, was die Familie eines Schwerverletzten von dir verlangen wird“ geantwortet.
    Und auf keinen Fall Erste Hilfe leisten, wenn du irgendwo einen Verletzten siehst, denn dann bist du dran mit Zahlen und Mitschuld. Misch dich auf keinen Fall irgendwo ein. Die Familie wird sich um ihn kümmern.
    Aber die ist doch in einer Großstadt nicht immer zugegen!
    Das kann doch wohl nicht wahr sein!

    Letzte Woche ist direkt vor unserer Nase ein vietnamesischer Mopedfahrer (ich saß als Sozia auf dem Moped meines Sohnes) verunfallt. Es hat ordentlich gescheppert und er hatte eine Platzwunde am Jochbein, woraus sich schließen lässt, das er heftig aufgeschlagen ist und blutete außerdem stark am rechten Ellenbogen. In seinem Schock hat er dann völlig hilflos versucht mit einem Arm sein Modep aus dem Verkehrsgewusel an den Rand zu ziehen. Niemand außer mir hat geholfen. Einige sind auf Abstand stehengeblieben, mal gucken was so los ist, andere mit Affenzahn an uns vorbei gebraust. Selbst mein Sohn hat erst nach Androhung von Taschengeldkürzung mit angefasst und immer nur gesagt, Mama, misch dich da nicht ein. Das haben ihm seine vietnamesischen Klassenkameraden so erklärt. Als wir ihn am Rand hatten, stand auf einmal der Verkehrspolizist von der Ecke hinter uns und hat den Verletzten angesprochen, da hatte ich das erleichternde Gefühl dass er ist jetzt gut versorgt sei und wir sind weitergefahren.
    Das habe ich vom Auto aus schon öfter erlebt, alles glotzt aber keiner hilft. Ein Freund hat mir von seinem Unfall berichtet, er saß mit gebrochenen Knochen auf der Straße und es hatte sich schnell eine Menschentraube gebildet, als er aber seine Hand ausstreckte, hat ihm keiner aufgeholfen. Andere Touristen haben sich schließlich um ihn gekümmert.
    Auch vorsichtige Fußgänger kann es erwischen. Wenn man dann nicht mehr selbst telefonieren kann, muss man dann wirklich drauf hoffen, dass andere Ausländer zur Hilfe kommen? Sind die Vietnamesen untereinander wirklich so herzlos? Was steckt dahinter? Haben die Leute tatsächlich Angst, in was reingezogen zu werden? Sind sie zu schüchtern? Das würde ich verdammt gerne erfahren um es besser verstehen zu können.

  • Unrasiert und fern der Heimat

    Es wurden Ausländer in Hanoi gesucht, die ein Statement zum Thema Heimat abgeben wollten. Gefragt haben zwei Mediendesigner aus Deutschland, die mit dem so gewonnenen Material evtl. eine Ausstellung, auf jeden Fall aber einen Katalog planen. Umgekehrt sollen auch Vietnamesen in Deutschland befragt werden.

    Kein Ding. Da bin ich ja Fachfrau, so ganz nach dem Motto: „Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du wie schön die Heimat ist!“
    Die beiden haben mich also vor ein paar Tagen besucht und einen ganzen Koffer voller Fragen über Heimat mitgebracht.

    Bevor ich die beiden reinließ, war ich mir hundertprozentig sicher, alles über Heimat zu wissen und selbst einen festen Heimatbegriff zu haben. Kindheitserinnerungen, Orte, Menschen an denen man hängt, Speisen, Rituale, Gerüche, Landschaften.
    Dass "Da wo deine Wiege stand, ist dein golden Heimatland" für die meistern Menschen und auch für mich nicht zutrifft, war mir vorher schon klar.

    Aber dann die Fragen. Ist Heimat eine Utopie der Vergangenheit? Wo ist deine Heimat und wo hört sie auf? Ist Heimat ein Baustein zum Glück? Ist Heimat gleich Zuhause? Und noch ein paar mehr...

    Dabei haben mich die beiden sympathischen Interviewer ganz schön aus dem eigenen Konzept gebracht. Mit jedem Nachdenken für die Antwort, habe ich mir selbst mein Heimat-Fundament angekratzt und stellenweise zerbröckelt.

    Nur eine Frage konnte ich mit Hilfe von Farbkarten sicher und in nulkommanix beantworten: Welche Farbe hat deine Heimat?
    Natürlich waren es für mich warme Grüntöne in verschiedenen Abstufungen, aber fragt nicht warum, habe selbst keine Begründung.

    Nun sitze ich hier und muss mein auseinander gepflücktes Heimatbild wieder neu sortieren und zusammenzimmern, einige Bausteine sind inzwischen überflüssig.

    Irgendwie habe ich eine ganz leise Ahnung bekommen, dass Heimat vielleicht nirgendwo als nur in uns selbst ist? Übrigens wird "Unrasiert und fern der Heimat" auch als Ausdruck eines bestimmten Gemützustandes benutzt.

  • Unser Bezirk soll schöner werden

    Die Einladung für diese Aktion erreichte mich per mail über den Verteiler des Women’s Club. Es wird informiert über die bevorstehende Müllsammelaktion am 22. April in unserem Tay Ho Bezirk, organisiert von einer internationalen Schule. Solche Aktionen der Pfadfinder, Messdiener oder des Schützenvereins kenne ich auch von Deutschland.

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    Nach dem Durchlesen bekam ich erst mal tiefe Furchen auf der Stirn, bedingt durch das Hochziehen der Augenbrauen.

    Leider ist es hier ja so, dass mangels besseren Systems, jeder seinen Müll auf die Straße schmeißt, so wie er gerade anfällt. Es gibt keine Mülltonnen. Gerne werden die Mülltüten, oder was sonst so über ist, auch in hohem Bogen, direkt in den angrenzenden See geschmissen. Alle 6 Stunden kommt tagsüber eine Reinigungsbrigade, die alles zusammenfegt, in Kübel packt und zum Müllsammelplatz schiebt, wo dann große Müllwagen alles abholen. Wird nach der letzten Tour gegen 19:00 Uhr noch Müll rausgestellt, kommen erst die Hunde und machen sich über den Beutel her, wenn die Hunde ins Haus müssen, dann sind die Ratten dran. Was übrig bleibt, wird am nächsten Morgen von der ersten Schicht zusammengefegt.

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    So sieht es vor unserem Haus aus, bevor....
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    ...die Müllwerker kommen, ein Hammerjob bei dem Klima
    Brachflächen sehen entsprechend verunreinigt aus. Dosen, Plastikflaschen und Papier bleibt nicht lange liegen, dies wird von verschiedenen Leuten als Wertstoff gesammelt. Baustoffreste wie Sand, Kies, Steine oder Betonteile wachsen nach einiger Zeit mit dem Untergrund zusammen. Alle 4 Wochen fahren Boote am Ufer entlang und fischen mit großen Keschern den Müll aus der Uferzone. Dabei müssen sie aufpassen, dass sie nicht von dem nächsten Müllweitwerfer getroffen werden. Möbel und tote Tieren werden auch so entsorgt. Ein Nachbar, schmeißt seinen Müll direkt vom Balkon des 4. Stocks, und manchmal bleibt die Tüte sogar heile und ergießt sich nicht über die Straße. Die Hunde machen hier, wo sie gerade Druck verspüren. Kochtöpfe mit Sudresten, werden direkt in den Rinnstein entsorgt.

    Nun werde ich also aufgefordert, mir Gummihandschuhe anzuziehen, den Sonnenschutz und ein Lächeln nicht zu vergessen und einen Sonntag zu opfern um mal ordentlich aufzuräumen. Zum Trinken sollten wir nur wiederauffüllbare Flaschen mitbringen. Belohnt wird mit einem gemeinsamen Lunch.

    Ein interessante Idee!
    Was werden die Einheimischen denken, wenn sie uns so agieren sehen? Werden wir ein Vorbild sein, oder werden die gar nicht verstehen was wir da machen? Die Müllwerker sogar Angst haben, dass wir ihnen den Job wegnehmen könnten? Wie kommt man klar, wenn direkt hinter einem der nächste Müll geschmissen wird? Ist es eine Farce und hat das Viertel vielleicht ganz andere Probleme, die zu beackern wären? Sollten wir nicht lieber sammeln für Müllbehälter? Bin ich ein guter Mensch, wenn ich mich an der Aktion beteilige? Und umgekehrt ein Umweltschwein, wenn nicht? Ist die Teilnahme mit gesundheitlichen Risiken verbunden?

    Irgendwie erinnert mich die Aktion an den Spruch von Martin Luther: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
    Alle Leser sind am Sonntag herzlich zu der Aktion eingeladen....

  • Leuchtende Nacht...

    ...heißt der etwas sarkastische Titel der Ausstellung im Frauenmuseum Hanoi über die ärmsten Gestalten der Großstadt. Gewidmet ist die Ausstellung den Frauen, die oft ganz allein vom Land hier herkommen und unter schlimmsten Bedingungen auf dem Long Bien Nachtmarkt schuften.
    Sie arbeiten vorzugsweise als Warenträger mit diesen klassischen Körben an Stangen (50 – 70 kg) oder ziehen Wagen mit bis zu 1000 kg Gewicht durch den Markt. Dabei wiegen sie selbst selten über 50 kg. Sie haben keinen festen Arbeitsplatz sondern sind Tagelöhner, die sich jeden Tag wieder um diese harte Arbeit bemühen müssen.

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    Sie übernachten in ungesicherten Verschlägen ohne sanitären Anlagen und sind zusätzlich zu ihrer harten Arbeit noch der Gewalt ausgesetzt. Sexuelle Übergriffe, Schläge, Diebstahl aber auch Lohnabzüge, wenn der Boss meint, dass Macken an den Paketen sind.
    Sie verdienen ca. 3 Euo am Tag von denen sie auch noch die zurückgelassenen Kinder in der Provinz versorgen müssen.

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    Einige dieser Frauen wurden porträitiert und konnten in eigenen Worten ihre Situation schildern. So bekommt die Masse plötzlich ein persönliches Gesicht.
    Harter Stoff für den gestrigen Coffee-Morning des Hanoi Internationalen Women’s Club, der in den Räumen dieser Ausstellung stattfand.

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    Die Ausstellung wurde vom Institut LIGHT konzipiert und vom Women’s -Club finanziell unterstützt. LIGHT ist eine Nicht-Regierungs-Organisation, die sich zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität für die benachteiligten Menschen in Vietnam einsetzt.
    Bald wird es diese unmenschliche Arbeit auf dem Long Bien Nachtmarkt nicht mehr geben, denn er soll geschlossen werden. Handel soll langfristig in hygienischere Supermärkte verlegt werden. Das hilft den Frauen und auch Männern die dort schuften auch nicht weiter, sie werden ihre Lebensgrundlage verlieren. LIGHT bietet Seminare und Fortbildungen für diese Frauen und auch Männer an, um mit ihnen berufliche Perspektiven auszuloten und auch den Zusammenhalt dieser einsamen Wanderarbeiter zu stärken. Wenn sie gegenseitig auf sich achten und sich unterstützen, könne damit die Gewalt eingedämmt werden. Männer konnten dort ein Antiaggressionstraining absolvieren.

    Zu sehen ist die Ausstellung "Shining Night" im Frauenmuseum Hanoi noch bis zum 5. Juni 2012.

  • Kartoffelkönig

    Ich dachte, ich seh nicht recht, als ich vor ca zwei Wochen in der Nachbarschaft an einem Haus vorbeikam, vor dem riesige Kartoffelhalden angelegt wurden.

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    Das ist ca. ein Drittel der Gesamtmenge, das 2. Drittel liegt rechts daneben und das 3. ist im Wohnzimmer hinter dem weißen Scherengitter untergebracht.

    Eigentlich ist des Deutschen liebste Knolle hier gar nicht so angesagt, es gibt nicht so viele asiatische Gerichte mit Kartoffelzutat. Im Supermarkt, wo wir unsere Kartoffeln kaufen, werden sie auch nur in kleineren Mengen und stets lose, eher wie Äpfel angeboten.

    In Deutschland hatten wir regelmäßig einen 25 kg Sack von Bauer Deimel im Keller stehen und verputzten ihn innerhalb 10-12 Wochen. Oma und Opa hatten sogar noch extra Kartoffelbansen im Keller, die nicht mit Kilos sondern mit Doppelzentnern im Herbst aufgefüllt wurden und bis zum nächsten September reichen mussten. Ab Ostern hatten die dann schon weiße Ärmchen, trotz des Anti-Keimpulvers, das dort draufgestreut wurde, waren aber durchaus noch zu genießen.

    Aber das Vietnamesen auch Kartoffeln in so einer Menge lagern, vor allem in so einem feuchtwarmen Klima, war mir neu.

    Und wahrscheinlich ist das auch gar nicht so, denn der arme Verkäufer ist bislang auf seinen Kartoffeln sitzen geblieben. Was hat ihn wohl dazu getrieben, so viele Kartoffeln zu kaufen? Er hat ja nicht mal ein Geschäft, die Säcke liegen vor seinem Wohnhaus bzw. in seiner guten Stube. Ein wirtschafltlicher Geheimtipp? Ein günstiges Schnäppchen? Hoffnung auf einen großen Erlös? Ein bargeldloses Tauschgeschäft?

    Die letzten Tage sehe ich den armen Kartoffelkönig, wie er sich intensiv mit seiner bleischweren Ware beschäftigt. Umschichten, die Säcke öffnen und die faulen Kartoffeln ausklauben. Dabei sind einige Säcke schon aufgeknabbert und die äußeren Kartoffeln haben deutliche Fraßspuren, die inneren weißen Schimmelbezug. Wer schon mal eine faule Kartoffel im Keller hatte, weiß wie intensiv das riecht. Langsam werden seine Halden kleiner, was aber eher daran liegt, dass er halbvolle Säcke auf die andere Straßenseite entsorgt, zur Abholung durch die Müllbrigade. Ich hätte ihm ja welche abkaufen können, aber das Pfund, welches wir bzw. die Maid pro Woche verarbeiten, und nur weil Lotti einmal die Woche nach Apfelbrei mit Püree verlangt, hätte ihm auch nicht weitergeholfen.

    In Europa wird einem ja erzählt, dass das Vernichten von Lebensmitteln gerade dazu beiträgt, Qualität zu garantieren und den Gewinn zu optimieren (Hää??), aber für so einen Einzelhändler hier ist das sicher ein finanzielles Disaster.

    Unternehmerrisiko! Leider hat es sich beim Nachbarn nicht ausgezahlt.

  • Alle Kinder dieser Welt...

    ... so kam es mir jedenfalls vor, als meine Tochter ein paar Klassenkameradinnen zum Ostereiermalen eingeladen hatte. Vor allem koreanische und japanische Kinder hatte ich bis dahin noch nicht persönlich kennengelernt. Für die war das Ostereier auspusten und bemalen auch völliges Neuland. In internationaler Zusammenarbeit sind viele hübsche Eier entstanden.

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    Wofür Essstäbchen doch alles zu gebrauchen sind!

    Dann habe ich noch eine interessante Entdeckung gemacht:
    Zwölfjährige Mädchen, auf unterschiedlichen Kontinenten in unterschiedlichen Traditionen aufgewachsen und trotzdem alle das gleiche im Sinn!

    Erst haben sich alle auf die Popstarzeitungen gestürzt, dann wurde Lady Gaga von oben bis unten gehört. Schließlich haben alle den neuen Twilight - Film per DVD geguckt, kannten alle die Namen und das magische Vermögen der einzelnen Darsteller, haben an exakt den gleichen Stellen geschluchzt und gezittert und sich dabei etwa die gleichen Mengen an Cola und Popcorn reingeschaufelt.

    Wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen den Kulturen doch gibt, ist das nicht beruhigend?

    Frohe Ostern!

  • Kleine Eitelkeiten

    Unterwegs in Vietnam kann man oft Frauen und auch Männer beobachten, die sich intensiv mit ihren Haaren oder derer anderer Leute beschäftigen. Auf dem Bürgersteig vor den Geschäften legen Frauen ihre Köpfe in den Schoß der Kolleginnen, Taxifahrer verrenken sich in ihrer Wartezeit die Köpfe und suchen mit Hilfe des Rückspiegels irgendwas auf ihren Häuptern, im Park ähnliche Szenen. Manchmal muss für Damen der Spiegel am Moped herhalten um die Verhältnisse auf dem eigenen Kopf zu kontrollieren.

    Was machen die da??? Habe ich anfangs irritiert gedacht. Nun weiß ich es. Die zupfen sich gegenseitig die grauen Haare aus. Bei dunklen Haarfarben, fallen graue, besser gesagt weiße Haare viel früher auf, als auf einem dunkelblonden Kopf. Und obwohl weiße Haare in Asien als Zeichen der Weisheit gelten, will wohl auch hier keiner besonders früh so aussehen.

    Kürzlich fragte mich ein Schüler mit dem prallen Charme eines Achtjährigen, ob ich mir die Haare gefärbt hätte. Auf meine Rückfrage, „nein, wieso?“ erwiderte er, dass da an der Seite aber weiße Haare wären. Gute Augen der Kleine, dessen bildhübsche Mutter wunderschöne schwarze, lange Haare hat. Vielleicht sollte ich ihm zukünftig nicht mehr so nahe kommen, sonst fragt er noch nach den komischen Rillen rund um die Augen. Natürlich war ich ihm nicht böse sondern habe mich still amüsiert, denn Kindermund tut Wahrheit kund.

    Irgendwann muss man sich hier aber zu seinen weißen Haaren bekennen, denn die Alternative hieße ja Glatze durch Auszupfen oder alle 3 Wochen färben. Material von L'Oreal und Schwarzkopf gibt’s hier auch, aber reichlich teuer. Ob es Naturprodukte ähnlich dem Henna, gibt? Viele Senioren hier haben weiße Haare, alte Damen manchmal noch hüftlang. Das sieht auch gut aus und wirklich ziemlich weise. Wann dieser Zeitpunkt des „Dazu Stehens“ hier kommt, muss ich noch herausfinden.

  • Ein delikates Früchtchen

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    Diese Frucht wurde mir von einem Kollegen empfohlen. Als ich ihn nach dem Namen fragte, erklärte mir etwas zweideutig irgendwas mit Busen und dass die Frucht genau wie eine Frauenbrust vor dem Genuss ordentlich geknetet werden müsse. Und tatsächlich, von außen fühlt sie sich so an, wie ich mir haptisch ein Silikonimplantat vorstelle.

    Der obere Teil der Frucht wird wie in Deckel entfernt und dann kann man sie auslöffeln. Der weiße Inhalt schmeckt richtig lecker nach einer Mischung zwischen Vanillegrießbrei und Joghurt.
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    Gestern habe ich noch mal eine Kollegin gefragt. Und die Frucht heißt wirklich Vu Sua, was mit Brust-Milch zu übersetzen sei. Das Kneten vor dem Essen wäre auch angebracht, damit sich das Fruchtfleisch besser löse. Die Frucht kommt aus dem Süden und hat gerade Saison. Sie wächst aber auch weiter nördlich, allerdings nicht so groß und so süß.

    Tz, Tz, Sachen gibts, aber auf jeden Fall lecker!

  • Ein Besuch bei Onkel Ho

    Unweit unserer Wohnung liegt das Ho Chi Minh Mausoleum und es ist ein touristischer Anziehungspunkt für Hanoi-Besucher. Die Bezeichnung Onkel ist hier in Vietnam eine respektvolle Anrede für ältere Herren und so wird auch Ho Chi Minh öffentlich oft Onkel Ho genannt. Die straffe Organisation rund um den Mausoleumbesuch lassen zwar nur 45 Sekunden zu, die man um den Glassarg herumgeht, aber das Drumherum ist auch spannend.

    Aufgrund der begrenzten Öffnungszeiten: Mo und Fr geschlossen, übrige Tage von 8 – 11 und im Oktober und November zwecks Auffrischung der Mumie ganz geschlossen, ist immer viel los. Man verliert schnell die Lust, wenn man um den riesigen Platz vor dem Mausoleum zum Eingang geht und die riesigen Schlangen und viele Reisebusse sieht.
    Jedoch werden die Besucherströme so akribisch und perfekt organisiert, dass auch eine 500 Meter Schlange nicht mehr als ca. 45 Minuten Wartezeit bedeutet.

    Und gerade die Wartezeit ist sehr interessant. Man kann beobachten wie Schulkinder in Uniformen aus Bussen quellen und einige, die Schaukelfahrt wohl nicht gewohnt, erst mal am nächsten Straßenbaum brechen müssen. Vietnamesische Senioren, so schlank und zierlich und einfach gekleidet, reihen sich ein. Manchmal mit blinkenden Orden an der Brust, und man fragt sich, wie sie den Krieg wohl erlebt haben.

    Man stellt fest, dass manche Vietnamesen es nicht so mit dem Anstellen haben und plötzlich vor einem stehen und dass sie sich auch gern mal an fremde Leute anlehnen. Alle 20 Meter steht ein Uniformierter und passt auf, dass keiner Faxen macht und es dem Anlass enstsprechend würdig zugeht. Die Menschenschlange wird durch Kontrollhäuschen geleitet, wo die Frauen ihre Handtasche öffnen müssen und gefragt werden, ob sie ein Messer dabei haben. Das kann den westlichen Besucher schon mal irritieren.

    Später windet sich die Schlange durch einen Pavillion in der ein Röntgengerät und ein Türrahmenscanner steht, ganz so wie auf dem Flughafen. Besucher, bei denen Fotoapparate und Handys gescannt wurden, bekommen rote Neoprentäschchen in die Hand gedrückt und müssen dort hinein ihre Elektronik verstauen, wieder ist Wundern angesagt. Aber 30 Meter weiter wird klar warum, denn dort muss man dieses roten Täschchen abgeben und bekommt dafür eine Marke mit Nummer. Inzwischen ist man schon auf dem eigentlichen Vorplatz des Mausoleums angekommen. Ab und an wird gestoppt um angemeldete Gruppen oder Schulkassen vorzulassen. Der gesamte Weg der Menschenschlange ist zum Schutz vor Sonne und Regen überdacht. Flachbildschirme alle 20 Meter unterhalten mit bunten Bildern von Parteifeierlichkeiten und historischen Bildern.

    Etwa 80 Meter vor dem Ziel wird man dann aufgefordert, in Zweierreihen zu gehen, etwas schwierig wenn man zu dritt unterwegs ist und die Gruppen vor und hinter einem in gerader Zahl.
    Direkt am Eingang der letzten Ruhestätte Ho Chi Minhs stehen stets frische Kränze, die von verschiedenen Besuchergruppen mitgebracht werden.
    Vor dem Eintreten ins Mausoleum steht nun alle 3 Meter ein Soldat in weißer Paradeuniform und gibt Anweisungen, Sonnebrillen und Kappen abzusetzen und die Klappe zu halten. Spaghettiträger, Miniröcke und Shorts wurden schon ganz zu Anfang aussortiert. Es ist ja auch kein Jahrmarkt sondern eine Gelegenheit, dem Toten, dessen Name in den 70er Jahren in allen europäischen Hauptstädten auf Anti-Kriegs-Demonstrationen im Chor gerufen wurde, die letzte Ehre zu erweisen.

    Beim Eintreten ins Mausoleum, schlägt einem eine unglaubliche Kälte entgegen, ich schätze mal so ca. 8 °C. Man wird die Stufen hinaufgeleitet und von den Soldaten, die jetzt alle 2 Meter stehen dazu angehalten, zügig durchzugehen, alles ohne Worte. Dann kommt man in den oberen Innenraum wo der Sarg steht, auf einer Art Brüstung geht man drei Seiten des Sarges, der von 4 Paradesoldaten flankiert wird, ab und fragt sich, ob das was man sieht, wohl echt oder eine Wachsfigur ist. Stehenbleiben und in Ruhe alles angucken ist nicht möglich und schwupps ist man wieder draußen im warmen Licht.
    Drinnen habe ich auch noch einen tonlosen Rüffel kassiert. Wegen der Kälte hatte ich die Arme verschränkt und wurde aufgefordert sie gerade runterhängen zu lassen.

    Anschließend kann man sich seine Elektrogeräte abholen, die nun offen ohne Tasche in einem Regal betreut werden, nebenan die Einsäulen-Pagode, die überraschend klein ist und das Wohnhaus Ho-Chi-Minhs, das wirklich schön und einfach ist, samt umgebenden Park angucken. Dabei kann man sich gut vorstellen wie er dort flaniert ist und seine Politik geplant hat. Und wenn man dann so über Onkel Ho‘s Leben und seine Absichten liest, weiß man gar nicht so genau, ob es ihm recht gewesen wäre, dass jeden Tag tausende Menschen durchs Mausoleum ziehen.
    PS: Schaut mal auf den ersten untenstehenden Kommentar: Da könnt ihr ein passendes You Tube Video anklicken und einen visuellen Eindruck bekommen!

  • Schnee, der auf Palmen fällt

    Die Probleme des Klimawandels machen auch vor Hanoi nicht halt und entsprechend überrascht waren wir heute morgen beim Anblick der weißen Pracht vom Balkon aus.
    Alles mit einer dünnen Schneedecke überzogen! Laut unserer Nachbarn ist es das erste mal überhaupt, dass es hier in Hanoi geschneit hat. Auch der Westlake ist mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, so dass die Fischer heute wohl zuhause bleiben müssen.

    Was sollen wir bloß anziehen, wir haben ja keine Wintersachen hier.
    Die Kinder freut's, die haben einfach die Plastikhöckerchen aus den Straßenküchen umgedreht und rutschen damit in den Gassen herum.
    Mein Mann ist erst mal los, um Winterreifen fürs Auto zu besorgen, wir müssen ja übermorgen wieder arbeiten. Ich muss gleich erst mal der Maid erklären, wie man Schnee schippt, das hat sie sicher noch nie gemacht.

    Sicherheitshalber habe ich unserer Palme auf dem Balkon erst mal ein Mützchen übergezogen.
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  • Sam Son

    Sam Son ist ein Fischerstädtchen und liegt etwas 15 km östlich von Than Hóa am südchinesischen Meer. Die Straße zwischen beiden Orten wird gerade ausgebaut und so waren die letzten Kilometer vor dem Ziel eine Fahrt durch buckelige Staubwüste. Bei der Einfahrt in den Ort auf einer sechsspurigen Straße ist man erst mal enttäuscht, nur dicke Betonklötze rechts und links. Biegt man aber in der Ortsmitte links ab auf die Strandpromenade, so kommt nach ca. 2 Kilometern schon Fischerdorf-Romantik pur auf.

    Unser Ziel war das Van Chai-Ressort ganz am Ende des Ortes (www.vanchai-vn.com). War das schön, ganz auf alt getrimmt, Bungalows und kleine Häuschen eingebettet in einen tropischen Park direkt am Meer. Egal ob Aschenbecher, Türklinken oder Klorollenhalter, alles war Kunsthandwerk und Naturmaterial, es gab kein Plastik zu sehen, und normalerweise gibt es in Vietnam sehr viel Plastik. Jedes Häuschen mit eigenem Teich (boah können Frösche nachts lärmen) und die Wanne war aus einem Stück Felsen gehauen, es bleibt mir ein Rätsel, wie sie die eingebaut haben.

    Aber auch hier hatten wir nächtlichen Besuch in Gestalt einer Ratte, die sich über die ausliegenden Zuckertütchen hergemacht hat. Mittlerweile, sind mir aber Ratten so egal, wie die Tauben unter den Cafe-Tischen in Deutschland.

    Sam Son scheint eine Sommerfrische vor allem für Vietnamesen zu sein. Die Gastronomie war nicht so auf Westler eingerichtet. Sie haben aber im Ressort abends ganz lieb gefragt, was wir denn so zu Frühstück äßen und tatsächlich standen am nächsten morgen Nutella und Cornflakes für die Jugend auf dem Tisch.
    Auch im Ort fielen wir auf und wurden angestarrt und fotografiert. War aber ganz ok, denn die Leute waren sehr aufgeschlossen und freundlich, die Männer sofort zum Fußballspielen aufgefordert (zum Glück hat T. da was drauf) und die einheimischen Frauen wollten ganz genau wissen, wie es denn jetzt um die verwandtschaftlichen Verhältnisse in unserer Gruppe bestellt war. Viele Fischer am Strand haben uns freundlich gewunken.

    Leider waren wir morgens stets etwas spät dran (obwohl es beim ersten Strandlauf erst 7.00 Uhr war) und die Fischer mit ihren kleine Booten waren schon wieder zurück von der nächtlichen Tour, die Fische schon weggebracht. Aber wir konnten den Frauen und Männer zuschauen, die in stundenlanger Arbeit die feinen Netze wieder entwirrt und die Muscheln und Krebse herausgepflückt haben.
    Das muss ein raues Leben sein, als Fischerfamilie in Sam Son. Dafür aber ohne den Lärm, die Enge und Hektik von Hanoi. Die Menschen wirkten auch recht entspannt und fröhlich, bei dem was sie taten.

    Zu Fuß konnte man stundenlang über den Strand, der je nach Gezeiten schmal oder sehr breit sein konnte, laufen und exotische Muscheln und anderes Meeresgetier finden. Leider auch ertrunkende Hunde. Freilaufende Ponys kamen uns grüppchenweise entgegen. Dazu eine tolle Brandung.
    Das Wetter war schön warm, aber im Meer (ca. 20° C) waren nur die Männer, die anderen haben den Pool (ca. 22°C) bevorzugt

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    Es war nicht viel los, weder im Ressort noch im Ort, wahrscheinlich noch keine Saison. Den Bettenburgen in der Innenstadt und den vielen großen Lokalen nach zu urteilen, ist aber größeres Touristenaufkommen in der Hauptsaison, vermutlich im Hochsommer zu erwarten. So waren in unserem großen Ressort nur 4 Familien untergebracht. Lustigerweise auch eine Kollegin von mir, wir hatten uns vorher gar nicht darüber unterhalten was wir in den Ferien machen und waren entsprechend überrascht uns da zu treffen.
    Für Hanoianer ein idealer Ort für ein verlängertes Wochenende am Meer. Viel Ruhe und viel frische Luft.

  • Unterwegs auf dem Ho Chi Minh-Pfad

    Auf dem Weg nach Sam Son, ca. 220 km süd-östlich von Hanoi haben wir für ca. 150 km den Ho Chi Minh-Pfad befahren. Dieser berühmte Pfad, der vom Norden nach Süden reicht, ist kein einzelner Weg. Er ist vielmehr ein Netz aus Straßen, Wegen, und Trampelpfaden, die teilweise auch durch das Nachbarland Laos führen. Während des Krieges wurden diese Wege für den Nachschub von Menschen, Waren und Waffen zur Unterstützung des Südens genutzt und man sagt, dass dieser Weg eine großer Vorteil für den siegreichen Kampf war.
    Die Qualität der Straße, die wir benutzten, war recht unterschiedlich. Von einer gut ausgebauten Schnellstraße bis hin zur Schlagloch-Schotterpiste war alles und stets abwechselnd dabei. Zum Glück waren wir mit einem Jeep unterwegs.

    Auf der Hinfahrt am Sonntag war es recht beschaulich, bei der Rückfahrt wochentags durch die vielen überladenen alten Laster, die teilweise ihre Fracht während der Fahrt verloren und einem regelmäßig auf der eigenen Fahrspur entgegenkamen, dagegen schon gefährlich. Zweimal mussten wir mit Vollbremsung auf den nicht befestigten Seitenstreifen (zum Glück gab es an den Stelle überhaupt einen) ausweichen.
    Aber auch ein halber Zoo war auf den Straßen unterwegs - Hunde, Ziegen, Wasserbüffel, Schweine- so dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit bei 50 km/h lag.
    Wir haben zum Glück nur einen Unfall gesehen, das Moped aber so zerdeppert, dass ich froh war, das sie den Fahrer schon weggeschafft hatten.

    Dafür war der Weg durch diesen Teil Vietnams atemberaubend schön und kurzweilig. Riesige Marmorberge, breite Flüsse, knallgrüne Reisfelder und Terassen, Palmenhaine. Menschen mit unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln, Schulkinder auf Fahrrädern, marschierende Soldaten, Stelzenhäuser, alte Tempel und Pagoden, Denkmäler. Große Städte mit Sowjet-Architektur, kleine Dörfer nur aus Bambushütten. Ganz so wie man sich Vietnam nach dem Lesen eines Reiseführers vorstellt.
    Entlang des Weges ganz viele einladende Straßenküchen, Obststände und auch Motorrad-Reparaturwerkstätten. Die Leute am Weg sehen wahrscheinlich nicht so oft Westler, denn sie grinsten und lachten und riefen ihre Kinder, damit die an uns was zu gucken hatten. Sie waren sehr freundlich und aufgeschlossen und haben uns einiges auf vietnamesisch erzählt. Einer bot sogar seine Dienste als Ohrenarzt an.
    An einer Raststelle, so einer Art Obststand, wollte meine Nichte unbedingt Stinkefrucht probieren. Der Mann hat gelacht, sich die Nase zugehalten, den Kopf geschüttelt und ihr keine verkauft, stattdessen hat er uns blitzschnell eine Ananas geschält und mit seiner Machete ein paar frische Kokosnüsse trinkfertig zurechtgehauen.

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    Eine besondere Spezialität: Ziegenschnaps

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    Auf dem Ho Chi Minh Pfad ist eindeutig der Weg das Ziel. Trotzdem war ich froh, nach fünf Stunden Fahrt heile aus dem Auto zu krabbeln.

  • Unser Besuch...

    ...hält mich auf Trab. Ich hatte gedacht, sie hätten erst mal ein paar Tage Jetlag und alles wäre ihnen hier eine Nummer zu laut, zu groß und zu voll. Aber nichts da. Schon am ersten Morgen standen sie um 7:00 unternehmungslustig auf dem Teppich. Seit dem zweiten Tag fahren sie allein mit dem Moped durch die Stadt und das angrenzende Umland. Halong Bay ist auch schon abgehakt.

    Ich hatte sie gewarnt, sich nicht übers Ohr hauen zu lassen und sie kommen nach Hause mit Souvenirs, deren Preise wahrscheinlich noch unter denen liegen, die Vietnamesen zahlen.

    Jeden Morgen um 7:00 also die gleiche Frage, was machen wir heute Schönes, mal einen „Gemütlichen zu Hause“ lassen sie nicht gelten. Den Mann meiner Nichte schicken wir morgens gegen den ersten Energieschub dann schon mal mit Laufschuhen oder dem Fahrrad um den See. (15 km)

    Auch abends: Wo ist was los, wo gehen wird denn mal hin. Inzwischen kenne ich diverse Shisha-Bars, Spezialitätenrestaruants und Kneipen, Coktail-Listen rauf und runter (Karaoke haben wir auch schon hinter uns) die sich mir in meiner eigenen Zeit hier noch gar nicht aufgetan haben. Sie haben genau im Hinterkopf, wann die Vorstellungen im Wasserpuppentheater sind und was gerade in der Oper läuft. Hatte ich mit 30 auch so viel Energie? Nehmen die Pillen?

    Gestern habe ich einen 10 km Stadtmarsch mit diversen Besichtigungen mit ihnen absolviert und weiß jetzt auch warum sie so preiswert bei den Straßenhändlern einkaufen: Sie erzählen, sie kämen aus Polen. Den Trick muss ich mir merken!
    Der Spaß kommt auch nicht zu kurz, gestern hat T. erst mal den Verkehr auf diesem völlig chaotischen Platz in der Altstadt geregelt. Er hat sich also mitten reingestellt und gezeigt wo es langgeht. Wir haben oben auf dem Balkon eines Cafés gesessen und gefilmt und gelacht und ich muss sagen, der Verkehr lief tatsächlich geordneter:

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    Vorher (achtet auf den Gullideckel vorne)

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    Nachher

    Heute geht es noch mal nach Bat Trang und morgen starten wir für ein paar Tage nach Sam Son ans Meer, Damen per Auto, Männer mit Motorrrädern. Wenn unsere Gäste wieder fliegen, brauche ich sicher erst mal ein paar Tage Erholung und werde einfach nur zu Hause bleiben.

  • Ausflug ins vietnamesische Kunsthandwerk

    Meine Bekannte X ist eine Shoppingqueen und hat in ihren 6 Monaten, die sie hier ist, schon alle lohnenswerten Shops aufgetan. Wenn man etwas Schönes für den westlichen Geschmack sucht, kann man bei ihr nachfragen, denn sie kennt die besten Adressen. So hat sie uns auch vorgestern mitgenommen ins Keramikdorf Bat Trang. Da war ich ja schon mal in meinen ersten Wochen, allerdings hat in den besichtigten Geschäften nichts meinem Geschmack entsprochen. Sicher sind die handbemalten 2 Meter hohen blauweißen Vasen sehr kostbar, aber eben nicht mein Ding. Und die anderen Sachen, die ich damals gesehen habe, waren der IKEA-Keramik sehr ähnlich und wohl dafür hergestellt.

    Aber natürlich kannte X ein ganz besonderes Atelier, etwas außerhalb vom Ortskern. Die Sachen haben mir so gut gefallen, ich hätte den ganzen Laden leerkaufen können. So schönes Design, tolle Farben und ganz feine Keramik statt der dicken Pötte. Im Showroom durfte man nicht fotografieren, (Angst vor Plagiat?), deshalb einige Fotos aus meiner Küche.
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    Homepage: www.Lc-ceramics.com

    X wäre nicht typisch X, wenn sie nicht noch eine feine Adresse auf halben Wege gekannt hätte, wo es hochwertige Lackwaren gab. Hier durften wir auch die Produktion besichtigen und fotografieren. Die Lackarbeiten sind eine typische Kunst in Vietnam und es benötigt zig Arbeitschritte und Wochen bis alle Schichten aufgetragen und poliert sind. Manche Arbeiten sind mit Eierschalen und Perlmuttschalen dekoriert, die sich hinterher nahtlos glatt in den Lack einfügen oder interessante Reliefs schaffen.

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    Dank X haben wir auch ordentlich Discount bekommen und ich hätte wieder zuschlagen können, aber die Stücke sind nicht ganz billig. Eine Box in der Größe eines Schuhkartons kostet ca. 60 $. Homepage: www.pet@fpt.vn

    Zurück ins 14 km entfernte Hanoi gab es noch mal was neues für mich, ich bin das erste mal mit einem öffentlichen Bus gefahren. Das war ok aber bei Hitze und Überfüllung stelle ich es mir schlimm vor. In der Stadt kann man sich ansonsten ganz gut mit Fahrrad, Moped und Taxi bewegen. Immerhin lief aber schön laut Vietnam-Pop, das hat alle entspannt und das könnten sie in Deutschland auch mal einführen.

  • Vietnamesen bevorzugen vietnamesische Waren...

    ... so heißt eine Kampagne, die gerade in Vietnam läuft. Sinnvolles Ziel ist natürlich, die eigene Wirtschaft zu fördern. Kennt man ja auch aus Deutschland, lieber das Gemüse vom Bauern in der Nachbarschaft als Äpfel aus Neuseeland. Mal ganz abgesehen von der Umweltverschmutzung durch irrsinnige Transportwege.

    Bei der Umsetzung sehe ich noch zwei Probleme.
    Erst mal in Sachen Qualitätskontrolle. Da fällt man noch öfter auf die Nase und ärgert sich, wenn man zu Hause auspackt. Verbraucherrechte wie Umtausch oder Reklamation scheint es in manchen Geschäften nicht zu geben, oft gibt es ja nicht mal einen Kassenbon.

    Das zweite Problem sehe ich darin, dass manche Vietnamesen ihren eigenen Produkten misstrauen und lieber westliche Ware kaufen. Bei den jungen Erwachsenen aus dem Deutschkurs, die öfter beruflich in Deutschland sind, ist Rossmann der Renner und sie kommen tütenweise mit Nivea, Dove, L’Oreal und oft auch einfach mit der Hausmarke Isana zurück.
    Auf meinen Einwand, dass man diese Produkte doch auch hier im Supermarkt bekommt, teilweise in Vietnam produziert, erklärten sie mir, dass das Gerücht umgehe, die Orginalfüllungen würden durch billige Kosmetik aus China ausgetauscht und man wüsste nie genau was wo drin ist.

    Aber so schlecht kann die Vietnam-Produktion auch nicht sein, denn namhafte Sport- und Freizeitbekleidung, teure Outdoormarken (schaut mal ins Etikett) und, und, und werden hier für das Ausland produziert und gelten im Westen als Marken des Vertrauens. Wahrscheinlich ist da eine gute Qualitätskontrolle und -Sicherung vor Auslieferung eingebaut.

    Wirklich tolle Qualität findet man hier bei Produkten des Handwerks. Und zwar nicht in den Shops der Altstadt, da habe ich den Verdacht, dass die ganzen „Sa Pa-Taschen“ und Lackdosen aus China stammen, denn so viel können die Leute in Sa Pa unmöglich sticken und die Leute im Lackdorf hätten sich schon lange die Finger abgeschmiergelt. Und mal gar nicht für den billigen Preis.

    Aber in vielen Dörfern rund um Hanoi, wo sich Dorfgemeinschaften auf eine ganz bestimmte Sache spezialisiert haben. Da kann man zugucken und sieht welches Können, welche Liebe und Arbeit in den Dingen steckt.
    Gestern war ich mit ein paar Freundinnen auf Tour und habe zwei tolle Betriebe besucht. Davon morgen mehr, ich muss noch auf die Fotos warten.

  • Premium Economy

    Früher war eine Reise nach Paris mit fünf Leuten in der Ente kein Problem, aber mit dem Alter schielt man ja doch nach bequemeren Reisemöglichkeiten. Deshalb ist es eine gute Sache, dass Vietnam Airlines seit einigen Jahren eine Klasse zwischen der Economy und Business anbietet, die je nach Reisetag ca. 80 - 200 Euro pro Strecke mehr kostet. Mit diesem Premium - Economy Ticket erkauft man sich neben besserem Service (Essen, Trinken, Kofferausgabe, Einchecken) auch rd. 20 cm mehr Beinfreiheit und einen kleineren Kabinenabschnitt mit nur 7 Reihen. Und man muss nicht so lange am Klo anstehen.
    Fünf Stunden Therapiesitzung wg. erlittener Flugangst oder eine Thrombosebehandlung sind also deutlich teurer.

    Selten ist diese Klasse ausgebucht, so dass wir schon drei Sitze für uns allein hatten und uns schön ausstrecken konnten. Wenn die Economy überbucht ist, wird man schon mal in die deutlich teurere Business im gleichen Flieger upgegradet. Allerdings lassen sich auch hier die Sessel nicht ganz in die waagerechte ausfahren. Dicke Füße gibt’s also auch hier.

    Manchmal wird aufgrund mangelnder Buchungen aber nur eine kleinere Maschine eingesetzt, die nicht über die Premium-Economy Kabine verfügt. Oft werden die Bucher dann mit in die Business gesetzt. Und genau in dieser kleineren Maschine lassen sich die Business-Sitze tatsächlich komplett in die Waagerechte stellen, man kann sich schön auf die Seite kringeln und wunderbar schlafen. Manchmal hat man aber auch Pech und wird zurückgestuft in die Economy, dann bekommt man sein Geld natürlich wieder.

    Die Investition lohnt sich vor allem für Leute mit langen Beinen, Übergewicht oder Flugangst.

  • Wühltisch-Psychologie

    Gestern fiel mir ein Menschengetümmel auf.
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    Vor einer Boutique lag ein ca. einen Meter hoher Kleiderberg, der sogar den Eingang ins Geschäft versperrte und viele junge Frauen anzog.
    Erst war ich irritiert, dann fielen mir aber die Wühltische der großen Kaufhäuser in Deutschland ein. Und ich muss zugeben, so eine Wühlkauf hat was. Der lässt keine Frau kalt. Das muss irgendwo ganz tief in uns drin sein, als wir noch nach Wurzeln und Käfern gegraben haben. Zumindest wir Frauen, denn die Männer waren ja dauernd auf der Jagd. Wenn wir dann bei einem leckeren Kraut nicht schnell genug zugeschnappt haben, hat eine andere unserer Vorfahrinnen es uns vor der Nase weggepflückt und wir waren klar im Überlebensnachteil.

    Am interessantesten sind die Haufen, wo schon viele herumstehen, denn so viele Leute können nicht irren und es muss was besonderes dran sein an der Ware. Wenn aber so viele dran sind, muss man drängeln um auch einen Teil der Beute abzubekommen. Man hat gar keine andere Chance, wenn man es erst wieder aus der Hand legt ist es weg. Fehlkauf lässt grüßen. Und der Erfinder der Wühltische muss Psychologe gewesen sein.

    Diesmal habe ich mich aber nicht beteiligt, in vietnamesischen Boutiqen gilt Gr. 38 als Übergröße, die nicht geführt wird, den Frust spar ich mir.

  • "Made from Germanys"

    Gestern war Springfair (Frühlingsbasar) an einer internationalen Schule in Hanoi. Alle Länder waren aufgerufen einen Stand mit typischen Gerichten zu präsentieren.

    Was gab es wohl am deutschen Stand?
    Na klar: Frikadellen, Kartoffelsalat, Brezeln, Tchibo-Kaffee und Kuchen, Kuchen, Kuchen in allen Variationen, natürlich alle selbst gebacken.

    Und vor allem der Kuchen wurde uns aus den Händen gerissen und bis auf den letzten Krümel gekauft. Aber nicht nur von anderen Deutschen, nein vor allem auch von ganz vielen asiatischen Besuchern. Selbstgebackener Kuchen aus Deutschland muss doch etwas besonderes sein. Das ist mir gestern klar geworden.

    Das hat mein Erlebnis, vor ein paar Wochen in einem großen Supermarkt (genauer gesagt in der METRO, auch deutsche „Erfindung“) in Hanoi kompensiert. Ein ca. 10-jähriger vietnamesischer Junge sprach uns in schönem Schulenglisch an und fragte wo wir denn herkämen.
    Deutschland? Hä! Nie gehört! Ist das in Amerika?

    Man darf sich selbst also nicht so wichtig nehmen, vor allem ist Deutschland ja wirklich nur ein kleiner Fleck auf der großen Weltkarte.
    BMW und Porsche kannte er aber.

    Gestern auf dem Basar wurden erst mal jede Menge deutscher Fähnchen verteilt und vielleicht fragt ein Kind ja abends mal Mama oder Papa: Deutschland? Was und wo ist das eigentlich? Und die Eltern werden vielleicht antworten, das ist da, wo die Leute so viel leckeren Kuchen essen.

  • Weibertag

    Gestern hatte eine Freundin, die auch auf Zeit hier weilt, Geburtstag. Damit sie es so richtig lustig hat und nicht so traurig ist, dass sie schon wieder ein Jahr älter ist, waren wir mit insgesamt vier Frauen im Sofitel Plaza. Erst schön essen (war wirklich lecker und gut) und anschließend ein Date im Beauty-Spa im 4. Stock. Darauf hatten wir uns alle gefreut, uns in diesem 5 Sterne Bunker, im ersten Haus am Platze, mal so richtig verwöhnen zu lassen und uns alle für Splash = erfrischende Gesichtsbehandlung 50 Minuten für 37,5 Dollar entschieden.

    Welche Enttäuschung! Während der Behandlung, unentwegtes Tür auf-Tür zu, ab und an kam eine Kollegin rein zum Plaudern. Auf dem Flur Gelächter und Geschnattere, als wenn eine 9. Klasse Mädcheninternat auf Ausflug wäre. Wegen der zeitweiligen Wattepads auf den Augen wusste ich nie, ob ich jetzt mal wieder allein in der Kabine war oder mit bis zu drei Kosmetikerinnen.

    Dann gabs da im Flur eine Durchsage, weil aber draußen so ein Radau war, habe ich nur Ladys und Gentlemen und irgendwas mit Feuer verstanden. Ich habe also die Fee am Kopfende gefragt ob es brennt? Leider verstand sie aber kein englisch, so dass wir erst auf die Durchsage auf vietnamesisch gewartet haben. Dann ging sie raus um nachzufragen, kam wieder und sagte no, no,only trial.(Nein, nein nur Übung).

    Das hat mich erst mal beruhigt, bis dann die Alarmglocken so richtig laut losschrillten. Da stand ich senkrecht und mit der Hand am Türgriff. Sie zog mich zurück und erklärte mir noch mal only trial und ich habe ihr dann geglaubt. Mit meiner Ruhe war es aber vorbei, immer habe ich versucht, die Geräusche aus dem Flur zu deuten und Brandgeruch zu schnuppern. War aber nicht. Die Art, wie in diesem Hotel mit einer Feuerübung umgegangen wird, naja.

    Beim Aufstehen wurde mir dann noch das Handy der Kosmetikerin gewahr, dass sie während der Behandlung passend neben meinen Kopf plaziert hatte. Keine Ahnung was sie damit gemacht hat, während ich Wattepads auf den Augen hatte, Simsen? Fotos von mir? Feuerwehr anrufen? Als Uhr scheidet aus, die hing sichtbar im Raum.

    Beim Bezahlen gab es dann noch eine kleine Überraschung. Auf die ausgehängten Preise wurden zusätzlich 15 % Servicegebühr aufgeschlagen, und ich habe mich still gefragt welcher Service damit wohl gemeint war.

  • Mitbringsel

    Wenn man hier neu ankommt, kann man sein Glück erst gar nicht fassen: Converse, Ray Ban, Adidas, Hermes, Samsonite, und, und, und, alles für einen Schnäppchenpreis. Und weil das allen Neuankömmlingen so geht, sind die einschlägigen Geschäfte vor allem in der Altstadt in der Nähe des Hoan-Kiem Sees zu finden.
    Nun gibt es auch die Lieben zu Hause, die bitten, ach kannst du mir nicht dies oder das mitbringen.
    Die stellen sich vor, dass man in ein ordentliches Geschäft geht und über Modell, Größe, Qualität und Farbe bei einer Tasse Tee diskutieren und dann auswählen kann. Ist aber nicht, es ist Stress und Zufall, bis man wirklich die Converse ohne sichtbare Mängel in rot in 39,5 gefunden und dann noch streng über den Preis verhandelt hat. Für Haltbarkeit und Verarbeitung kann weder der Verkäufer geschweige denn ich bürgen, wenn ich für andere Leute etwas kaufe. Damit ihr mal seht, wie solche Geschäfte aussehen, ein paar Fotos anbei.

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  • Hanoi Airport Taxi-Falle

    Gestern, während meiner Wartezeit auf unsere Gäste am Flughafen Noibai in Hanoi, hatte ich Zeit mir mal anzugucken, wie das mit den Taxen und den Touristen so funktioniert.
    Ich habe mir also mal ganz genau anguckt, wie einige in diese Taxi-Falle tappen.

    Westler kommen nach ca. 15 Stunden Reise müde und erschöpft in Hanoi an. Und wenn man das erste mal so weit weg von zu Hause ankommt, macht man sich ja spätestens bei der Landung Gedanken: Wie komme ich denn jetzt zu meinem Hotel, zu meiner Adresse, wo muss ich hin?

    Und wenn man dann endlich seine Koffer hat und aus dem einzigen Ausgang herauskommt, dann zieht schon ein Fahrer am Ärmel, reißt den Koffer an sich und ruft Taxi, Taxi. Das mit so einer Hektik und Entschlosenheit, als müsse der Flughafen unverzüglich geräumt werden. Und da nimmt das Übel seinen Lauf, man lässt sich also halbwegs überrumpelt in ein Taxi bugiseren, in dem der eigene Koffer schon verschwunden ist und zack, ehe man Piep sagt, geht die Fahrt los. Zu spät um nach dem Preis zu fragen oder zu verhandeln, denn der Taxifahrer, der einen da souverän in sein Taxi geschubst hat, wird vermutlich bis zum Ziel kein Wort mehr verstehen.
    Leichtes Spiel mit erschöpften, verunsicherten Touristen. Und genau das Gezerre konnte ich mehrfach beobachten. Selbst ich wurde öfter am Ärmel Richtung Taxi gezogen, dabei hatte ich weder einen Koffer, noch wollte ich ohne meine Gäste nach Hanoi City zurück.

    Nun also mein Tipp für die Neuankömmlinge. Keine Sorge, wenn man nicht gerade an TET ankommt, gibt es jede Menge seriöser Taxen von Noibai-Taxi und Vietnam-Airlines Airport Taxi. Dann geht man mal gemütlich an den Taxenstand, raucht sich eine, oder kommt gedanklich erst mal im schönen Vietnam an, guckt die Ärmelzupfer streng an und schaut sich in Ruhe die dort angebrachten Schilder an. Dann weiß man ja schon den Preis. 5-Sitzer 315.000 und 8-Sitzer 345.000 Dong

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    Diese Schilder sind ein toller Service
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    (der freundliche Herr wollte unbedingt mit aufs Foto)

    Als nächstes spricht man (und nicht umgekehrt) einen Taxifahrer der beiden Unternehmen an und lässt sich sicherheitshalber noch mal den Preis als Festpreis bestätigen. Manchmal sagen die Fahrer ihn in Dollar, das sind dann ungefähr 16-18 Dollar (20.000 = ca. 1 Dollar). Und das ist ja wirklich ein Schnäppchen für ca. 32 km. Dann kann man einsteigen und muss die Uhr, die manchmal trotzdem vorne läuft nicht beachten. Es stehen aber auch Ordner mit Walkie-Talkies da und die kann man auch um ein Taxi der og. Firmen bitten. Aber immer vor dem Einsteigen den Preis nochmal hinterfragen. Wenn man nur bis Tai Ho muss, zeigt die Uhr evtl. einen geringeren Betrag an, aber man zahlt natürlich den Preis der auf den Schildern steht und den man mündlich vereinbart hat, das gebietet die Höflichkeit. Wenn man bis hinter das Zentrum muss, kann der Preis entsprechend höher sein, aber nur auf der Uhr, denn man zahlt: Den ausgemachten Preis und je nach Fahrstil noch 10 – 30 .000 Dong Trinkgeld.
    Aber ganz ehrlich, wenn ich bei meiner ersten Ankunft in Hanoi nicht abgeholt worden wäre, hätte ich mich vielleicht auch von so einem Ärmelzupfer in sein Taxi schubsen lassen.

  • Besuch aus Deutschland

    Heute kommt meine Nichte mit ihrem Mann, um uns hier in Hanoi zu besuchen. Sie ist 31 und sagt schon lange nicht mehr Tante zu mir. Das ist ihre erste Asienreise.
    Ich freue mich schon sehr, nicht nur wegen der abgearbeiteten Einkaufsliste in ihren Koffern, sondern auch darauf dass wir hier eine schöne Zeit haben werden.
    Im Vorfeld haben sie mir gesagt, was sie gerne sehen möchten und ich habe schon mal ein Programm der Möglichkeiten zusammengestellt, so dass sie sich was aussuchen können.

    Und ich bin schon so gespannt auf ihre ersten Eindrücke von Hanoi. Ob sie auch so erschlagen sein werden, von dem Gewusel, dem Lärm, der schlechten Luft und dem Verkehr, wie ich in meinen ersten Wochen? Bei den ganzen Fakes schwach werden? Sich mit den vielen Nullen und den ungewohnten Farben auf den Geldscheinen vertun werden? Schweißausbrüche beim Überqueren der Straße bekommen werden? Zum Glück ist es ja noch nicht heiß und an kann auch zu Fuß noch viel unternehmen.

    So kann ich Hanoi noch mal durch ihre Augen entdecken und bewerten. Vielleicht kann ich meine Nichte ja sogar überreden ihre Eindrücke als Gastschreiberin hier in meinem blog zu verewigen.

    Hach, ich freu mich auf die Beiden.

  • Hot Pot

    Das ist ein typisch vietnamesisches Essen für die kühlere Jahreszeit. Es hat sogar etwas von Erlebnisgastronomie.
    Die Tische sind so gebaut, dass jeder Gast vor sich einen, in den Tisch eingelassenen Topf findet, der mit Hühnerbrühe gefüllt ist. Mittels Schalter am Tischbein kann man dann selbst die gewünschte Temperatur einstellen.
    Dazu werden Platten mit Gemüse wie Mais, Kohl, Pilzen, Lotusstengel, Sprossen, Maniok, Kürbis und Unmengen an Kräutern, Glasnudeln und Platten mit frischen Meeresfrüchten gereicht. So kann man sich nach Belieben den schließlich brodelnden Suppentopf füllen. Nach und nach kann man sich dann mit einer Suppenkelle die Zutaten herausfischen und essen.

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    Leider haben die Garnelen noch gezappelt (ok,frischer geht es nun wirklich nicht) und ich habe es nicht übers Herz gebracht, sie in die brodelnde Suppe zu schmeißen, das hat mein Gegenüber dann aber ungefragt für mich in seinem Topf erledigt.

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    Dazu stehen noch allerhand Soßen und Gewürze in kleinen Schälchen auf dem Tisch.
    Auch Vegetarier (wenn man mal von der Hühnerbrühe absieht) kommen hier nicht zu kurz.
    Für die kühlere Jahreszeit mal lecker, für den Sommer kann ich mir das nicht vorstellen, da in dem Raum ungefähr 60 Töpfe gleichzeitig gebrodelt haben und entsprechende Dampfschwaden in der Luft waren.

    Während des Essens ist man also schwer und auch länger beschäftigt. Und man wundert sich, was an Mengen erst in diesen Topf und dann in den Magen passen.

  • Wasser

    An Wasser mangelt es Vietnam nicht. Neben ergiebigen Regenfällen gibt es viele Gewässer, so dass Wasser hier nicht knapp wird. Viele Ausländer machen sich aber Sorgen um die Qualität, die da aus dem Hahn kommt.
    Ist es möglich, dass bei den maroden Leitungen und Kanälen wirklich mal Frischwasser mit Brauchwasser vermischt wird, oder etwas einsickern kann? Es sind ja nicht nur Bakterien, die durch Abkochen vernichtet werden könnten, den Schwermetallen beispielsweise ist das Abkochen egal.

    Deshalb wird geraten, auch zum Kochen ausschließlich gekauftes Wasser zu verwenden. Aber auch beim Flaschenwasser kursieren einige Horrorgeschichten. So zum Beispiel, dass man selbst dem gekauften Wasser nicht vorbehaltlos vertrauen könne. Und manche Händler leere Behälter einfach mit Leitungswasser auffüllen würden.
    Tatsächlich werden leere Wasserflaschen eifrig gesammelt. Zum Recycling oder zum Wiederauffüllen? Eine Firma hatte eine Zeit lang mal völlig dünne und billige Plastikflaschen auf den Markt gebracht. Angeblich um sicherzugehen, dass diese mit ihrem Namen bedruckt, keinesfalls ein zweites mal als Neuware durchgehen könnten.

    Dann gibt es noch „Touristen-Tipps“ um die Eiswürfel. Wenn überhaupt, solle man nur solche Eiswürfel akzeptieren, die aussehen wie dicke Fingerhüte, die würden in einem besonderen Verfahren hergestellt und wären clean.
    In vielen Bars und Restaurants werden Eisblöcke auf Schultern angeliefert und einfach kleingehauen.

    Inzwischen bin ich 8 Monate hier und putze mir mit Leitungwasser die Zähne. Ich nehme überall Eis. Unter der Dusche lasse ich erst mal 2 Minuten heiß durchlaufen, bevor ich mich drunterstelle. Nudeln werden in Flaschenwasser, Eier in Leitungswassser gekocht. Statt Weichspüler gibt’s Hygienespüler in den letzten Waschgang. Die Magen-Darm Probleme in der Familie haben mit der Aufenthaltsdauer stetig abgenommen, mittlerweile scheint das Immunsystem die gängigen Keime zu kennen.

    Wenn ich aber nur zum Urlaub hier wäre, würde ich alles tun, um mir die wenigen Tage nicht durch Krankheit verderben zu lassen.

    Doch auch aufgefüllte Flaschen mit verkeimten Wasser können (in Ermangelung) von sauberen Wasser konsumiert werden, wenn sie 6 Stunden in der Sonne gelegen haben. Diese unglaublich einfache und wirkungsvolle Methode zur Wasserdesinfektion durch UV Strahlen hat ein Schweizer entdeckt und damit vielen Slumbewohnern geholfen. Er hatte am Anfang Probleme, seine Entdeckung bekannt zu machen, da viele Entwicklungshilfe/Brunnenbauprojekte es als Konkurrenz gesehen haben und es ist unglaublich welche Steine ihm anfangs in den Weg gelegt wurden. Heute ist die Aufklärung in armen Gebieten bezüglich dieser SODIS-Methode zum Glück schon weiter fortgeschritten und Arme können sich selbst Wasser zubereiten. Schaut mal auf www.sodis.ch

  • Nachhilfe in Warenkunde

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    Das ist mein bevorzugtes Obstgeschäft und zweimal die Woche bin ich nebenan und komme ab und zu zum Obsteinkauf. Ach, was heißt kaufen, es ist jedesmal eine Nachhilfestunde in Warenkunde und Sicherheit.

    Ich suche mir also Obst aus und überreiche es der Verkäuferin. Die rümpft erst mal die Nase, hält ihre eigene Pomelo hoch und schüttelt heftig mit dem Kopf. Dann wühlt sie sich durch ihre restlichen Pomelos und hält dann freudestrahlend eine andre Frucht in die Höhe. Das gleiche passiert dann mit den anderen Sorten, sie findet immer einen Makel an dem von mir Ausgesuchten. Dabei spricht sie natürlich pausenlos vietnamesisch.
    Bananen haben wir Westler ja lieber die langen gelben. Letztens waren aber nur die kleinen dicken grünen da, egal, ich habe welche genommen. Da holt sie doch tatsächlich von hinten genau fünf (das ist meine Zahl) lange gelbe und legt die anderen wieder weg. Sie kennt mich schon.

    Zum Schluss, werden noch mal alle Früchte mit einem grauen Lappen unbekannter Herkunft abgeputzt, vielleicht denkt sie, ich würde es Zuhause nicht mehr waschen und dann sinnvoll, festes nach unten, weiches nach oben, in Tüten gepackt.

    Den Preis verstehe natürlich auch nicht, steht auch nirgends dran. Also halte ich ihr inzwischen mein Portemonaie hin und sie nimmt sich exakt die Summe, die sie haben will. Es passt immer, denn ich bekomme nie Wechselgeld. Bei einem Preis von ca. 3 Euro für zwei Tüten leckere Exotik, glaube ich aber nicht, dass sie mich groß über den Tisch zieht, es ist mir die frische, gute Ware immer wert. Zum Schluss meckert sie dann, wenn ich das Portemonaie in die falsche Seite meiner Tasche, die ohne Reißverschluss, stecke, verstaut es für mich sicherer und entlässt mich schließlich mit der Anweisung, die Tasche ganz dicht vor dem Körper zu tragen, als seien wir in Paris.

    An Tagen, wo ich eh schon genervt bin vom Zirkus Hanoi gehe ich nicht hin. Aber an den anderen freue ich mich über so viel Fürsorge und Zuwendung und komme aus dem Schmunzeln nicht mehr raus.

  • Das merkwürdige Verhalten vietnamesischer Frauen am Frauentag...

    ...hat mich ein klein wenig verwundert. Im Büro gab es eine Rose für jede Frau, eine nette Geste. Als alle dann eine in der Hand hielten gab es Applaus. Da wurde ich stutzig. Denn die Frauen haben den Männern applaudiert, ich hätte es am Frauentag jetzt umgekehrt erwartet.

    Dann ging es zum Essen in ein vietnamesisches Lokal um die Ecke. Was mich dabei wiederum verwunderte, war die Tatsache, dass die Männer mitkamen. Als ich ganz vorsichtig bei einem Mann nachgefragt habe, bekam ich die Erklärung, „na wir Männer zahlen doch dafür“. Ach so!

    Aber es war trotzdem ein schönes Mittagessen mit insgesamt 40 Leuten und auch die Putzfrau hatten sie nicht vergessen. An allen Tischen wurde gelacht und erzählt, ich habe einiges über vietnamesische Spezialitäten gelernt und es hat für vietnamesische Verhältnisse unglaubliche 90 Minuten gedauert. Zum Nachtisch gab es noch ein Eis als Geschenk des Hauses, aber nur für die Frauen.

    Am Ende kam ich noch mal ins Grübeln, als die Frauen und kein einziger Mann nach Plastiktüten verlangten und die ganzen Reste einpackten, vor allem die Berge von nicht angerührtem Gemüse. Waren die gedanklich etwa schon wieder beim Zubereiten des Abendessens? Aber doch nicht am Frauentag! Und ich bin mir ziemlich sicher, welche Hälfte des Ehepaares aus diesen Resten abends noch was Feines gezaubert hat, statt sich vom Ehemann ausführen zu lassen.

    Aber vielleicht macht das gerade die Stärke der Vietnamesinnen aus, die Männer glauben zu lassen, sie hätten die Hosen an. Um dann im richtigen Moment zu kontern. Da haben sich ja einige amerikanische Soldaten während des Krieges hier im Land auch ganz schön vertan. Finanztechnisch sieht das hier auch interessant aus. Wenn man in einem Geschäft mal von einem Mann bedient wird, kommt spätestens beim Bezahlen eine Frau aus der Ecke, die das Geld entgegennimmt. Geht man mit vietnamesischen Paaren essen, ist es meist die Frau die bezahlt, nicht ohne vorher die Rechnung akribisch kontrolliert und noch zweimal hinterfragt zu haben.

  • Der Tag gehört uns

    Heute ist internationaler Frauentag. Der wird in Deutschland ja nun nicht so sehr begangen, aber hier in Vietnam kommt man nicht daran vorbei.
    In Hanoi ist der Frauentag schon seit einiger Zeit gegenwärtig. So wie bei uns am Muttertag, offerieren viele Geschäfte schon seit Wochen Sonderangebote, sichtbar durch die Aufkleber auf der Frontscheibe, die 20-30- manchmal sogar 50% Discount versprechen. In Restaurants gibt es spezielle Arrangements und die Beautysalons locken mit günstigen Komplettpaketen zur Runderneuerung. Wobei ich das Gefühl nicht loswerde, dass auf manchem Werbebanner lediglich das Wort „Valentines day“ gegen „Women’s day“ ausgetauscht wurde. Egal, an die Frauen wird gedacht und ihre Leistungen gewürdigt.

    Hier in Vietnam, wissen sie, was sie an ihren Frauen haben, ihnen wurde in Hanoi sogar ein Frauenmuseum gewidmet und Frauen packen hier auf Baustellen genauso hart an wie Männer.
    Doch ich wette, dass es auch die Frauen sind, die nach Feierabend den Löwenanteil der Hausarbeit schmeißen, trotz Frauentag-Tamtam.

    Hausarbeit sei angeblich der größte Streitpunkt unter deutschen Paaren. Warum wohl?
    Selbst bei Paaren die beide in Vollzeit berufstätig sind, ist die Hausarbeit oft ungleich verteilt. Und immer unentgeltlich.
    Da gibt es noch viel zu tun. Letztes Jahr am Frauentag haben Frauen der Münchner SPD Rosen an die Frauen und Spülschwämme an die Männer verteilt. Das hat mir gefallen.

    Hier in meinem Haushalt ist es momentan gerecht verteilt. Jeder macht ein bisschen, das meiste macht die Maid, aber die bekommt auch Geld dafür.

    Heute Mittag werde ich mit einer Horde vietnamesischer Frauen, aus der Firma wo ich Deutschunterricht gebe, zum Essen gehen. Die männlichen Kollegen haben das spendiert. Ich freu mich schon.
    Allen Frauen wünsche ich heute einen besonders schönen Tag.

  • Tatort in Hanoi

    Wer hätte das gedacht, dass ich mich noch mal über einen Tatort von 1986 freuen kann. Aus der Ferne hat man plötzlich eine andere Sicht auf die Dinge. Das werden Selbstverständlichkeiten kostbar. So eben auch alte Tatortschinken mit grauenhaften Frisuren, Mode und Autos.

    Dafür aber mit dem ganz junge Götz George, der ja später selbst Kommissar wurde, und dem kindlichen Marius Müller-Westernhagen als Fluchthelfer.

    Wir empfangen hier deutsche Welle mit Nachrichten, Reportagen, Infosendungen, aber mal einen Spielfilm, wie eben den Tatort den bekommen wir über Youtube. Dabei sind wir natürlich darauf angewiesen, dass ein Tatort-Fan den Film vorher in sechs 15-Minuten Sequenzen zerstückelt und ihn reingestellt hat. Es gibt auch die Homepage der ARD, da könnte man auch runterladen, aber wegen „Jugendschutz“ ginge es dort nur nach deutscher Zeit zwischen 20:15 – 06:00.

    Das gucken selbst, gestaltet sich dann schon abenteurlich. Manchmal dauert es 10 Minuten, je nach Tagesform des Internets, bis ein Teil hochgeladen wurde, dann stockt das Bild auch während des Guckens, und wenn es dann gerade richtig spannend wird, dann ist der Teil zu Ende und der nächste muss erst wieder hochgeladen werden.
    Manchmal brauche ich für einen Tatort 3 Abende, was der Freude am Sehen aber keinen Abbruch tut.
    Leider habe ich in Deutschland auch oft Tatort geguckt, so dass ich die neueren meist kenne, etwas frustrierend wenn man es erst nach dem langwierigen Hochladen des ersten Parts merkt. Aber bei denen mit Opel-Kapitän als Dienstfahrzeug und Funkgeräte mit einem richtigen Hörer, kann ich mir sicher sein, denn in dieser Zeit hatte ich andere Interessen als sonntagabends Tatort zu gucken. Außerdem ist das Hirn gnädig, nach 25 Jahren hat es die Handlung eines seichten Films meist vergessen.
    Am Samstag kommt übrigens der neue Münsteraner Tatort „ Hinkebein“, habt ihr’s gut!

  • TCM...

    ... für viele ist es die Hausmarke von Tchibo, aber die Buchstaben stehen auch für traditionelle chinesische Medizin.

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    Die Fachfrau hier in Hanoi ist Frau Dr. Huong. Ich bin mir sicher, dass es auch noch andere gute Adressen gibt, ihr Vorteil ist aber, dass sie fließend englisch und französisch spricht. Deshalb wird ihre Praxis auch oft von Westlern aufgesucht. Denn sie ist spezialisiert auf westliche Zivilisationskrankheiten wie Migräne, Asthma, Allergien, Neurodermitis, Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Gicht, Hormonungleichgewichte, Rücken- und Gelenkprobleme, etc. Alles diese chronischen Sachen, bei denen man in Deutschland nach dem dritten Arztbesuch aufgibt und versucht, damit zu leben.

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    Behandlungsmethoden: Akupunktur, Akupressur, Reflexzonemasage, Schröpfen und Moxibustion. Dazu Tees und Kräuterzeugs.
    Natürlich gibt sie auch immer einen Zettel mit, auf dem weitere Verhaltensregeln stehen, die man jetzt nicht so gerne liest. Z.B. nach jeder Mahlzeit bewegen, keinen Alkohol und kein rotes Fleisch. Und dabei lacht sie so herzlich, drückt den Patienten und erklärt felsenfest: "Aber natürlich wird es besser", so dass man es ihr einfach abnehmen muss.

    Die Praxis ist einfach aber gemütlich eingerichtet, das Arztgeheimnis ist jetzt auch nicht so geschützt durch die Kabinen aus Vorhangstoff, aber es ist ja auch mal ganz interessant, mit welchen Leiden sich andere Leute so rumschlagen müssen. Es ist sehr sauber (Schuhe aus!) und alles kommt frisch aus dem Sterilisator. Die Nadeln sind Einmalprodukte.

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    Einigen Bekannten und Familienmitgliedern hat sie schon erstaunlich gut geholfen und die Dankesbriefe und Fotos aus aller Welt sprechen für sich.
    Wer also ein paar Tage in Hanoi weilt, mit einer chronischen Problem im Gepäck, der sollte sie mal besuchen.
    Kosten, nicht teurer als ein Kneipenbesuch in Deutschland, pro Sitzung etwa 12 Euro.
    Gestern war ich mit meinem Sohn da, und als sie mich fragte, ob sie auch etwas für mich tun könne, musste ich erst mal scharf nachdenken. Und habe erfreut festgestellt, dass ich im Moment so richtig „pumperlgesund“ bin. Schon für diese Erkenntnis hat sich mein Besuch, der ganz gratis war, doch gelohnt.

  • Im deutschen Formularedschungel...

    ..hat man es auch nicht immer leicht. Mein Sohn macht nach zwei Auslandschuljahren hier in Hanoi in diesem Sommer sein IB, ein mit dem deutschen Abitur gleichwertiger, internationaler Abschluss. Seit letzten Herbst werden seine Klassenkameraden und er von den Lehrern gescheucht, sich um ihre Studienplätze in der ganzen Welt zu kümmern. Also Kontakt mit der deutschen Wunsch Uni in NRW aufgenommen.
    Da die Umschreibung des IB in ein deutsches Abi sehr lange dauern würde, und ein IB für spätere internationale Bewerbungen Vorteile bringen könnte, riet die Uni per mail, sich doch einfach direkt mit dem IB, wie Ausländer auch, zu bewerben.
    Gute Idee.
    Als dann die Anmeldeunterlagen per mail kamen, dachten wir, das müsse ein Missverständnis für den Fall meines Sohnes sein. Es wurde gefragt nach Deutschkenntnissen, abgelegten Deutsch-Sprachprüfungen, und ob er eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland hat oder asylberechtigt sei.

    Deshalb ist er in den Weihnachtsferien noch mal persönlich zu der Studienberaterin der Uni gefahren um seine Situation zu schildern. Deutscher Pass, deutscher Wohnsitz, deutsche Muttersrpache, Deutsch als Fach durchgehend. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie sein Problem nicht ganz verstanden hat, denn beim Rausgehen lobte sie noch eben, dass er ja schon ganz gut deutsch spräche. Er solle sich keine Sorgen machen und einfach das online Formular ausfüllen.

    Nun haben wir über dem Formular geschwitzt. Wie sollen die Deutschkenntnisse nachgewiesen werden, wenn man nie an einer Feststellungsprüfung teilgenommen hat. Und was soll man eintragen, wenn nach der Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland gefragt wird? Frei dürfen die Felder nicht bleiben.
    Und ist er überhaupt asylberechtigt?
    Und warum muss er sich zur Sprachfeststellungsprüfung anmelden?
    Kurz, er findet sich überhaupt nicht wieder in diesem Formular.

    Letztens wurde ich zur Schule zitiert und von der Verbindungslehrerin spitz gefragt, warum mein Sohn immer noch keine Zusage einer Uni vorgelegt hätte, seine Stufenkollegen seien schon längst so weit und haben Zusagen aus aller Welt. Auch die zwei anderen Deutschen. Aber die gehen ja auch nach Holland und England.

    Und ich bin mir nicht mal sicher, ob das mit dem Formularkram in diesem Jahr überhaupt noch klappt.

  • Kinder - unsere Zukunft

    Das Durchschnittsalter der Bevölkerung Vietnams beträgt etwas unter 30, das ideale Alter um Kinder zu bekommen. Und ich habe tatsächlich noch nie so viele Schwangere und kleine Kinder im Alltag gesehen wie hier. Familienplanung sieht so aus, dass sich die meisten Paare zwei Kinder (Junge, Mädchen/zwei Jungen sind beliebter als zwei Mädchen) wünschen, möglichst schnell nach der Hochzeit. Von diesen Nachwuchszahlen kann Deutschland nur träumen und macht die Familienministerin sicher neidisch.

    Der Gedanke, dass diese Kinder auch uns in Deutschland demnächst als Ingenieure oder Pflegekräfte aus der Misere helfen könnten ist verlockend wie naheliegend.
    Und arrogant!

    Denn warum sollte es sie ausgerechnet nach Deutschland locken. Viele Deutsche glauben immer noch, dass es für Ausländer das Paradies sein müsse, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Quasi eine einmalige Chance, für die Auswanderer dankbar sein müssten. Ein Sechser im Lotto.

    Einwanderer sehen es etwas nüchterner.

    Da sind Länder wie Australien, Norwegen und Großbritannien schon viel weiter. Statt fünf Kilo Formulare, Mißtrauen und Wiederholungen von Sprach- und Führerscheinprüfungen gibt’s zur Begrüßung Herzlichkeit, Wohnungen und Betreuungsangebote für die Kinder.

    Bleibt zu hoffen, dass diese vietnamesischen Kinder später wenigstens mal als Investoren nach Deutschland kommen und etwas Geld dalassen.

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    Die Fotos sind übrigens auf einer Firmenfeier entstanden, wo es ganz selbstverständlich war, dass die Kinder mitgebracht werden. Das stelle man sich mal bei uns vor. Und entsprechend der Kinderschar ging‘s auch ganz schön rund und lustig zu. Erst sind sie etwas schüchtern, aber nachdem sie einen ganz Mutigen vorgeschickt haben, gibt es keine Berührungsängste mit den Langnasen mehr.

    Die Eltern dieser Kinder, die alle ein abgeschlossenes Studium haben und stets beide berufstätig sind, sehen die berufliche Zukunft ihrer Kinder sicher nicht auf einer Pflegestation im deutschen Altenheim. Höchstens vielleicht als Besitzer der Mega-Altenheimkette „Lotus-Park“.

  • Sperrstunde

    Gestern abend war ich im La Salsa, einer gemütlichen Kneipe in der Innenstadt, endlich mal wieder allein unter Frauen. Unsere Gläser waren noch halbvoll, da fragt die Thekenmaus ob wir noch was trinken wollen. Wir haben verneint (Hä? will die einen ausgeben?) und plötzlich legt sie die Rechnung vor. 2 Minuten später werden 90% der Lichter gelöscht. Ein irritierter Blick auf die Uhr: 22:50 Uhr, und zwar an einem Freitagabend in Hanoi-City. Also auf keinen Fall versackt.

    Warum sind der Spaß und die Feiern hier immer so schnell zu Ende?

    Auch bei Hochzeiten, Geburtstagen, Firmenfeiern: Nach einer Stunde ist Schicht und nach 90 Minuten fängt das Personal an, zwischen den Füßen der Gäste, die es noch nicht ganz begriffen haben, durchzufegen und das Flutlicht anzustellen. Oft steht dann ein ratloser Trupp Westler vor dem Festzelt oder Hotel und überlegt krampfhaft, wo denn noch was los ist. Oft ist „Zuhause“ die einzige Antwort.

    Wenn man Vietnamesen für 20:00 Uhr zum Essen einlädt, kann man sicher sein, dass man den Film um 21:45 auf keinen Fall verpasst, dann haben die sich garantiert schon verabschiedet. Beim ersten Mal habe ich noch gedacht, es hätte ihnen nicht geschmeckt oder sie fühlten sich unwohl bei uns.

    Sicher, in Deutschland kommt auf den Partys ab Mitternacht auch nicht mehr viel Intelligentes rum, aber nach schlau kommt ja lustig, das ist ja auch mal ganz schön.

    Vielleicht liegt es daran, dass es hier kein Wochenende im westlichen Sinne gibt? Die großen und kleinen Geschäfte sind sonntags genauso geöffnet wie in der Woche, auch in vielen internationalen Firmen wird samstags zumindest bis mittags gearbeitet. Ich vermute, die Vietnamesen stehen auch am Wochenende immer um die selbe Zeit auf. Da kommt der Bio-Rhythmus nicht durcheinander und es gibt keine schlimmen Montage!

    Aber es mal richtig krachen lassen, der Zeitungsfrau begegnen, und mal ordentliche Augenringe, das kennen die hier nicht.
    Schade manchmal!

  • Diese Woche bei Aldi: Heimweh

    Ich schaue auch vom fernen Hanoi aus ab und zu auf die ALDI-Homepage nach den Sonderverkäufen, um bei lebenswichtigen Dingen wie Kopfkissen, Tassenpudding oder Schulbedarf zuschlagen zu lassen: Von meinen Lieben daheim.

    Gestern war ich mal wieder etwas „bummeln auf ALDI.de“ und war danach plötzlich leicht deprimiert.
    Grassamen, Dünger, Astscheren, Hochdruckreiniger, Primeln. Und ich wette, nächste Woche geht’s los mit den Gartenmöbeln, das typische ALDI-Jahr eben.

    Muss das schön sein, den deutschen Frühling vor der Flinte zu haben, den hätte ich ohne ALDI glatt vergessen. Die schönste Jahreszeit. Wenn man die ersten Krokusse entdeckt, die die Schneeglöckchen abgelöst haben und ich bin sicher, man sieht schon die Spitzen der Osterglocken, wenn nicht sogar schon die Forsythien blühen! Das geht mir in Deutschland immer das Herz über und ich bin dann richtig motiviert, den Garten auf Vordermann zu bringen. Terrasse schrubben ist für mich mindestens so feierlich wie Tannenbaum schmücken.

    Hier in Hanoi ist gar keine richtige Jahreszeit. Soviel Natur gibt es in der Großstadt auch nicht zu beobachten und die meisten Bäume, nicht nur die Palmen, sind immergrün. Keine Entenküken, Lämmchen und zwitschernden Singvögel. 90% der Tage sind dicht bewölkt. Sommer wie Winter ist der Himmel eine graue Masse, keine Zuckerwatte- oder Schäfchenwolken auf blauem Grund in Sicht.
    Beim letzten Heimaturlaub haben sich die Leute gewundert, dass ich gar nicht braun bin. Aber wovon auch?
    Hier fühle ich eher Unwillen vor dem was kommt, statt mich darauf zu freuen. Dann geht es wieder los mit dem Geschwitze, der Flucht in klimatisierte Räume, Fahrradfahren viel zu anstrengend.

    Also genießt euren Frühling, im nächsten bin ich wieder dabei.

  • Au Backe

    Während man in deutschen Zahnarztpraxen Sicherheitsabstand an der Rezeption halten muss, damit das Arztgeheimnis des Vordermannes nicht gebrochen wird, geht es hier etwas salopper zu.
    Der Behandlungsstuhl steht oft im Schaufenster und wenn man Zeit und Lust hat, kann man von draußen zuschauen was da so abgeht. Die Wartenden sitzen auf Hockern hinter dem Stuhl und können schon mal beim Zugucken so richtig Angst kriegen bis sie dann selbst an der Reihe sind.

    Helferinnen gibt es kaum, es sind meist ein Mann/Frau Betriebe und manche Dentisten selbst sehen aus, als wenn sie noch nicht die Volljährigkeit erreicht hätten.

    Hier ein Einblick in eine Praxis.
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    Der nächste bitte! Der Raum dahinter ist eine Toilette ohne Tür.

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    Steri-Ecke!

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    Labor, der Kamm ist sicher für Patienten mit Haaren auf den Zähnen

  • Englisch für runaways

    Dass in Hanoi Englisch meine Sprache sein würde, war mir bereits vor der Abreise klar. Deshalb hatte ich die letzten Monate in Deutschland damit verbracht, mein altes Schulenglisch aus den Tiefen meiner Erinnerung heraus zu kramen und aufzufrischen.
    Das hätte ich mir sparen können.

    Ein Schüler brachte es auf den Punkt. Von mir gefragt, ob er außer englisch noch andere Sprachen spräche, schaute er mich ganz groß an und erwiderte: „Nein, englisch kann ich nicht“. Auf meine Frage, was wir denn dann gerade sprächen, klärte er mich auf: „For sure, amerikanisch.“

    Und damit hatte er natürlich vollkommen recht.
    Statt Children und Pupils gibt es hier Kids und Students (dabei haben die doch noch gar kein Abi?)
    Und peinlich kann es auch werden wenn man das Radiergummi rubber (im amerikanischen für Kondom) statt eraser nennt und kann nur hoffen, dass es der Principal (Rektor) nicht gehört hat, von dem ich bisher dachte, dass er Headmaster hieße.

    Die Australier kommen mit einem ganz eigenen Akzent zu Wort, so dass ihre eigene Königin sie vermutlich schlecht versteht.
    Amerikaner und Kanadier feuern eher Wortsalven, ob sie Dieter Thomas Heck kannten?
    Englisch sprechende Vietnamesen haben ihren ganz eigenen Dialekt.

    Vor einiger Zeit habe ich meine Englisch - Lernstrategie gewechselt. Statt Lehrbuch vom Hueber-Verlag, sind es nun die Folgen von How I met your mother und Projekt Runway, das bringt mich hier weiter.

    Toll finde ich, ab und an ältere englische Damen zu treffen. Sie sprechen so schön und klar, dass ich mich plötzlich wieder 13 Jahre alt, in einem deutschen Klassenzimmer beim Englischunterricht mit der lieben, unvergessenen Frau Zöllner-Wiethoff wähne. Die war da zwar schon 60 aber immer noch Miss.

  • Das Gesicht von Hanoi

    Wenn man in Reiseführern Bilder aus Hanoi betrachtet, sieht man vor allem schöne Tempel, Pagoden, Röhrenhäuser und enge Gässchen.
    Das stimmt ja auch, zumindest in der erste Reihe. Aber direkt dahinter türmt sich ein Wolkenkratzer nach dem anderen auf. Es wird gebaut bis zum Mond. Das höchste Gebäude ist mittlerweile 75 Stockwerke hoch und wird sicher bald getoppt. Der Stadtrand von Hanoi scheint sich täglich nach außen zu verschieben. Bald wie Hongkong oder Singapur. Und jeden Morgen, wenn ich vom Balkon aus über den See nach Osten schaue, kommt es mir vor, als wenn über Nacht schon wieder ein neuer Wolkenkratzer dazu gekommen wäre.

    Wer will darin wohnen oder arbeiten? Der Bedarf scheint riesig. Und irgendwann werden die alten unrsprünglichen Viertel nur noch zur Erinnerung an alte Zeiten und als Touristenattraktionen bleiben.

    Eine schöne Übersicht über das wuselige Hanoi gibt dieses Video

    http://youtu.be/z1FC1xasifI

  • Freie Fahrt für freie Bürger...

    habe ich gedacht, als am Samstagabend die Ampeln auf einer großen Kreuzung in der Stadt (Ly Thuong Kiet / Ba Trieu) irgendwie verrückt spielten. Alle Autos der beiden vierspurigen Straßen hatten grün und die Fußgängerampeln ebenfalls auf grün. Also die Anlage war nicht einfach ausgefallen, sondern zeigte Dauergrün für alle, jedenfalls an allen Ampeln die ich von meiner Position aus einsehen konnte. Einige Minuten zuvor war der Strom zweimal für ein paar Sekunden weg, vielleicht hat sich da was verstellt?

    Und was ist passiert?: Nüschte, wie der Berliner sagen würde, gar nichts!

    Das stelle man sich mal in Deutschland vor, grün ist einfach grün und das würde ordentlich krachen und vielleicht würde es auch ein paar Fußgänger erwischen. Hier aber kein Problem. Da den Ampeln sowieso nicht blind vertraut werden kann, fährt immer noch das Hirn mit.

    Und der Verkehr lief ganz normal, wie an anderen Straßenkreuzungen auch: Hupen, drängeln, Weg abschneiden, als Geisterfahrer auf die falsche Seite abbiegen. Aber kein Crash. Und ich bin auch heile über die Straße gekommen.
    Braucht man Ampeln?

  • IKEA auf vietnamesisch

    In Hanoi gibt es tatsächlich IKEA Filialen. Doch ich habe mich zu früh gefreut. Keiner ist größer als 6 qm und hat neben ein paar Artikeln, die man sonst im Kassenbereich der großen Ikea-Märkte in Deutschland findet, auch andere Plastik-Wohnaccessoires made in China und sogar Zigaretten. Mehr als zwei Kunden passen aber nie rein.

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    Normalerweise sind IKEA-Parkplätze ja größer.

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    Den Mienen nach zu urteilen, wird da gerade hart gefeilscht.

    Dagegen gibt es hier in Hanoi aber einen anderen Shop mit drei Filialen namens UMA, und da findet man tatsächlich Schweden-Design auf ca. 120qm in drei Etagen und man wird stark an IKEA erinnert. Denn wie bei IKEA haben alle Möbel und Accessoires Namen, oft Städtenamen aus aller Welt (OXFORD,CHICAGO,VERONA) oder aus der Natur (CLOUD, LAKE, LOTUS). BILLY heißt hier FRANZ. Alles wie beim Original in Großbuchstaben.

    Nun gibt es auch einen Katalog von UMA, stolze 38 Seiten dick und damit erst ein Bruchteil des IKEA Schinkens. Die Abbildungen aber wieder sehr ähnlich: Wohnsituationen mit Menschen, die gerade ihrem Leben nachgehen.

    Und genau da gibt es interessante Unterschiede zwischen Asien und Europa. Im Flur stehen statt Gummistiefeln und Turnschuhen Highheels. Im Wohnzimmer laufen die Leute barfuss, auf einem Bild huscht gar eine Maid durchs Zimmer, die Blumen gießt, während die Familie mit Stäbchen isst. Das Kinderzimmer hat zwar drei sichtbare Wände aber kein einziges Fenster. Während der IKEA Katalog recht international daherkommt, gibt es bei UMA nur asiatische Gesichter.
    Auch wenn das Wort „Urheberrechte“ hier in Vietnam nicht weit verbreitet ist, hinterlasse ich lieber nur die Adresse der homepage: www.uma.vn statt Katalogfotos einzustellen.

    Geschäftsführer scheinen dem Katalog nach, eine Vietnamesin und ein August Wingardh (Schwede?) zu sein.
    Einige Ausländer haben mir erzählt, dass UMA zu IKEA gehöre, der Katalog gibt aber keinen Hinweis darauf. Es kann aber auch sein, dass einfach die Geschäftsidee kopiert wurde.

    Jedenfalls macht es Spaß, dort zu stöbern und die Bude mit dem ganzen unnüzten Zeug vollzustopfen, genau wie bei IKEA. Es fehlen aber eindeutig die Hotdogs zum Selbergarnieren und das Kinderkino mit den schönen Lindgren-Filmen.

  • Alte Liebe rostet nicht

    Kennt ihr noch diese Sportart Squash, die ihren Höhepunkt in Deutschland irgendwann in den 80 –90er hatte? Wo man zu zweit in einem Glaskasten hektisch einen Ball gegen die Wand hämmert und sich dabei herrlich abreagieren kann? Ich war mal ein Fan von Squash. Mit jedem Kind ist aber der Schläger tiefer im Keller versunken, die umliegenden Hallen gab’s irgendwann auch nicht mehr.

    Ausgerechnet hier in Hanoi habe ich meine alte Liebe wieder entdeckt. Eher zufällig fand ich im Fitnesscenter ganz versteckt zwei nagelneue, ungenutzte Squash-Courts. Hab mir meine alten Schläger aus Deutschland mitbringen lassen, Gleichgesinnte gefunden und dann los. Mein Schläger war nach 30 Jahren natürlich die Lachnummer, etwa so wie die Ski ihre Form die letzten 30 Jahre stark geändert haben ist es mit den Squash-Schlägern passiert.

    Squash scheint aber auch hier in Vietnam nicht populär zu sein, denn es war nicht leicht, neue Schläger zu kaufen und die Plätze werden höchstens mal zum Judo genutzt. Badminton sieht man hier dagegen in jedem Park und auf Bürgersteigen. Squash verlernt man aber, genau wie Radfahren, nicht. Und die Tochter staunt, was Mutti noch so drauf hat und will es auch lernen. „Boah Mama, du warst früher bestimmt mal ein Weltmeister im Squash.“ Naja, das hab ich einfach mal so stehen lassen, Kinder müssen ja nicht alles wissen.

  • Der Duft von Hanoi

    ... war fast schon vergessen während der kühleren Jahreszeit. Jetzt kommt die Hitze aber langsam zurück und mit ihr das Duftfeuerwerk. Und das ist oft ganz schön heftig. Die hohe Luftfeuchtigkeit tut ein Weiteres dazu, die Gerüche der Großstadt weiträumig zu verteilen. Jeden Hundehaufen riecht man dann schon aus 10 m Entfernung und wenn man bedenkt wie viele Hunde es hier gibt!
    Wenn die Straßen und Bürgersteige hier nicht so holprig wären und der Verkehr disziplinierter, könnte sich ein Blinder hier nur mit seinem Geruchsinn prima orientieren.
    Allein bei einem kurzen Weg durch die Nachbarschaft, wird der Nase so allerhand geboten. Es fängt an mit dem Benzingestank im Treppenhaus, da die Mopeds im Hausflur geparkt werden. Dann auf der Straße, riecht der gegenüberliegende See, je nach Wind mal ganz übel modrig und fischig, manchmal auch lecker algig wie die rauhe Nordsee.

    Vorbei an den Abfallkübeln der Straßenkehrer, hier besser die Luft anhalten und etwas Gas geben. Dann kommen die Blumenhändlerinnen, die machen es wieder wett, denn die Blumen hier in Vietnam riechen wirklich noch wunderschön und original und ein Strauß in der Wohnung ersetzt das Raumspray.
    Auf dem weiteren Weg tut sich wieder ein Loch in der Straße auf und gibt den Blick in die Kanalisation Hanois frei, den Geruch gratis dazu.
    Frische Pomeloberge am Straßenrand sind dann wieder angenehmer zu riechen.

    Und die vielen Straßenküchen: Je nach Angebot, mal lecker Grillgeruch und manchmal auch dumpf, fettig und einfach undefinierbar.
    Der Feierabendverkehr stinkt gefährlich ungesund nach Gummi, Bremsklötzen und Abgasen. Viele Hanoianer machen vor ihren Häusern ein Feuerchen für den Abfall, Ahnenopfergaben oder einfach für den Wasserkessel. Das qualmt und beißt in Nase und Augen.

    Eine besondere Herausforderung ist auch ein Gang über den Markt. Da schlägt der Geruch je nach Laufgeschwindigkeit im Sekundentakt um. Man kann das Eisen im Fleischblut förmlich riechen, wirklich metallisch. Manche Gewürze, einfach nur köstlich! Aber die getrockneten Fische und Pilze, da könnte ich nie stehenbleiben und ich bekomme beim Gang über den Markt regelmäßig Schnappatmung. Ab 30 Grad kann ich da nicht mehr durch.

    Viele Taxifahrer haben Ananasfrüchte im Auto liegen, erst nach einer Weile habe ich herausgefunden, dass es die Alternative zu Duftbäumchen am Rückspiegel ist.

    Im Sommer ist die Stadt wirklich eine olfaktorische Herausforderung, der nicht jedermann gewachsen ist und die auch in keinem Reiseführer erwähnt wird. Dann ist man oft einfach nur froh, zurück in den eigenen vier Wänden zu sein. Aber selbst da hat man mit Gewabber aus Lüftung und Abflüssen zu kämpfen. Und Fenster aufreißen ist bei der Außentropik auch keine Lösung. Deshalb bin ich gar nicht scharf auf den Sommer.

    Bei dem ganzen Gestank denk ich manchmal an den Roman „Das Parfum“ von Patrick Süßkind, wie auf den ersten Seiten die Geburt seiner Hauptfigur Grenouille auf dem Pariser Fischmarkt sehr „anrüchig“ beschrieben wird, und werde das Gefühl nicht los, dass der Autor auch schon mal in Hanoi gewesen sein muss.

  • Rikschas

    Rikschas gehörten vor langer Zeit fest zum Stadtbild von Hanoi. Auf alten Fotos sind die Straßen voll davon. Heute gibt es Mopeds und Taxen. Auf den alten Bildern werden sie von Fußgängern gezogen. Die heutigen sind Fahradtaxis und der Fahrer sitzt schiebend hinter den Gästen. Rikschas werden hier in Hanoi oft noch von Touristengruppen genutzt. Dann wird eine ganze Busladung in 30 Rikschas hintereinander durch die Stadt geschaukelt. Je nach Terminkalender der Reisegruppe auch gerne im Feierabendverkehr. Zwischen den ganzen Mopeds und Autos stehen sie dann mehr als sie fahren und halten den Verkehr auf. Viele Touristen schauen sichtlich gequält und verängstigt aus der Rikscha heraus auf das Chaos und pressen sich gleichzeitig Tücher vor den Mund.

    Ich selbst bin noch nie damit gefahren. Irgendwie kommt es mir dekadent vor mich von einem alten Mann, der dazu noch viel kleiner und schlanker ist als ich, durch die Stadt schieben zu lassen. Der Anblick manch wohlgenährter Touristen, wie sie sich von einem Häkchen durch die Straßen Hanois radeln lassen, sieht manchmal zum Schreien komisch aus. Aber es ist wohl ein fester Bestandteil des Reiseprogramms vieler Besuchergruppen.

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    Zu besonderen Anlässen gehört die Fahrt mit der Rikscha aber nach wie vor noch zur Tradition der Hanoi-Bürger. Manchmal sieht man Konvois, in denen Frauen in festlicher Landestracht und Männer in feinem Zwirn Platz genommen haben. Ich vermute, so geht es zu Hochzeiten oder Beerdigungen, denn die Rikschas sind dann schön geschmückt mit Girlanden oder Blumen.

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  • Koriander....

    muss man lieben oder hassen, dazwischen scheint es nichts zu geben. Fragt man herum, trifft man kaum jemanden der sagt: „ Koriander? Ist mir eigentlich egal.“ Die meisten antworten: „mhhh lecker“, die anderen hassen ihn abgrundtief. So wie ich.
    In Deutschland ist Koriander nicht sehr verbreiten, man trifft ihn vorwiegen beim Thai oder Japaner. Aber hier wird er verschwendet wie bei uns Petersilie oder Schnittlauch. In Suppen, Salaten und auch in den ansonsten köstlichen, ungebratenen Frühlingsrollen. Auf Korinader beißt man hier ganz unverhofft bei vielen Speisen.

    Viele können diese Abneigung nicht nachvollziehen und oft kriege ich zu hören: "Jetzt stell dich nicht so an." Um so mehr freue ich mich darüber, dass ich hier schon einige Menschen getroffen habe, denen es genauso geht wie mir. Sobald ein Stück Koriander zwischen die Zähne gerät, schmecke ich nur noch Seife, der ganze Mund scheint voll mit Flüssigseife und an weiteres Essen ist danach nicht mehr zu denken.

    Vielleicht ist es eine genetische Besonderheit der Papillen auf der Zunge. So etwas ähnliches gibt es beim Erschmecken einer bestimmten Säure. Während manche Menschen sie in relativ hoher Konzentration noch nicht schmecken, verziehen andere schon bei wenigen Molekülen das Gesicht.

    Es beruhigt mich, hier Leute zu treffen, die Koriander ähnlich seifig erschmecken.
    Seit einiger Zeit habe ich das vietnamesische Wort für Koriander (Rau Mui) parat und kann bei Bestellungen gleich nachfragen. Trotzdem passiert es manchmal, dass doch Koriander drin ist. Wenn ich dann auf meinen ursprünglichen Wunsch verweise, guckt mich der Koch ganz groß an und sagt: Da war aber doch nur ein ganz Kleines bisschen drin. Leider ein ganz Kleines bisschen zu viel für meinen Geschmack.

  • Fotos aus Bin Lac

    Wie versprochen, heute einige Einsichten in das Dorf Bin Lac

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    Das Dorf inmitten von Reisfeldern

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    Von oben sieht man Mai Chau und angrenzende Dörfer

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    Ganz was anderes zum Verkehr von Hanoi

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    Handarbeit

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    Gegrilltes Zuckerrohr, mmhhhh lecker!

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    Vogelfalle, der Guide nannte es Naturradio.

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    Das Haus des Gastgebers

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    Feuermachen ist Frauensache

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    Die Kinder scheinen den Umgang mit dem offenen Feuer gewohnt.

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    Da haben die Touris ganz schön geschwitzt, sind aber trotzdem nett gegrüßt worden.

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    Und das ist erst der Anfang der Höhle. Auf dem Bild ist ein Mensch versteckt...

  • Landpartie

    Das Wochenende habe ich in dem Dorf Ban Lac ganz in der Nähe von Mai Chau verbracht. Das liegt ungefähr 140 km von Hanoi entfernt, und die Gegend ist ziemlich bergig. Die Fahrt im Bullli dorthin ist für Ungeübte ein kleiner Höllentrip, aber trotzdem bin ich ganz begeistert.
    Ein Ausflug aufs Land bedeutet in Vietnam oft: Back to the roots. Ganz frei übersetzt: Zurück in die Steinzeit. Aber gerade im Einfachen liegt hier das Besondere.

    Ban Lac ist ein kleines Dorf, vorwiegend aus Stelzenhäusern bestehend mit grandioser Naturkulisse rundherum und ist touristisch jetzt noch nicht so überrannt. Keiner rennt hinter dir her und will dir was verkaufen oder schlägt die Preise hoch. Endlich konnte ich mit eigenen Augen sehen, wo das ganze Obst und Gemüse vom Markt wächst: Pomelos, Zuckerrohr, Bananen, Reis, Avocados, Bambus, Ingwer, diese Stinkefrüchte, Weißkohl, genauso fett wie in der Soester Börde, und, und, und....

    Keine Autos, wenig Motorbikes, einige Fahrräder und ganz viele Fußgänger mit Kiepen auf den Rücken.

    Die Einwohner haben einfach ihre Arbeit verrichtet, wie sie es schon seit Urzeiten machen. Auf dem Feld arbeiten, Kühe hüten, Zuckerrohr ernten, Kochen, Waren verkaufen, Holz bearbeiten, die vielen Kinder beaufsichtigen, Weben und Sticken. Sehr harte Arbeit und Wochenende scheint dort auch ein Fremdwort, aber alles sehr fröhlich und relaxt. Natürlich hatten sie auch Handarbeiten, vor allem Textilien zu vekaufen, und ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alles mit der Hand gemacht wurde, aber die Händlerinnen waren lange nicht so aufdringlich wie in Sa Pa

    Die Unterkunft war sehr einfach. (Maichauriversideresort.com) Gegessen wurde im Stelzenhaus des Gastgebers, komplett aus Bambus gebaut, das nur aus einem großen ca. 50qm Raum und einem angrenzenden Hauswirtschaftsraum bestand. Neben einem Wandschrank, na klar mit TV, gab es darin ansonsten nur eine große Feuerstelle und ganz viele Bastteppiche. Tische und Stühle Fehlanzeige, alles wurde auf den Matten serviert. Kein Glas vor den Fenstern und ganz viele Ritzen im Boden und im Bastdach, sonst ginge das ja auch nicht mit der Feuerstelle ohne Abzug im Raum. Mahlzeiten wurden nicht bestellt, sondern einfach nur aufgetischt. Für Asien-Kulinarier die leckersten Gerichte auf zig Tellern, alles frisch aus Eigenanbau. Ich hab mich vorwiegend an Reis und Frühlingsrollen gehalten, trotzdem erkenne ich die Kochkunst hoch an. Für 20 Leute, ohne richtige Küche nur am offenen Feuer was zaubern ist eine Kunst für sich.
    Abends trat natürlich die typische Folkloregruppe auf, aber im Gegensatz zu Sa Pa hatte ich den Eindruck, dass diese Tänzer und Sänger es aus Spaß an der Freude machen. Denn sie trafen sich einen Tag später, diesmal ohne Publikum schon wieder zu Tanzen. Bei der Vorführung hat das ganze Haus gefährlich gewackelt. Nach dem „Eimersaufen“, ja es gab wirklich einen Tonkrug mit vielen langen Strohhalmen, aus dem sich Jeder von einem süßen Likör bedienen konnte, haben dann alle Gäste, (überschaubare Zahl von 13) mit den Künstlern zusammen getantzt und zum Schluss noch irgendwas mit Vietnam, Ho Chi Minh gesungen.
    Es war ein lustiger Abend. Ganz abrupt um 21:15 war er zu Ende, immerhin befanden wir uns ja im Wohn- und Schlafraum der Familie, die jetzt ihre Schlafmatten ausrollen wollte. Wir konnten uns entweder dazu legen oder aber eigene „Bungalows“ aufsuchen. Das sind einfache offene Basthütten, mit Bambusbetten und superdicken Bettdecken. Das war auch nötig, denn das ganze Wochenende waren es nur um die 12°C und das erste mal hat sich mein Wunsch erfüllt, in Vietnam mal richtig zu frieren. Deshalb war an Duschen mit kaltem Wasser gar nicht zu denken und ich hab gleich in Jeans und Pulli geschlafen. Bis auf die Nase war aber alles recht warm.
    Während wir Gäste also ganz schön gebibbert haben, liefen die Einheimischen barfuss, manche auf dem Feld knietief im kalten Wasser arbeitend. Auch die Kinder waren zwar ganz dick einwattiert, aber barfuss.
    Morgen stelle ich ein paar Fotos ein, die ich heute erst noch sortieren muss.

    In diesem Dorf scheint es keine Uhr, keine Speisekarten, keine Süßigkeiten, keine Klimaanlagen und keine Socken zu geben und trotzdem habe ich noch nie zuvor solch zufriedene, selbstbewusste Vietnamesen gesehen. Das war schon ein Unterschied zu den Städtern hier in Hanoi, die oft etwas laut und hektisch agieren.
    Laut war in diesem Dorf eigentlich nur das Geflügel, dass so ab fünf in der Früh mit dem Krähen und Schnattern begann.

    Was mich besonders beeindruckt hat: Für das ganze Dorf fiel täglich nicht mehr Abfall an, als für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt. Es wurde einfach alles bis auf den letzten Rest verwertet.
    Und die Gastgeber rollen wirklich jeden Abend ihre Matten in diesem Stelzenhaus aus, nicht nur wenn die Touristen kommen.
    Wie lange noch?

  • Helau Hanoi

    Wieder so ein Termin gestern, um meine Gedanken etwas wehmütig nach Hause schweifen zu lassen.
    Es ist zwar nicht so, dass es in meinem Heimatdorf mehr Jecken gibt, als in einen Linienbus passen würden, das Feiern läuft mehr konspirativ in privaten Küchen und in wenigen Kneipen in Soest ab. Das tat dem Spaß, den ich in den vergangenen Jahren auch im tiefsten Westfalen hatte, aber keinen Abbruch. Dieses Jahr eben nicht.

    Alles macht Hanoi inzwischen mit: Weihnachten, Halloween, Valentinstag. Nur der Karneval, der hat sich noch nicht so rumgesprochen. Selbst die anderen Deutschen hier, die ja eigentlich als Kulturbotschafter agieren sollten: Karneval? Bleib mir bloß weg damit!

    Kurz überlegt, ob ich mir den Kinderwagen im Hausflur schnappen und ein paar Kamelle einkaufen und den ersten und kleinsten Karnevalszug, den Hanoi je gesehen hat, ins Leben rufen sollte. Die Loveparade hat ja auch mal mit einem alten Bulli angefangen.

    Beim Blick auf den Verkehr und die Menschen bin ich aber zu der Einsicht gekommen, dass ich gar nicht weiter auffallen würde. Hier "kütt de Zoch" irgendwie jeden Tag und auf ganz eigene Weise.

    So habe ich es dabei belassen und stattdessen ein paar Freundinnen in Deutschland angerufen, ein Helau ausgetauscht und mir, etwas neidisch, berichten lassen, was sie an Weiberfastnacht noch so vor haben.

  • Bilder des Grauens

    Das Viet-Duc Hospital (Vietnamesisch-Deutsche Krankenhaus) in der Innenstadt von Hanoi zeigt ganz besondere Bilder in seinem Schaukasten vor dem Eingang.
    Fotos von schlimm verletzten und zerfetzten Gliedmaßen, dazu Name und Alter des Patienten und das Datum des Unglücks.
    Das ist harte Kost und nicht jeder meiner Begleiter wollte näher treten. Ich finde es ja ganz interessant zu gucken, wie der Mensch von innen ausschaut.
    Aber auch mir ist komisch geworden bei den Bildern, weil ich gleichzeitig an den Schmerz und das Folgeleid dieser Patienten denken musste.

    Ich stelle hier solche Fotos nicht groß ein, damit keiner von euch ohnmächtig auf die Tastatur aufschlägt.
    Aber warum werden solche Bilder vor dem Hospital zu Schau gestellt? Und mit Daten der Patienten?
    Eine Warnung, dass man im Alltag vorsichtiger sein muss? Eine Werbung, dafür was das Krankenhaus alles wieder hinkriegt? Dann hätte ich aber Vorher-Nachher-Bilder besser gefunden.
    Ich bin gar nicht sicher, ob Menschen solche Verletzungen überleben können.

    Die Einheimischen sehen das viel lockerer. Direkt vor den Schaukästen befindet sich eine Straßenküche. Na denn Guten Appetit!
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  • Kulturschock

    Gestern gab es wieder einen der monatlichen Coffee Morning des Hanoi International Women Club. Ein Psychotherapeuth hat einen Vortrag gehalten über den Kulturschock, den jeder unweigerlich erfährt, der in ein fernes Land auswandert. Er hat die Stationen des steinigen Weges benannt, den jeder Frischling gehen muss.

    Es fängt an mit Wolke Sieben, alles ist toll, neu und aufregend.
    Danach tritt man in die Phase der Flucht und zieht sich lieber zurück unter vertraute Leute und in gewohnte Umgebung, z.b. Arbeitsplatz, Apartment, Familie.
    Dann fängt irgendwann die Phase des Kampfes an, man wird ungehalten und wird sauer auf die so ganz anderen Umstände des Gastlandes und die dafür Verantwortlichen.
    Schließlich kommt Akzeptanz, erst mehr aus Pragmatismus, später dann mit einem tieferen Verständnis für die fremde Kultur.
    Diese Tour wird je nach Mensch und weiteren Umständen zügig oder etwas zeitintensiver durchlaufen. Oft geht es dabei auch zwei Schritte vor und einen zurück.

    Und ich bin sicher, jede der 130 anwesenden Frauen hat sich in den Ausführungen wiedererkannt. Einige haben sich mit eigenen Erlebnissen zu Wort gemeldet.

    Und wie ich da so sitze und meinen Blick durch den Saal schweifen lasse, sehe ich ganz viele liebe Gesichter, die mir bei meinem persönlichen Weg geholfen haben. Petra, die mich schon vor Abreise über den HIW-Club informiert hat. Sandra, die mich als Erste beim allerersten Coffee Morning angesprochen, mir ihre Karte gegeben und gesagt hat, dass ich mich einfach melden soll, wenn ich mit irgendwas nicht klarkäme. Pippa, mit der ich, gerade ein paar Tage hier, auf meiner ersten Party, auf der ich noch keinen Menschen kannte, so schön getanzt und gefeiert habe. Liz, die mich ebenfalls am ersten Coffee Morning eingeladen hat, zu ihrem nächsten Conversations-Clubtreffen zu kommen, um unter Gleichgesinnten mein Englisch zu reanimieren. Kay, deren englisch ich am Anfang gar nicht verstanden habe, die mich aber gleich an ihre mütterliche Brust gedrückt hat. Bente, die in meiner Nähe wohnt und für die es selbstverständlich war, dass sie mich zu ihren Unternehmungen mitnimmt. Sawako und Naruko, die mich beim ersten Club Lunch in ihre Mitte genommen und meine Fragen zu ihrer Heimat beantwortet haben. Lieke, die mich an ihren Tisch im Cafe eingeladen hat, nachdem ich zerknirscht feststellen musste, dass meine eigentliche Verabredung in einem ganz andren Cafe saß und ich eigentlich nur nach dem Weg fragen wollte. Priska, die mit mir zusammen den vietnamesischen Aerobic Kurs entdeckt hat. Die über 70 jährige Monica, die mich gerade am Anfang durch ihre unglaublichen Geschichten oft zum Lachen gebracht hat. Doris, die in der Nachbarschaft wohnt und bei der ich mir jederzeit eine Tasse Mehl und ein offenes Ohr borgen kann. Nicht alle sind dicke Freundinnen geworden, aber ich bin jeder Einzelnen sehr dankbar für soviel Starthilfe.

    Am Ende des Treffens wurden die Neuen vorgestellt, 12 Frauen die erst ganz kurz in Hanoi sind. Alle auf Wolke Sieben, und ich hoffe für sie, dass sie auch gleich so liebe Frauen und Freundinnen finden, damit sie die Stationen des Kulturschocks, lässig auf einer Pobacke sitzend, mit einer Tasse Kaffee in der linken und Törtchen in der rechten Hand, an sich vorüber ziehen lassen können.
    Kein Ding mit dem HIWC!

  • Narrenhände beschmieren Tisch und Wände

    Gleich zu Beginn meiner Ankunft sind mir die schablonenartigen Bemalungen an vielen älteren Hauswänden aufgefallen.

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    Ich hatte schon die dollsten Vermutungen angestellt, was diese Zahlen, manchmal mit Buchstaben kombiniert, bedeuten könnten.

    Eine Art Stempel der Gemeinde, dass die Grundbesitzabgaben oder die Straßenreinigungsgebühr ordentlich entrichtet wurden? Werbung für den Wahlkampf?

    Jetzt endlich hat mich ein Vietnamese aufgeklärt. Das sind die Telefonnummern von Abrissunternehmen. Falls man sich also spontan zum Niederreißen seines Hauses entscheidet, soll dies nicht am fehlenden Kontakt zu einem fähigen Unternehmen scheitern.

    Das erinnert mich direkt an die Kärtchen, die in Deutschland gerne mal an der Seitenscheibe vom Auto klemmen: „Kaufe ihr Auto zu Tageshöchstpreisen, zahle bar“. Oft nur eine Handynummer und ein Gruß von Ali oder Jassir auf der Rückseite. Irgendwann erwischt es jedes Auto und wenn man so eine Mängelkarte das erste mal verliehen bekommt, wird es Zeit mal über ein neues Auto nachzudenken. Der Stolz und die Liebe, die man für seine Kiste empfindet, sinkt schlagartig, der Wert in der Schwacke-Liste ist wohl schon länger gen Null gefallen.
    Aber welch ein Glück, dass diese Autokäufer von einer Bepinselung des Lacks absehen und sich nur auf die Karten beschränken.

    Ob die Vietnamesen ihr Heim auch nicht mehr ganz so traut finden, sobald das erste Mal "Abrisswürdig" an die Hauswand gepinselt wurde?
    Also ich würde da direkt anrufen und die erst mal zusammenfalten.

  • Asiaten vertragen keine Milch?!

    Erinnert sich jemand an Jim Knopf, der mit seinem Freund Lokomotivführer Lukas im fernen China eine Prinzessin Namens Lissi trifft und Lissi ganz entsetzt fragt, ob es stimme, dass man in Deutschland verschimmelte Milch (Käse!) äße?

    Die Frage war berechtigt. Denn tatsächlich können 95 % der Asiaten keinen Milchzucker auf enzymatischem Wege abbauen, denn ihr Körper produziert nicht (mehr) das Enzym Laktase.

    Gleichzeitig tanzen hier in Hanoi Plüschkühe im Supermarkt und auch im Kinofoyer werden Milchpröbchen verteilt und den Eltern erklärt, wie wichtig Milch für die gesunde Ernährung ist.

    Ba Vi, ca. 60 km von Hanoi entfernt, ist das Milchdorf schlechthin und ausländische Fachleute geben Entwicklungshilfe beim Verarbeiten und Vermarkten von Vina Milk.

    Widerspricht sich das?

    Als Babys produzieren noch alle Menschenkinder die Laktase. Diese Produktion lässt im Kleinkindalter mehr oder weniger nach, je nach genetischem Code. Und so kommt es, dass ca. 80% der Europäer im Erwachsenenalter noch Milchzucker abbauen können, aber nur ca. 5% der Asiaten.
    Es wird vermutet, dass Völker, die immer schon Milch produziert haben, sich zu ständigen Laktasebildern entwickelt haben. Im asiatischen Klima war es früher keine gute Idee, in Milch zu machen.

    Deshalb bricht man aber beim Milchtrinken nicht gleich zusammen, denn für die Laktasefreien gibt es ein anderes Abbausystem im Darm: Eine Vergärung, die auch positive probiotische Effekte für die Darmgesundheit haben kann. Zu vergleichen mit Sauerkraut. Auch ein Körper ohne Laktase kann also an den täglichen Konsum gewöhnt werden und so von den weiteren Vorteilen der Milch, nämlich Eiweiss und Kalzium profitieren.

    Einige Menschen ohne Laktase reagieren aber mit Blähungen, Krämpfen und Übelkeit, die oft erst beim Konsum von mehr als einer Tasse zu erwarten sind. Erst bei denen spricht man von Milchzucker(Laktose)-Intoleranz.

    Es wird sogar vermutet, dass Erwachsene durch regelmäßigen Milchkonsum die Laktasebildung, die ja jeder mal draufhatte, wiederbeleben könnten.

    Es soll hier auch Kuhmilch geben, die so fermentiert ist, dass sie kaum noch Milchzucker enthält. Das ist auch eine gute Idee, mögliche Probleme zu umgehen.

    Kuhmilch hat also durchaus ihre Berechtigung neben der klassischen Reis- und Sojamilch, die statt Milchzucker andere enthalten.

    Nur mit dem Käse haben es die Vietnamesen noch nicht so. Im Supermarktregal finden sich nur Produkte aus dem Ausland und ziemlich teuer. An der Verträglichkeit kann es nicht liegen, denn reifer Käse enthält kaum noch Milchzucker. Liegt es etwa am Geruch? Hat der Prinzessin Lissi so entsetzt?

  • In unserer Straße ist heute was los!

    Aber was?

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    Entweder Beerdigung oder Hochzeit. Da ist es üblich, dass von der Familie mitten auf der Straße so ein Riesenzelt errichtet wird. Eingerichtet ist dies mit Plastikhöckerchen und Tischchen um viele Gäste bewirten zu können. Und die werden dann später zu Hunderten einströmen, ihre Mopeds in Reih und Glied abstellen, etwas essen und trinken, einen Umschlag mit Geld einwerfen und dann nach höchstens einer halben Stunde wieder aufbrechen.

    Jeder akzeptiert, dass die nächsten Tage, je nach Standort des Zeltes, halt keine Autos durchkommen, für Mopeds bleibt eine Gasse. Die Bebauung in den alten Siedlungen hier in der Stadt ist so eng, dass die Leute keinen Garten oder Hof für diese Zelte haben, die ja auch wirklich riesig sind. In die engen Gassen direkt vor die Hautstür passen sie auch nicht und so wird eben die nächstgrößere Straße in Hausnähe gewählt.

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    Bei einer Beerdigung wird am Anfang der Siedlung an einer Mauer ein Poster mit Trauerrand angebracht, auf dem handschriftlich der Name und weitere Dinge, die ich nicht übersetzen kann, eingetragen werden.
    Außerdem begrüßen die Angehörigen ihre Besucher mit einem weißen Stirnband und einem weißen ärmellosen Überwurf über der normalen Kleidung. Weiß ist hier wohl die Farbe für Trauer.

    Falls es eine Hochzeit ist, was ich natürlich schöner fände, wird gleich noch mit ganz vielen Luftballons und Blumengirlanden geschmückt und sicher werden auch noch Flitterkanonen gezündet. Dabei ist es nicht DIE Hochzeit sondern eine Veranstaltung von mehreren an verschiedenen Orten, bis das Paar endlich verheiratet ist.

    Nachtrag 4 Stunden später:
    Welche Feier es war, habe ich nicht herausbekommen. Keine Blumen und Ballons, aber auch keine Beerdigung, denn dann steht das Zelt 3 Tage. Hier wird nach gerade mal 4 Stunden schon wieder abgebaut.

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    Und wie man sieht, haben es die Gäste richtig krachen lassen

  • Mein Fahrrad und ich....

    ...haben uns inzwischen ganz gut mit dem Verkehr angefreundet und zusammen schon einige Nahtoderlebnisse gut überstanden.
    Es braucht wirklich einen längeren Lernprozess um mit den ganzen Unabwägbarkeiten auf den Straßen Hanois klarzukommen.
    Da ist z.B.die Vorfahrt, die eigentlich Keiner, oder andersherum gesagt Jeder hat. Jeder, der spontan vom Straßenrand auf die Straße biegt, der Linksabbieger, der den Verkehr kreuzt, Fußgänger und Hunde, selbst entgegenkommende Geisterfahrer, haben alle das gleiche Recht.
    Das Wenden auf einer vierspurigen Straße wird in der Regel ohne nach vorne, hinten, rechts oder links zu gucken, durchgezogen.

    Eigentlich sind Rückspiegel unnötig. Es reicht vollkommen, wenn man darauf achtet, was vor einem passiert. Wenn jeder so denkt, ist an alle gedacht. Statt rechts vor links eher vorne vor hinten.

    Wenn Zwei zusammenprallen haben Beide die gleiche Schuld daran, die Polizei sieht es genauso und kassiert doppelt. Da ist es ratsam bei einer Fremdberührung einfach pfeifend weiterzufahren, falls man dazu noch in der Lage ist, denn es gibt ja eh kein Schadensersatz oder Entschuldigung, weil eben keiner oder beide was Schuld tragen.

    Die Gefahr lauert auch unter den Rädern. Aus dem Nichts tauchen Schlaglöcher und offene Gullideckel auf, die gestern noch nicht da waren und so tief wie der Bodensee. Überhaupt fahre ich nicht gerne über Gullideckel, der vor mir könnte ja der letzte gewesen sein, der noch heile drüber gekommen ist.

    Es gehört schon eine gewisse Unverfrorerenheit dazu, vor allem als deutscher Autofahrer mit Null Punkten in Flensburg, aus einer kleinen Gasse kommend, links auf die vierspurige Schnellstraße abzubiegen. Mit anderen Worten: 2 Spuren Autos, Mopeds und Lastern vor die Nase zu fahren. Aber die rechnen damit und fahren um einen herum. Es lohnt sich auch nicht, ängstlich zu warten bis frei ist, denn es ist nie, nie, nie frei.

    Der Verkehr hat etwas Tänzerisches und findet sein Vorbild im Tierreich: Wenn man aufgescheuchte Ameisenhorden beobachtet, rennen die zwar alle wie wild durcheinander, laufen sich gegenseitig aber niemals um. Und genauso läuft das hier auf der Straße.

    Natürlich gibt es auch Rüpel wie bei uns. Jung, männlich, asozial, die mit Karacho durch die Straßen heizen und andere Fahrer als Slalomstangen missbrauchen.

    Kennt ihr noch das Kasperle von der Verkehrspolizei, das uns alle in der Grundschule besucht hat? (Ich meine, die Handpuppe und nicht den begleitenden Beamten). Beide hätten hier viel zu tun.

  • Know One, Teach One = KOTO

    Heute muss ich endlich mal etwas über KOTO schreiben. Das ist eine Institution in Hanoi, die ärmsten, vietnamesischen Jugendlichen vom Land hilft, eine Lebensperspektive zu erarbeiten.

    Der Reihe nach! Gegründet wurde KOTO von Jimmy Pham, einem Australier mit vietnamesischen Wurzeln, der hier vor 17 Jahren zu Besuch war und beim abendlichen Stadtbummel auf Kinder und Jugendliche gestoßen ist, die es sich gerade für die Nacht in den Grünanlagen bequem machen mussten.

    Das hat ihn, der selbst unter harten Bedingungen in Australien groß geworden ist, berührt und veranlasst, ein Trainings- und Ausbildungsrestaurant für solche Jugendlichen zu eröffnen um ihnen eine Perspektive zu geben. Das auch nicht mal eben so, er hat ganz klein und arm mit einer Sandwichbude am Bahnhof begonnen und selbst noch nicht viel Plan vom Gastgewerbe gehabt.

    Heute:
    In zwei Jahren lernen Jugendliche von der Pike auf alles rund ums Gastgewerbe. Die Ausbildung, die auch Englischunterricht enthält, ist so gut, dass sich renommierte Restaurants und Hotels um die Absolventen reißen. Da KOTO in vielen Reiseführern erwähnt wird, reißen sich auch die Touris um die Tische und man bestellt besser vor. Dafür gibt es leckere und liebevoll angerichtete asiatische und westliche Gerichte für 3 – 6 € . Das Restaurant liegt gegenüber vom Literaturtempel, 59 Van Mieu Street.

    Inzwischen bewerben sich sehr viele Jugendliche für das KOTO Projekt und es werden diejenigen ausgewählt, die sich da tatsächlich entwickeln können. Denn auch dem Gründer ist klar, dass man nicht Jedem auf diesem Weg helfen kann. KOTO vermittelt aber nicht nur berufliches know how sondern auch ein Wir- und Familiengefühl sowie ein gesundes Selbstwertgefühl, was diesen Jugendlichen mit teils schrecklichen Vorgeschichten oft fehlt.
    Inzwischen gibt es eine Zweigstelle in Ho Chi Minh und viele Aktionen und Events rund um KOTO. Gutes spricht sich rum und selbst Bill Clinton war schon da.

    Ich bin beeindruckt! Das ist nachhaltige Entwicklungshilfe. Und die Idee dahinter so simpel. Nicht mal eben einen Sack Reis reinschmeißen und sich dafür selbst auf die Schulter klopfen, sondern die Leute auch nach Beendigung der Unterstützung in eine gute Zukunft entlassen. Solche Ideen haben hier schon ihre Nachahmer gefunden, nicht nur im Restaurantbereich, und hier ist kopieren mal ausdrücklich erwünscht.

  • Luftschlösser

    Wir wohnen jetzt an einer ganz feinen Adresse!

    Nicht, dass wir umgezogen wären. Unsere Wohnung ist immer noch die gleiche. Auch der strenge Geruch im Treppenhaus, der davon kommt, dass die Mieter ihre Mopeds mit laufendem Motor im Hausflur parken, und die Gecko-Kacke auf den Treppen haben sich nicht verändert. Aber wir wohnen jetzt in einer Lakefront Suite.

    Denn kürzlich hat der Vermieter das Schild am Haus angebracht. Da fühlt man sich doch gleich viel wohler.
    Hoffentlich erhöht er jetzt nicht die Miete.

    Apartmenthäuser, Geschäfte, Lokale, überall kann man solche Schilder in englischer Sprache sehen, die dem Ausländer das Gefühl vermittteln sollen, auf ganz besondere Perlen der Ess-, Konsum- und Wohnkultur gestoßen zu sein.

    Unbeeindruckt von ihrer nun so noblen Wohngegend hat die Nachbarin wie gewohnt, auch gestern ihr Huhn mitten auf dem Bürgersteig geschlachtet. Sie hat also auch keine Veränderung bemerkt, wie soll sie es auch ahnen, denn das Schild ist ja auf Englisch.

  • viel Spaß mit google translate

    Die google translate Seite ist mir ein wichtiges Helferlein hier in Hanoi wenn es um Übersetzung vietnamesischer oder englischer Texte geht. So schnell und so einfach.
    Doch tatsächlich hat diese Übersetzungsmaschine ihre Tücken und Kuriositäten.

    Eine Produkttesterin für Schmuck auf diesem Blogger-Portal nutzt offensichtlich auch Google Translate für ihre Einträge:
    -„Der Cartier Ringe dreht sich um ein Symbol der Balz sein. Um das ultimative Schönheit widerspiegeln, hat die perfekten Diamanten die exquisite diamonds.Also gezeigt, um die Design-und Carving-Techniken zu perfektionieren, um Diamant-helles Licht, das aus dem Ring zu sprengen, was off gesetzt eine glückliche Braut mehr perfekt, zart machen Charme. Es ist so fantastisch“-. Ja, und das Lesen ist auch fantastisch! Fast eine neue Kunstform der deutschen Sprache.

    Ich will aber nicht lästern, mir würde es sicher genauso gehen, wenn ich was auf vietnamesisch übersetzten müsste.
    Und lustige Gebrauchsanweisungen, die Produkten aus Taiwan beiliegen, kennen wir ja auch alle.

    Nur mit Zutun eigener Gehirnarbeit, bekommt man also eine Ahnung davon, was der Originaltext einem sagen wollte.

    Ich habe mich für den Text der vietnamesischen Nationalhymne interessiert, die sich gesungen wirklich schön und ergreifend anhört und ihn mit der Google Maschine übersetzt. Hier die erste Strophe:

    Armee Vietnam gehen
    Um seine nationalen allgemeinen retten
    Inkrementelle Schritte ferne Echos auf holprigen Straße
    Co im Blut Schlacht
    Seelen zu gewinnen, Weinland,
    Chen Distant Guns Marschlied Fällen.
    Spiel auf Sieg
    Bau und den Feind zu identifizieren,
    Gewinnt Nöte zusammen
    machen Kriegsgebiet.
    Weil Volkskrieg ständig bestrebt,
    Weggetragen schnell
    Schule,Umzug auf, den Fortschritt bis.
    Wasser Nicht Vietnam wir ertragen.

    Alles klar?

    Zum Glück gibt es auf Wikipedia eine bessere Übersetzung, das hört sich doch gleich viel netter an:

    Truppen Vietnams marschieren
    um vereint die Nation zu retten
    Die Schritte auf einem weiten, unwegsamen Pfad
    Die in Blut getränkte Flagge für die Nation
    Die weiten Waffen mischen sich mit dem Lied der Truppen
    Der große Sieg führt über die feindliche Toten
    Mit dem mühevollen Sieg werden Kampfgebiete geschaffen
    Ein unermüdlicher Kampf für das Volk
    Zügig zum Schlachtfeld
    Vorrücken, zusammen vorrücken!
    Möge unser junges Vietnam alles überstehen.

  • Nudeldorf

    Vermicelli-Village ist ein Dorf ca. 40 km von Hanoi entfernt, dass sich auf die Herstellung von Nudeln spezialisiert hat. Leider weiß ich den richtigen Namen des Ortes nicht mehr, vielleicht kann ein Leser ja weiterhelfen.
    In diesem Dorf konnte ich hautnah die Produktion der Nudeln für die asiatische Küche erleben.

    Die angerührte Flüssigmasse aus Wasser und pflanzlicher Stärke wird auf große Bastmatten, ca. 1mx2m, aufgebracht und einen Tag an der frischen Luft getrocknet. Die Stärke, die in Säcken angeliefert wird, stammt aus einer Pflanze für die der Guide keine englische Bezeichnung hatte, ich vermute mal die klassische Mungobohnenstärke dahinter.

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    Die so entstehenden gummiartigen Tücher werden dann mit einer Maschine in die bekannte Fadenform geschnitten, gebündelt und für den Abtransport verpackt.

    Was mich etwas schockiert hat, waren die hygienischen Verhältnisse, vielleicht ist man als Europäer da etwas empfindlich.
    Im ganzen Dorf, nicht nur auf den Straßen sondern selbst auf dem Friedhof, Eisenbahndämmen,Schuttplätzen und Wiesen waren diese Matten zum Trocknen ausgelegt.

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    Dazwischen fröhlicher Alltag mit Verkehr, Menschen und Hunden.
    Hoffentlich werden sie gekocht und nicht nur in Wasser aufgeweicht.

  • Getaggt werden...

    ... bedeutet vermutlich, dass einer deiner Blogfreunde dir eine Liste mit persönlichen Fragen zuschickt, die du dann freundlicherweise zu beantworten hast. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass die Blogger-Welt sich für meine Schuhgröße oder Alpträume interessiert.
    Die Fragen, die mir aber Blog-Frendin m-log zugeschickt hat, finde ich angemessen, da sie sich tatsächlich auf meine Situation hier als Gast in einem fremden Land und damit auf den Inhalt meines Blogs beziehen.
    Deshalb beantworte ich sie auch gerne und schicke sie weiter an Blog-Freunde, die in ähnlicher Situation sind. Ich bin aber überhaupt nicht böse, wenn sie für sich entscheiden, diese Fragen nicht beantworten zu wollen.

    Die Fragen an mich:

    1. Drei leckere Sachen, die du am liebsten im Gastland isst?
    Bun Cha (Nudelsuppe mit Hackbällchen und Sprossen), gegrillte Garnelen, gebratene Nudeln mit Gemüse.

    2. Bestes heimisches Bier?
    Bia Hanoi oder 333, kann ich mich nicht entscheiden.

    3. In welcher Sprache träumst du?
    In deutsch, ganz selten in englisch

    4. Was vermisst du am meisten aus deinem Heimatland?
    Meine Freundinnen, das gemäßigte Klima, die gutsortierten Einkaufszonen,

    5. Was wirst du vermissen, wenn du zurück in deiner Heimat bist.
    Das Großstadtflair von Hanoi mit seinen unendlichen Angeboten, das Zusammentreffen mit Leuten aus aller Welt, den Hanoi International Women Club und seine Veranstaltungen.

    6. Typischer Mode-Stil in dem Land, in dem du lebst?
    Ganz vielseitig: zwischen Flip Flops, Ao Dai, Stretch-Mini und 10 cm High-Heels ist alles dabei. Aber fast immer recht luftig.

    7. Favorit der Sehenswürdigkeiten, Top drei?
    Die Altstadt mit den typischen Geschäften, das Frauenmuseum und das Ho Chi Minh Mausoleum

    8. Ist das Leben im Ausland teurer oder preiswerter als zu Hause?
    Ausgehen, Taxi, Kultur, exotische Blumensträuße und Kurzurlaube sind hier viel preiswerter. Westliche Produkte in den Supermärkten dafür etwas teurer.

    9. Magst du das ausländische Fernsehprogramm oder schaust du gar nicht?
    Ich kann deutsche Welle und ZDF per Internet sehen, das reicht völlig. Vietnamesisches Fernsehen ist mir zu hektisch und zu schrill.

    10. Fühlst du dich zu Hause?
    Ja, ich freue mich manchmal regelrecht, wenn ich die Wohnungstür hinter mir schließen kann und diese laute hektische Stadt bleibt draußen. Wenn ich samstagsmorgens durch Tay Ho laufe, treffe ich so viele Bekannte auf ein Schwätzchen, ganz wie Zuhause in meinem westfälischen Dorf. Aber es gibt auch Momente, wo ich mich hier wie ein Wesen von einem anderen Stern, nämlich völlig fremd, fühle.

    11.Dein Lieblings-Shop, am Ort wo du momentan lebst? Was kann man da kaufen?
    Habe ich noch nicht gefunden bei gefühlten 2 Millionen Shops in der Stadt. Vorwiegend ist Einkaufen hier eher anstrengend und frustrierend wegen Unüberschaubarkeit und mancher Qualitätsmängel. Doch auch hier gibt es Prada-, Chanel- und Louis Vuitton - Shops, aber das kann ich mir genau wie in Deutschland nicht leisten.

  • Wie auf dem Basar!

    Handeln und Feilschen sind hier wichtige Fähigkeiten. Doch wann merkt man, dass genannte Beträge keine Festpreise, sondern Diskussionsgrundlagen sind?

    Oft merkt man es am Preis selbst. Wenn die Genossin vom Land für 5 Tomaten 10 Dollar haben will, dann kann man sich sicher sein: Hier geht noch was!
    Aber will man das denn? Minutenlang um 5 Tomaten diskutieren? Denn nach den Tomaten kommen ja noch die Eier, die Gurken, die Blumen und die Zwiebeln.

    Es nervt!!!! Und wenn ich so einen Fantasiepreis vor den Bug geknallt bekomme, bin ich an schlechten Tagen sauer und fühle mich verarscht, an guten kriege ich einen Lachkrampf. Aber an guten wie schlechten Tagen bin ich dazu übergegangen mich auf dem Absatz umzudrehen, statt zu handeln. Auch beim Motobike Fahrer, der mich für den doppelten Autotaxipreis nach Hause bringen möchte.

    Jetzt sagen Einige: Das gehört doch dazu!

    Aber nicht bei einer Ausgangsbasis vom zigfachen Warenwert, soviel Zeit und Lust hab ich gar nicht. Bis ich da mal auf einer realistischen Preisebene gelandet bin bekommen die Tomaten schon Altersflecken.
    Im Türkeiurlaub macht es vielleicht mal für eine Woche Spaß, aber im Alltag wird es zur Seuche.

    So kaufe ich also das meiste Obst und Gemüse im Supermarkt, da kleben die Preise drauf und man weiß wo man dran ist.
    Schade nur, dass das Grünzeug bei den Händlerinnen an der Straße oft viel frischer und knackiger aussieht. Außerdem würde ich mit meinem Kauf lieber die Dame vom Land als den ausländischen Supermarktkettenbetreiber unterstützen.
    Trotzdem mache ich inzwischen um die Straßenhändler und fast alle Geschäfte ohne Preisauszeichnung in der Altstadt einen großen Bogen.

    Und ich bin fast sicher, dass Einheimische von diesen Spielchen verschont bleiben.

  • Rüsselhund

    Geh besser nicht auf den Balkon und guck nicht auf die Straße runter, habe ich meiner Tochter gesagt. Völlig unnötig, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellte. Denn das Grillfleisch am Spieß war doch nur ein Ferkel. Obwohl dem Ferkel ja das gleiche Mitgefühl wie einem Hund gebühren sollte.

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    Trotzdem ist mir beim Anblick das Wasser im Munde zusammengelaufen. Spanferkel mit knackiger Kruste, das wäre mal wieder was! Mit Püree und Sauerkraut!
    Es wurde wohl anlässlich eines Tet-Familientreffens zubereitet.

    Wie gewohnt, mitten auf dem Bürgersteig.
    Und wie bei uns: Grillen ist Männersache!

  • Motobike Madam

    Xe Om, von uns zu „Mopedbursche“ eingedeutscht als uns die Sprache noch zu fremd war, sind mir das erste mal hier in Hanoi begegnet.
    Das sind Mopedfahrer jeden Alters, die an vielen Straßenecken stehen und mir ihre Dienste als Chauffeur anbieten, indem sie „Motobike Madam“ rufen.
    Anfangs schien es mir völlig abwegig und gefährlich mich auf so etwas einzulassen. Die Männer sehen manchmal etwas abgerissen aus, so wie bei uns vielleicht Landstreicher. Und dann muss man sich beim Fahren ja auch irgendwo festhalten und so einen fremden Mann umarmen. Denn Xe Om heißt angeblich übersetzt „festklammern“.
    Und ist Mopedfahren in Hanoi nicht überhaupt sehr gefährlich?

    Inzwischen traue ich mich auch öfter mal auf die Sitzbank eines Xe Oms. Die Vorteile liegen auf der Hand. Man muss nicht bis zum Taxistand laufen. Im dichten Verkehr kommen die Mopeds viel schneller voran. Mopeds dürfen Gassen benutzen, die für Autos tabu sind. Es ist schön luftig, vor allem in den warmen Monaten. Es ist billiger und hat, jedenfalls für mich, den Hauch des Abenteuers.
    Allerdings muss man den Preis vorher verhandeln und deshalb ein Gefühl für die Tarife und Entfernungen entwickeln. Ich bezahle pro km ca. 7000 Dong (etwa 25ct.) Vielleicht bezahlen die Einheimischen weniger, aber das ist für mich völlig ok.

    Außerdem fahre ich am liebsten mit älteren Herren auf ganz alten Mopeds, denn die fahren garantiert nicht schneller als 30 km/h. Eine komfortable Reisegeschwindigkeit hier im Chaos, die es zulässt, zur Not schnell runter zu springen, falls es mal eng wird. Ältere Herren müssen blonden Westlerinnen auch nicht mehr beweisen was sie verkehrstechnisch so drauf haben, sondern ruhen schon mehr in sich selbst.
    Festhalten am Fahrer muss man sich bei der Schneckengeschwindgkeit auch kaum. Trotzdem kann man, wenn man es mit der Angst kriegt, mal eben einen Knuff in die Rippen verpassen.

    Einen Alibi-Helm gibt es übrigens immer vom Fahrer. Meistens passt er nicht und die Schließe ist schon vor Jahren verloren gegangen. Und Lebensmitteltüten oder Schultasche hält der Fahrer vorne fest.
    Service vom Feinsten!

  • Bibbernde Hanoianer

    Für mich als Westfale merkwürdig anzuschauen: Die Hanoianer dick eingemummelt in Daunenjacken, mit Wollmützen auf dem Kopf. Kleine Kinder gar in Schneeanzügen. Immerhin sind es hier noch ca. 15 °C. Also eine Temperatur, die auch schon mal gerne im deutschen Juli vorkommt. Ok, durch die Luftfeuchte gefühlt etwas kälter. Und gerade in diesen Tagen wären die Deutschen froh um diese kuschelige Temperatur. Wie halten es derzeit Vietnamesen in Deutschland aus?

    Wenn man in ein Geschäft kommt, kann man das Personal nicht finden, denn auch sie laufen den Kunden gleich, dick wattiert und mit Mütze herum. Einige gar mit Handschuhen, wo nur die nackten Fingerspitzen herausschauen. Selbst der Friseur, der gestern meine Haare föhnte, sah mit seiner Daunenjacke aus, als wenn er nur auf dem Sprung wäre und dringend weg müsse.
    Ein Vorteil ist, dass Jack Wolfskin und Northface hier in Vietnam produzieren lassen und man die dicken Jacken für ca. 30 Euro an jeder Ecke kaufen kann.

    Hier gibt es zwar überall Klimaanlagen, aber nirgends Heizungen.

    Ich liebe dieses Wetter. Endlich habe ich mal einen klaren Klimavorteil. Ich kann draußen herumlaufen ohne zu schwitzen, Fahrradfahren, Fleecejacke und Jeans reichen völlig. Ich kann es mir mal mit Wolldecke auf dem Sofa gemütlich machen und ein Kind auf dem Schoß ertragen. Die Gerüche auf den Straßen sind nicht so intensiv wie bei Hitze. Und bei einer Tasse Tee stehen mir nicht gleich die Schweißperlen auf der Stirn. Von mir aus kann es noch ein bisschen so bleiben.
    Komischerweise sieht man aber auch dick Vermummte, die gleichzeitig mit nackten Füßen in Flip Flops Moped fahren. Hä?
    Kein Wunder, dass besonders die Mädels hier so bibbern. So rank und schlank täte ihnen etwas Isolierfett auf den Rippen, zumindest im Winter mal ganz gut.
    Ab April wird es wieder anders herum sein, dann wundern sich die Hanoianer wieder, warum ich nur so schwitze.

  • Bananenengpass

    Beim Robinson Crusoe Leben hat Lotti ihre Liebe zu gebratenen Bananen mit Honig entdeckt. Dankbar für jeden nahrhaften Essenswunsch der jungen Vegetarierin, die zudem noch kaum Gemüse mag (essenstechnisch also eine völlig verzogene Katastrophe!) bin ich gestern sofort los um Bananen zu besorgen. Pustekuchen. Nach dem 6. Geschäft habe ich es aufgegeben, nirgendwo Bananen. Beim Blick in die Tempel, Hausaltäre und Pagoden wurde mir klar, wo der Hase im Pfeffer liegt. Bananen in Hülle und Fülle als Opfergaben und nun gibt’s Nachschubprobleme. Sich einfach in der Pagode zu bedienen, kommt ja nun auch nicht in Frage.
    Im Moment wäre ich sogar bereit, den doppelten Preis zu zahlen, wenn es denn nur welche gäbe. Wann Nachschub kommt, konnte mir bis jetzt auch kein Verkäufer sagen.
    Auch bei Keks und Chips : Gähnende Leere in den Regalen.

    Übrigens waren die Tet-Schulferien eine Mogelpackung. Denn die sind vorbei, Tet aber noch immer nicht. Meine Deutschschüler haben sich geschlossen mit Abwesenheit aus wichtigen Gründen bis zum 07.02. entschuldigt. Ist auch besser, denn ein Taxi zu bekommen ist dieser Tage noch recht schwierig und ich könnte gar nicht garantieren pünktlich zu sein. Verabredungen werden also unter dem Vorbehalt, ein Taxi zu finden, oder in „Fahrradnähe“ getätigt. Jedes dritte Geschäft ist noch geschlossen. Die Maid kommt auch irgendwie gar nicht wieder, ihre Aufgaben bleiben vor allem an mir hängen. Die Straßen um die Pagoden und Tempel sind verstopft.

    Mal nach dem Mond gucken, angeblich dauert Tet noch bis zum nächsten Vollmond.

  • Dschungelcamp

    Die zweite Hälfte der Tetferien habe ich auf der kambodschanischen Insel Ko Rong, ca. 40 km südlich von Sinahoukville verbracht. Angeblich eines der letzten kaum berührten Paradiese der Erde. Nur ein wackeliger Holzanleger für kleine Schiffe, keine Straßen, weder Strom, noch fließend Wasser, kein Eis, keine Souvenirs und keine Bettler. Dafür aber ein kilometerlanger feiner weißer Sandstrand vor türkisblauem Meer, gesäumt von Palmen und dahinter der Urwald. Es gibt 5 Bungalowressorts, die zusammen ca 100 Touris Unterkunft in halboffenen einfachen Bambushütten bieten. Zu einigen muss man erst mal einen strammen Marsch durch den Dschungel oder über den Strand absolvieren. Von 18:00 bis 22:00 gibt es je nach Vermieter etwas Strom per Generator, eine 20 Watt Funzel pro Hütte. Zweimal am Tag, um 10.00 und um 16:00 Uhr kommt ein Boot mit Touris und Lebensmitteln.

    Das Herzstück unserer Anlage ( paradise-bungalows.com),die ein Deutscher führt, ist eine große offene Teakholzlounge mit jeder Menge Polstern, Teppichen und Kissen, wo man den ganzen Tag lümmeln und aufs Meer blicken konnte. Mehr gab es da auch irgendwie nicht zu tun. Schwimmen, schnorcheln, essen und trinken, chillen und dösen, erzählen, lesen und Karten spielen. Bettwäsche und Handtücher wurden im Garten auf einem Waschplatz mit der Hand gewaschen, also nichts für 60°C Fetischisten. Niemand braucht dort eine Uhr, man hat alle Zeit der Welt. Eine Oase der Entschleunigung. Flip Flops, Zahnbürste, Bikini , 2-T-Shirts und Pareo reichen dabei völlig aus als Gaderobe für eine ganze Woche. Auch auf Ko Rong waren wieder erstaunlich viele Deutsche (etwa jeder 3.) unterwegs.

    Die erste Nacht war etwas gruselig, der halbe Urwald ist durch die Hütte gefegt und hat sich an einer verschlossenen Bonbontüte zu schaffen gemacht. Licht gab‘s nicht und auf Scheuchgeräusche haben die Biester nach einiger Zeit nicht mehr reagiert. Ganz mutig bin ich raus aus dem Moskitonetz und hab die Tüte in hohem Bogen auf die Veranda geschmissen. Die Viecher haben sie aber wieder reingezerrt und direkt unterm Bett weiter gemacht. Weder I-Pod Musik noch Feuerzeugflamme konnte sie vertreiben und ich weiß bis heute nicht, was es war. Ich war froh als es endlich hell wurde.
    Am nächsten Tag haben wir einen streunenden, verlausten Hund (Floh-Bimbo hat Lotti ihn getauft) angefüttert, der dann die nächsten 3 Nächte auf der Veranda geschlafen hat, am liebsten in den Badetüchern eingerollt. Das hat geholfen. Zumindest konnte ich mir dann einbilden, dass die nächtlichen Geräusche vom Hund stammen.
    Die andere Seite der Insel war übrigens gesperrt, da dort gerade ein TV-Sender die französische Version von Dschungelcamp gedreht hat. Man hat aber nichts gesehen und gehört und vor dem Alleingang durch den Urwald wurde dringend abgeraten. Völlig relaxt, gebräunt, zerstochen und mit einer tagealten Kruste aus Meersalz und Sonnencreme auf Haut und Haar, habe ich mich dann aber doch wieder über die erste ordentliche Dusche, zurück in Sihanoukville gefreut.
    Es war toll, mal wieder so einfach zu leben.
    Allerdings hat uns ein italienischer Aussteiger dort erzählt, dass es große Investorenpläne für diese Insel gibt. Wirklich schade, also schnell noch mal hin, bevor es zu spät ist.

  • Trip nach Kambodscha

    Das erste Mal nach Kambodscha.
    Zur Vorbereitung hatte ich unter Anderem eine Autobiografie (Luong Ung: Der weite Weg der Hoffnung) über das Überleben unter dem grausigen Regime der Roten Khmer gelesen, die mich sehr erschüttert hat. In der Zeit ist ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung umgekommen.
    Das ist gerade mal 30 Jahre her, und immer wenn ich jemanden über 30 gesehen habe musste ich daran denken, wie derjenige wohl die Zeiten des Bürgerkriegs überlebt hat.
    Die Kambodschaner sind aber ein fröhliches aufgeschlossenes Volk und nicht schüchtern im Umgang mit Ausländern.
    Schlitzohren gibt es dort auch. So hat ein Taxifahrer, der per mail die Abholung für 80 $ (das war schon der Tetpreis, normal sind 60$) am Flughafen Phnom Penh zugesagt hat, einfach einen Kollegen geschickt. Der wollte dann 100$ und hat uns gleich erklärt, dass wir nichts anderes fänden und etwas genervt sind wir eingestiegen. Die Straße von Phnom Penh nach Sihanoukville (250 km) war gut ausgebaut, breit, schnurgerade und wenig befahren, so dass wir nach 3 Stunden entspannter Fahrt ankamen. Unterwegs hat das Schlitzohr doch noch sein Fett weg gekriegt, er musste einen geplatzten Reifen in der Gluthitze wechseln.

    Sihanoukville scheint das neue Pattaya. Aber noch nicht so aggressiv und sexistisch. Dafür viel schönerer feiner weißer Strand mit Pinien und Palmen, türkisfarbenes Meer und bunt gemischtes Publikum. Drei Kilometer Strandpromenade, gesäumt von unzähligen Lokalen, alle mit chilliger Musik und gemütlichen Korbmöbeln, Kerzen und Laternen, direkt auf dem wunderschönen Sandstrand. Und so waren dann auch neben vielen fröhlichen jungen Backpackern aus aller Welt, jede Menge europäischer Rentnerpaare zum Überwintern da.

    Kein Wunder, denn das lokale Angkor Bier, frisch gezapft für ca. 50 US-Cent und Menüs zwischen 2 und 4 $. Übernachtung gibt es schon ab 5$.
    Nur mancher Tee und Kuchen war mit 2,50 $ ungewöhnlich teuer. Erst im dritten Lokal hab ich kapiert, dass es Happy-Gerichte waren, dh. mit Marihuana versetzt. In einige Lokalen standen auch ganz selbstverständlich Joints für 2$ auf der Speisekarte. Jetzt war mir auch klar, warum manche Backpacker, aber auch Senioren so Love and Peace mäßig gut drauf waren. Kegelvereine und Junggesellenabschiede habe ich dort noch nicht ausmachen können.

    In Sihanoukville, einem Basislager für Taucher und Schnorchler, trifft man auch einige deutsche Auswanderer, die sich dort selbstständig gemacht haben.

    Was mir wirklich an die Nerven ging, waren die unzähligen Bettler. Minütlich standen Tretminenopfer mit fehlenden Gliedmaßen oder arme Kinder vor dem Tisch. Die Kinder haben auch immer gefragt, ob sie die Menüreste essen dürfen. Sie waren so zwischen 3 und 10 Jahren und sprachen etwas englisch.
    Überall in Sihanoukville sieht man Plakate von Hilfsorganisationen, deren Hotline man sofort anrufen soll, wenn man mitbekommt, dass ein Kind in Bedrängnis gerät oder missbraucht wird. Die Touristen sind angewiesen, den Kindern weder Geld noch Essen zu geben, damit sich ihr Leben am Strand nicht lohnt und sie sich stattdessen den Hilfsprogrammen und Schulen anschließen. Aber wer kann schon Nein sagen, wenn Kinder mit großen Augen um Essen bitten.

  • Wie sich die Bilder gleichen

    Noch vor wenigen Wochen war mir Tet, das vietnamesische Neujahrsfest, ein Buch mit sieben Siegeln.
    Die Vietnamesen beobachtend, stelle ich aber fest, dass es viele Parallelen zu Weihnachten in der westlichen Welt gibt. Vor Allem, was die negativen Begleiterscheinungen betrifft.

    Das, was mich bei meinem Besuch in Deutschland im Advent schon genervt hat, muss ich hier ein zweites Mal erleben.

    Die Stadt voller Menschen. Müssen die nicht arbeiten? Vielleicht schon Besucher, die zum Fest nach Hause gekommen sind.
    Mein beschaulicher, einsamer Radweg zu Schule: Mopedstau!
    Stau auch in allen Straßen der Stadt und das selbst abends um 20:30.
    An Straßenrändern werden die Tetbäumchen verkauft. Die fußfaulen Vietnamesen wählen aus dem Autofenster heraus oder vom Mopedsitz aus und verstopfen so die ganze Straße.
    In der falschen Hoffnung das Chaos zu regeln, beschließen Polizisten spontan, dass hier jetzt mal nicht links abgebogen werden darf. Dass die Fahrer dafür dann 20 Meter weiter mitten auf der Fahrbahn wenden und so noch mehr Chaos verursachen, sehen sie nicht. Lärm und Gestank. Mein Sohn kommt ohne Einkäufe zurück, das Geschäft war einfach zu voll.

    Auch der Gesichtsausdruck vieler Vietnamesen gleicht dem adventsgestresster Bundesbürger: Mundwinkel nach unten und völlig erschöpft.

    Ob die vietnamesische Hausfrau hier auch manchmal denkt: "Bin ich froh, wenn es wieder vorbei ist!"?

    Und ich bin froh, wenn wir morgen für eine Woche nach Kambodscha fahren.
    Trotzdem wünsche ich allen Chuc Mung Nam Moi / ein frohes neues Jahr

  • Nichtrauchen schadet der Gesundheit

    Die Chinesen scheinen den deutschen Gesundheitsbehörden eine ganze Ecke voraus zu sein. Jedenfalls laut Aufschrift auf der Verpackung einer e-Gesundheitszigarette made in China:

    Smoking ist harmful for health. e-Cigarette is good for health (Rauchen schadet der Gesundheit, e-Zigarette ist gut für die Gesundheit)
    Dazu noch ein grünes Gütesiegel!

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    Ein Rauchertraum wird wahr: Zigarettenkonsum und Gesundheit geben sich die Hand.
    Und preislich hier in Vietnam mit ca. 10 € ein Schnäppchen, in Deutschland bezahlt man dafür so ab 60 €.

    Ich hab sie mal ausprobiert. Sie kommt geschmacklich wirklich nah an eine echte Zigarette (natürlich nicht an eine ordentliche Selbstgedrehte!) heran.

    Den entscheidenden Nachteil sehe ich aber in ihrer uneingeschränkten Verfügbarkeit. Eine echte Zigarette ist nach ca. zehn Zügen erledigt, man drückt sie aus und wendet sich anderen Dingen des Lebens zu. Die e-Zigarette aber hält 300 Züge vor und man kann einen halben Tag, überall wo man geht und steht, daran „nuckeln“, es gibt kein natürliches Ende und keine Verbotszonen. Einschränkungen beim Rauchen werden damit aufgehoben und Nikotin kann jederzeit und überall inhaliert werden.
    Die Menge an Nikotin, die man dabei aufnimmt, macht eher noch abhängiger. Also schonmal nichts mit Entwöhnung durch e-Zigarette.
    Über weitere mögliche Nebenwirkungen schreibe ich noch nichts, weil das ja auch noch nicht hinreichend geklärt wurde.

    Eine angezeigte Verwendung sehe ich höchsten darin, Kettenrauchern einen Langstreckenflug zu ermöglichen ohne dass sie wegen Entzugserscheinungen kollabieren, oder um Todkranken auf dem Sterbebett noch mal eine Freude zu bereiten.

    Ein Raucher outet sich als hilfoses Wesen, wenn er es nötig hat so ein künstliches Ding zu benutzen. Und bei Hilflosigkeit helfen eher Arzt und Apotheker statt vollmundige Werbeversprechen aus China

  • Ach ja, die Knochen

    Ab und an erwischt man ein vietnamesisches oder japanisches Lokal in dem man beim Essen auf dem Boden sitzt. Manchmal gibt's Sitzpolster. Erwischt man einen Platz an der Wand, hat man Glück und kann sich wenigstens anlehnen.

    Was bei den Vietnamesen völlig relaxt aussieht, wird für mich schon nach drei Minuten zur Qual. Wohin mit den Beinen? Auf die Seite abknicken benötigt einen Arm zum Abstützen, der dann beim Essen fassen wieder fehlt. Im Schneidersitz sind nach 10 Minuten die Beine eingeschlafen und der Rücken krumm.

    Wie kriegen die Asiaten das so gemütlich hin?

    Die Haltung in der Hocke, die Knie dabei manchmal sogar in die Achselhöhlen geklemmt, der Rücken dabei vorbildlich kerzengerade wie aus dem Orthopädielehrbuch, ist eine Verweil-Positition, die man tagtäglich beim Volk auf der Straße sieht. Selbst bei steinalten Leuten. So wird gekocht, Wäsche gewaschen, Angelschnur entwirrt, Tee getrunken und Zeitung gelesen. Auch auf den hier typischen, kleinen Plastikhöckerchen scheinen sie stundenlang entspannt sitzen zu können. Wenn ich dagegen an vergangene Kindergarten-Elternabende auf Zwergenstühlchen denke, tut mir gleich wieder der Rücken weh.

    Gekonnt haben wir das doch alle mal, denn auch westliche Kleinkinder nehmen diese Hockhaltung noch ganz selbstverständlich ein, wenn es auf dem Boden etwas Interessantes zu entdecken gibt. Aber spätestens im Kindergarten wird dann auf Stühlchen gesessen....

    Und ich werde jetzt jeden Tag mal ein bisschen Yoga machen....

  • Von Küchengöttern

    Gestern war hier Tag des Küchengottes, hört sich in unseren Ohren komisch an, und wir denken dabei eher an einen 4 Sterne Koch. Das ist der erste von vielen Göttern, welche die nächste Zeit hier rund um Tet (chinesisches Neujahrsfest) aktiv werden.
    Interessierte mich bis jetzt nicht soooo brennend, ich komme ja schon mit unsern Heiligen in Deutschland durcheinander, oder kann etwa jemand von euch alle Eisheiligen aufzählen?

    Und ebenfalls gestern Abend, hat mich eine Freundin zu einem Info-Abend über Tet mitgenommen. Bin ich eigentlich auch nur hingegangen, um andere Leute zu treffen.
    Aber welche Überraschung! Es war ein spannender Abend!

    Die Kurzform:
    Dieser Küchengott wohnt das ganze Jahr bei den Leuten und hat sich just gestern gen Himmel aufgemacht um an oberster Stelle zu berichten ob seine Familie auf der Erde das Jahr über brav war. Dabei hat er es stets so eilig, dass er in Unterwäsche loszieht. Deshalb haben wir gestern - typisch vietnamesisch- Mäntel, Stiefel und Hüte aus bunter Pappe verbrannt, damit er es auf seinem Weg gemütlicher hat. Und damit er schneller ankommt, durfte jeder von uns noch einen jungen Karpfen in den Westsee entlassen. Der springt über einen Wasserfall, wird so zum Drachen und auf seinem Rücken reist der Küchengott dann noch schneller ans Ziel, bevor er in ca. einer Woche wiederkommt. Die vietnamesischen Blogleser entschuldigen bitte eventuelle Ungenauigkeiten.

    Das war mal Kulturgeschichte zum Anfassen, sozusagen Erlebnispädagogik und wir werden die Geschichte alle nicht mehr so schnell vergessen. Lecker Essen gab‘s auch noch.

    Und plötzlich interessiert mich alles um Tet schon mehr und es ist ein bisschen schade, dass wir uns für nächste Woche zur Flucht entschlossen haben.
    Aber ich hoffe sehr auf meine Blogfreundin Cathrinka (www.cathrinka.blog.de) die auf ihrem Blog einen guten Einblick, ausführlicher und genauer, rund um Tet gibt.

    Ein bisschen erinnert mich der Küchengott an unseren Nikolaus. Der hat ja auch den direkten Draht zum Himmel, kommt kurz vorm großen Fest und wir müssen zittern, wenn wir das Jahr über nicht lieb waren.

  • Haustier pro und contra

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    Diesen Händler treffen wir jedes Wochenende in unserer Siedlung. Jedesmal muss zumindest der weibliche Teil der Familie erst mal alle Karnickel streicheln. Währenddessen hält der Händler schon die !!!Plastiktüte!!! bereit um uns eins einzufüllen. Für umgerechnet 0,80 ct. ein Schnäppchen!

    Da wir unser deutsches Häschen, das derzeit Urlaub auf dem Bauernhof macht, sehr vermissen, also wieder zumindest der weibliche Teil der Familie, ist die Versuchung groß, so ein süßes Fellknäuel zu kaufen.

    Dafür spricht, dass sich so ein Tier ja psychisch stets positiv auf seine Besitzer auswirkt und das Übernehmen von Verantwortung für Tiere ein wichtiges Erziehungsziel ist.

    Aber was ist, wenn wir verreist sind? Und wo soll das Langohr wohnen? Und das alles ohne Garten? Wo bekommt man Zubehör? Überhaupt, bei diesen Temperaturen! Und wer übernimmt es, wenn wir unsere Zelte hier wieder abbrechen? So ein Häschen kann bis 13 Jahre alt werden.

    Letzeres Problem scheint das Geringste, denn der ein oder andere Nachbar hätte es sicher gern im Wok.

    Ein pragmatischer Vorschlag vom Filius: Morgens kaufen, den Tag über mit ihm spielen und abends zurückbringen, geht ja auch nicht. Schließlich ist es kein Spielzeug und müsste erst mal geimpft und entwurmt werden.

    Die Familienabstimmung ergab ein Unentschieden. Mal schauen.....

  • Jede Gattung Mensch, die Uniform trägt.....

    ...imponiert dem großen Haufen. Das wusste schon unser guter alter Johann Wolfgang von Goethe.
    Man weiß, wem man vertrauen kann (bitterböse Ausnahme: das Attentat auf Utoya) und im Krieg können sich Feinde und Kameraden besser auseinanderhalten.

    In meiner ersten Zeit in Hanoi habe ich gestaunt, wie viele Polizisten hier unterwegs sind. Anfangs war es mir, obwohl ich ja immer artig bin, sogar etwas befremdlich. Und so viele verschiedene Uniformen: Grün, blau, khaki, sand, schwarz und sogar weiß. Erst nach und nach habe ich kapiert, dass es nicht alles staatliche Ordnungshüter sind. Die Grünen und Sandfarbenen findet man im Straßenverkehr, die Weißen rund um die Staatsbesuche sowie am Mausoleum und die Blauen scheinen alle privat angestellt zu sein.

    Jedes Geschäft, Restaurant, Hotel, hat seine eigenen Wachleute. Und davon jede Menge. Oft ganz einfach nur in Hemd und Hose. Aber manche auch herausgeputzt mit goldenen Epauletten, Abzeichen, blinkende Kordeln an imposanten Schirmmützen. Sie sehen aus, als wenn sie gleich noch zur Parade müssten.

    Eigentlich ist hier ja nicht viel los mit Straßenkriminalität. Die wichtigste Aufgabe der Blauen ist, das Parken vor dem Haus zu regeln. Ohne sie wäre es das reinste Chaos, da Mopeds oft dreihreihig abgestellt werden und so sind sie meist damit beschäftigt, die Karren hin und her zu rücken und zu bewachen.
    Wenn sie mal nicht so viel zu tun haben, winken sie die wenigen Autofahrer zurück aus der Parklücke, um sie dann mit eigenen Anweisungen noch einmal genauso einparken zu lassen. Aber immerhin haben sie dann den Parkvorgang geregelt.

    Die Verkehrspolizisten in der rush hour, die hier scheinbar von morgens 7:00 bis abends 19:00 dauert, sind die wahren Helden. Wie David gegen Goliath stehen sie in dem Gewimmel vom Mopeds, Autos und Fahrrädern und versuchen durch reinen Körpereinsatz, den Verkehr in sinnvolle Bahnen zu lenken.

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  • Wenn Kulturen aufeinanderprallen...

    ... und man denn Knall erst viel später eher ahnt als hört, das macht das Leben in Hanoi nicht gerade leichter.
    Nun bin ich schon fünf Monate hier und habe liebe Freunde aus verschiedenen Ländern gefunden. Aber kein Vietnamese ist darunter und ich frage mich, warum das so ist.

    An der Sprache liegt es nicht unbedingt, denn es gibt viele Vietnamesen die fließend englisch und auch deutsch sprechen. Und trotzdem verstehe ich manchmal nicht was sie meinen. Ihnen geht es umgekehrt sicher genauso.

    Ein Beispiel. Die Aerobic-Trainerin sprach meine Freundin und mich nach dem Sport an und erzählte von ihrer großen Party, die sie am kommenden Wochenende geben wollte und wer alles kommen wird, auch viele Ausländer. Sie schloss ihren Bericht damit, dass es für uns leider nicht in Frage käme, denn sie würde ja am anderen Ende der Stadt wohnen und es wäre zu weit für uns.

    Einge Zeit später erinnerten wir uns das Gespräch und eine Bekannte, die schon länger hier lebt, meinte, dass dies eine Einladung für uns gewesen wäre, die wir hätten freudig annehmen sollen und versichern müssen, dass uns kein Weg zu weit sei.

    Die Aerobic Frau ist wirklich sympathisch und wenn sie uns eingeladen hätte, wären wir auch bestimmt gekommen. Aber wir haben uns, etwas irritiert zwar aber ohne Böses zu denken, eben nicht eingeladen gefühlt. Seither hat sie uns auch nicht mehr angesprochen. Was nun dahinter stecken könnte weiß ich bis heute nicht.

    Eine auf einer Party kennengelernte Vietnamesin wollte mich gerne mal zu Hause besuchen. Deshalb hab ich mich für 17:00 Uhr an einem Freitag bei mir verabredet. Sie kam dann und hatte eine ganze Tüte mit teuren westlichen Lebensmitteln dabei (Brot, Honig, Eis, Wurst. Das hat mich beschämt. Ich hatte nur eine Tasse Kaffee, diverse Kaltgetränke und ein paar Plätzchen aufgetischt und habe mich über die Lebensmittel gewundert. Nach ca. 90 Minuten ging sie wieder.

    Aber warum hat sie so viele, teure Lebensmittel mitgebracht? Ein Bekannter vermutete: Fettnäpfchen. Die Vietnamesin hatte bei 17:00 Uhr an ein ordentliches Dinner mit mehreren Leuten gedacht und wollte ihren Beitrag dazu tun. Da sah ich wohl ganz schön blass aus, mit meinen Leibnitz-Keksen. Ich weiß bis heute nicht, was da wohl los war.

    Die Reihe solcher Missverständnisse, die sich oft um Einladungen, Geschenke und Besuche drehen, ließe sich noch ellenlang fortsetzen.
    Das betrübt mich. Manchmal bin ich genervt und denke: Ja, dann sollen sie halt sagen was sie wollen. An besseren Tage denke ich: Nicht mein Problem.
    Und ganz viel dazwischen: Was sollen die nur von den Deutschen denken.

  • Mit Stäbchen essen

    Gestern war ich in einem Restaurant in Tay Ho und habe zwei vietnamesichen Mädchen beim Frühstücken zugeschaut. Mit Stäbchen! Während die ca. 2 jährige die Stäbchen faustkeilmäßig in der Hand hielt,unkontrolliert in ihrem Schälchen gestochert hat, um anschließend die Stäbchen abzulecken und im weiteren per Löffel von Mutti gefüttert wurde, hat die etwa fünfjährige Schwester zielsicher und formvollendet ihre Nudelsuppe damit gegessen.

    Damit hat sie mir viel voraus!
    Irgendwie bekomme ich es inzwischen auch hin mit den Stäbchen, für den Einheimischen aber sicher kein schöner Anblick. Wenn möglich, frage ich meist nach Messer und Gabel.

    Wie kommt es eigentlich, dass sich Völker essenstechnisch soweit auseinander entwickeln, die einen mit Stäbchen, die anderen mit Besteck?

    Im Internet gibt es erklärende Hinweise.
    So gilt es z.B. als aggressiv, mit einer Waffe bei Tisch zu hantieren. Das erklärt vielleicht auch, warum viele Deutsche das Messer trotz kurzer Griffweite beim Schlemmen einfach nicht benutzen wollen.
    In der asiatischen Küche werden die Speisen schon in der Küche mundgerecht zerteilt. Außerdem sind Stäbchen preiswerter in der Herstellung aus Holz und werden oft als Einwegartikel genutzt.
    Mit den Fingern essen, war für die Asiaten schon viel früher keine Lösung mehr als für die Germanen. Nicht nur wegen der Hitze der Speisen sondern auch aus hygienischen Gründen. Das hat sich bis jetzt aber noch nicht auf der ganzen Welt unter allen Völkern herumgesprochen.

    Bei you tube gibt es Trainingseinheiten zum richtigen Umgang mit den Stäbchen. Aber wenn man sich Clips über das Schwimmen oder Fahrradfahren anschaut, kann man es danach auch noch lange nicht selbst.

    Vielleicht wollen sie aber auch nur angeben, die Stäbchenesser, mit ihren virtuosen motorischen Fingerfertigkeiten. Ich jedenfalls war ganz schön beeindruckt von der kleinen Vietnamesin.

  • Exportschlager

    Im Winter von Hanoi aus nach Deutschland zu reisen, ist koffertechnisch recht unkompliziert. Die Sommersachen bleiben in Hanoi, die Wintergarderobe hängt eh noch in Deutschland so reist man mit fast leeren Koffern hin .

    Eine gute Gelegenheit, andere Dinge aus der Heimat für bedürftige Hanoi-Deutsche mitzubringen. Es ist schon erstaunlich wonach sich die Alemannen in der Ferne neben Milka Schokolade noch so sehnen. Und es sind vor allem die kleinen Dinge, die das Leben hier schöner machen.

    Briefmarken, Briefumschläge,
    Elisenlebkuchen, Toffifee
    Weihnachtspäckchen unbekannten Inhalts.
    Makatussin-Hustentropfen,
    farbauffrischende Shampoos und Conditioner für blondes Haar von John Frieda, das gleiche noch mal für braunes Haar,
    kleine BIC –Einwegfeuerzeuge,
    Elmex-Zahnpasta,
    Sneakersocken von Falke,
    Mortadella vom westfälischen Metzger,
    im Netz bestellte Klamotten von H&M und Bücher von Amazon.
    Und natürlich Zeitschriften, Zeitschriften, Zeitschriften.

    Ich hoffe, bis Ende der Woche hat alles seine Abnehmer gefunden damit ich wieder Platz im Regal habe.

  • Vietnamesische Hunde sind Warmduscher....

    ... so scheint es jedenfalls, wenn ich mir die Kläffer in der Nachbarschaft angucke. Fast jeder trägt Kinderpulli. Immerhin hatten wir gestern 15°C, also eine durschnittliche Juli-Temperatur in Deutschland, aber in Vietnam gefühlt etwas kälter. Da sage noch mal einer, dass Vietnamesen keine Hunde lieben! Jetzt kann ich sie auch besser unterscheiden, denn sonst sind sie sich alle sehr ähnlich.
    Und süß sehen sie wirklich aus:

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    Der wollte nicht so gern fotografiert werden

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    dieser gefällt mir am besten

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    Hier finde ich das Dekolleté etwas zu freizügig

  • Rattenpack

    In den wenigen Tagen, die ich wieder hier bin, habe ich schon mehr Ratten gesehen, als in den gesamten vier Monaten vor Weihnachten. Schaue ich nachts vom Balkon auf die Straße runter, kann ich eine fröhliche Ratte-Polonaise beobachten. Spätestens jetzt wird mir auch klar, warum die Nachbarn alle Hunde halten. Eine zierliche asiatische Katze wäre wohl nicht der passende Gegner.
    Bislang war ich immer ganz entspannt, denn wir wohnen ja im 4. und 5. Stock. Bis ich gestern am hellichten Tag am Nachbarhaus eine Ratte elegant die Regenrinne hochlaufen und auf dem Balkon verschwinden sah, ebenfalls in den 4. Stock. Das sind ja richtige Akrobaten!

    Immerhin sind die Hanoi-Ratten so diskret, dass sie einen nicht frontal grüßen sondern immer nur mit Sicherheitsabstand gesichtet werden. Bis jetzt, jedenfalls.

    Aber warum sind momentan so viele unterwegs? Aufgrund der Kälte ist auf der Straße nicht so viel los und auch die Hunde liegen sicher lieber hinter dem Ofen? Oder ist den Ratten in den Kanälen ebenfalls zu kalt?

    Ratte und ekelerregend stehen ja in Deutschland im direkten Zusammenhang.
    Hier muss man es sich schön denken, sonst kommt man nicht weiter. Wenn sie lange Ohren hätten und einen kürzeren Schwanz, hießen sie ja Strubbel oder Stupsi und wir fänden sie sehr niedlich. Am besten also nur ohne Brille nach draußen gucken.

    Meine Schwester hatte in Jugendzeiten sogar eine Ratte als Haustier. In ihrer ersten eigenen Wohnung, versteht sich! Da sie immer in den Schrank zum Schlafen verschwand, (also die Ratte jetzt), hat meine Schwester einen Klappstuhl an die Tür gelehnt. Der ist dann beim Versuch, reinzukommen auf die Ratte gefallen und das war ihr Ende. Eine Rattenfalle aus einfachsten Hilfsmitteln!

    Ich warte derweil besorgt auf den Tag X, wo die erste Ratte durch die Wohnung läuft. Wie soll ich sie nennen, wie kriege ich die Hasenöhrchen drangetackert? Bis dahin immer schön Türen, Fenster, Siphons und Klodeckel geschlossen halten.

  • Baby an Bord

    Die Türen des Fliegers hatten sich gerade gschlossen und zufrieden konnte ich feststellen, dass ich auch auf diesem Flug wieder drei Sitze in der premium economy class für mich haben werde, denn insgesamt waren die ca. 60 Plätze auf 7 Reihen nur mit 12 Passagieren besetzt.
    Dann wurden noch eben zwei Mütter mit ihren Babys aus der economy class umgesetzt, genau vor mich in die erste Reihe vor der Kabinenwand. Die Babys brauchen diese Babybettchen, die sich nur an der Kabinenquerwand einhängen lassen.

    Kein Ding, ich hatte ja mich ja bereits bequem in die Waagerechte begeben und in meine Lektüre vertieft.
    Beim Starten begann dann das Geschreie.
    Weiß man ja, Druck auf kleine Babyohren kann weh tun und so war ich voller Mitgefühl. Auf Reisehöhe von 11.000 Metern hörte dann das eine auch prompt auf zu weinen. Das andere aber nicht. Es hat nicht nur geweint, sondern im Fünfminutentakt schrille Schreie ausgestoßen, dazwischen gejammert und das die gesamtem 12 Flugstunden. Die verteilten Oropax halfen nicht weiter und wenn ich eine Kerze dabei gehabt hätte, wäre Einträufeln von flüssigem Wachs in mein Innenohr eine Option gewesen.

    Was geht da in einem vor?
    Man wird schizophren!
    Mein Gutmensch-Ego hat an das arme Baby gedacht, das bestimmt dolle Schmerzen hat, an die arme Mutter, die sich weggesetzt von ihrer Familie, ganz alleine um den Schreihals kümmern muss. Die schwarze Seele hat gleichzeitig überlegt, ob so ein Baby durch die kleinen Fenster passt und welche Folgen eine zerbrochene Scheibe für die übrigen Fluggäste hätte. Oder ob ein Arzt mit Narkosemittel in der Tasche an Bord ist.
    Ich bin ca. 65 mal eingeschlafen und genauso oft wieder aufgewacht durch diese markerschütternden Babyschreie. Meinen Reisegenossen ging es nicht anders, um mich herum nur genervte Blicke. Aber als Gutmensch soll man sich ja über so was nicht aufregen, schließlich braucht die Welt Kinder und die eigenen waren ja auch mal klein.

    Jedesmal, wenn ich nach 3 Minuten Schlummer aufgeschreckt bin, habe ich die Mutter mit dem schreienden Bündel auf dem Arm den Gang auf und abtraben sehen, dabei rhytmische Laute ausstoßend, etwa oik, oik, oik,oik, oik, so dass auch die hinteren Reihen ihr Konzert hatten. Und ja, ich gebe zu, ich habe ihr auch grimmige Blicke gesendet.

    Als dann das Licht fürs das Frühstück anging, ist die Mutter immer noch gewandert, an Frühstück war für sie mit dem weinenden Etwas nicht zu denken.
    Einerseits war ich wegen des Schlafmangels ziemlich sauer, andererseits hatte ich aber wenigstens bequem gelegen und keinen Marathonlauf im Gang hinter mir.
    Im Moment des Aufsetzens auf die Landebahn, ging das Geschreie in ein fröhliches Gebrabbel über. Ich schaute rüber zur Mutter, die sich nach 42,5 km Fußmarsch in 11,5 Stunden endlich mal setzen konnte. Sie sah ziemlich müde, aber glücklich in die Runde, lachte, strahlte und herzte das Kind.

    Leider weiß ich ihren Namen nicht, ich hätte sie glatt für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Oder als Krisenmanagerin für den deutschen Bundespräsidenten.
    Aber wenigstens einen Orden für soviel Geduld und Mutterliebe hätte sie verdient. Und ich schäme mich ja auch ein ganz kleines bisschen für meine Genervtheit.

  • Wo ist man zu Hause?

    Ich bin wieder in Hanoi. Habe schöne Wochen in Deutschland verbracht. Das volle Programm, Gesundheitschecks, Spaziergänge durch tiefes Laub, Weihnachtsmärkte, Plätzchenbacken, Glühwein und Eierpunsch, Heiligabend, Familie, Christmas-Partys, Skifahren in verschneiten Alpen, Silvester auf der Hütte.
    Und doch habe ich nicht die Hälfte der vorgenommenen Projekte und nicht die Hälfte der Leute, die ich treffen wollte, geschafft. Schlechtes Gewissen!

    Am Abend vor der Abreise fragte mich meine Freundin, ob ich denn wirklich wieder zurück nach Hanoi wolle und mir der Abschied nicht schwer fiele. Ich konnte gar nicht eindeutig antworten, war selbst hin und her gerissen.

    Dann bin ich gestern in unser Apartment gekommen. Deutlich kühler als vor dem Abflug aber so sauber und glänzend. Auf dem Tisch neben Weihnachtskarten von Bekannten und Vermieter exotische Blumen und knackiges Obst. In Schränken und Regalen Bücher, Klamotten und Geschirr auf Kante und nach Farben sortiert. Im gut gefüllten Kühlschrank mein Lieblingssnack : eine filetierte Pomelo, das Schälen dauert eine halbe Stunde.

    Die Fensterfront liebevoll geschmückt mit Happy New Year, Blümchen und Drachensymbolen fürs bevorstehende Tet-Fest.
    Direkt hat sich ein schönes Daheim-Gefühl eingestellt. Ich wusste gar nicht, dass es in Hanoi auch Heinzelmännchen gibt.
    Sicher war es die Maid und eigentlich müsste ich sie, wenn sie gleich kommt, mal ordentlich drücken und küssen.
    Aber was, wenn sie aufgrund der körperlichen Attacke dann morgen nicht mehr kommt?

    Selbst die Nachbarin, die immer ein bisschen missbilligend schaut, schien sich über meine Rückkehr gefreut zu haben. Sie hat mir gewunken und irgendwas mit Tet gerufen.
    Meine Freundin war schon da, um mich über die wichtigsten kulturellen Events und Dates der kommenden zwei Wochen zu informieren, bestimmt wartete sie auch sehnsüchtig auf den mitgebrachten Lebkuchen.
    Cohen meets Queen Konzert, ein neues Restaurant, Vortrag über die Bedeutung von Tet, Trip nach Vermicelli-Village, Coffeee Morning, Frauen Spaß-Sport-Tag, internationale Filme...
    Es wird auf keinen Fall langweilig.
    Jetzt freu ich mich, dass ich wieder da bin.

    Und heute werde ich die Stadt neu erorbern und weiß schon genau wo ich anfange: Bun Cha Straßenküche auf der Xuan Dieu.

    Long Sông Hà Nôi

  • Vietnamesische Nagelstudios in Deutschland

    Hier in Deutschland haben die Vietnamesen eine neuen Wirtschaftzweig erorbert. Während man früher von leckeren Vietnam-Restaurants, guten Schneidern und nicht ganz so schöne Sachen über vietnamesische Zigarettenhändler gehört hat, scheint nun die expandierende Nagelstudio-Branche von zarter vietnamesischer Hand übernommen worden zu sein. Die Läden haben vielversprechende Namen wie California-Nails, Tip-Top-Nails, Fashionnails oder Luuly Nails.

    Auch bei uns auf dem Lande sind mittlerweile zwei Studios eröffnet worden. Neugierig wie ich bin, habe ich mal nachgefragt woher sie kommen. In Soest ist es ein Geschwisterpaar aus Saigon und in Lippstadt wird es von einer Dame aus Hai Phong und einem Herrn aus Da Nang geführt. Wir haben uns über Vietnam unterhalten und dass sie alle seit Jahren nicht mehr zu Hause waren, hat mir irgendwie leid getan, wo doch Familie in Vietnam alles ist.

    Was in deutschen Nagelstudios wohl seltener zu finden ist: männliche Mitarbeiter.

    Gammelige Manikürbuden aus Hanoi gewohnt, war ich überrascht wie sauber und ordentlich beide Läden sind. Keine schlafenden, essenden oder telefonierenden Elfen auf dem Fußboden, keine Hautanhangsreste vom letzten Kunden auf den Arbeitstischen und auch keine rauchenden Ahnen-Verehrungsaltare. Stattdessen Einmalhandschuhe und Einmalhandtücher überall. Da könnten die Hanoi-Manikösen aber mal was dazu lernen.

    Die deutschen Kolleginnen sind derweil nicht so gut auf die rote Konkurrenz zu sprechen. Im Schnitt bieten die Asiaten ihre Dienstleistungen nämlich billiger an. In einschlägigen Foren kontern und warnen die Einheimischen vor „desaströsen Hygienemängeln“ in vietnamesischen Läden. Das kann ich aber nicht ganz glauben, denn als Deutsche glaube ich eher an die Regulationsdichte des Gewerbeaufsichtsamtes, Gesundheitsamtes und Ordnungsamtes in seiner hammerharten Dreieinigkeit.

    Ein weiterer Vorteil bei den vietnamesischen Studios scheint zu sein, dass man jederzeit ohne Termin kommen kann. Ich denke mal, dass es aufgrund vietnamesischer Handelstradition dort kein „Ich hab jetzt Feierabend/Mittagspause/Gewerkschaftstreffen" zu hören gibt.

    Tja, Konkurrenz belebt das Geschäft. Mal weiter beobachten.

  • Ab nach Hause

    Ich bin eine bekennende Flugängstliche. Da es heute wieder nach Deutschland geht, werde ich 11-12 Stunden gefangen sein in so einer Metallröhre, ohne zu wissen was die Leute da vorne im Cockpit so treiben, denn die Tür ist ja immer zu und man sieht nur ab und an eine Stewardess Snacks reinreichen.

    Schlimm ist auch, wenn ich die Crew schon vorher am Gate sehe. Hat der Kapitän (der mit dem vielen Schmuck am Jacket) strubbelige Haare, Falten im Hemd oder die Absätze schief, dann frage ich mich ängstlich, wie er mit so einer großen Maschine fertig werden will, wenn es in den kleinen Dingen schon hapert.

    Aber gegen Angst hilft Aufklärung.
    So habe ich mir das Sicherheitsranking der Fluggesellschaften bei t-online vom Juli 2010 angeschaut. Alphabetisch sind da alle Fluggesellschaften aufgeführt und werden durch Zahlen zwischen 0,0 und 15,7 in ihrer Sicherheit bewertet.

    Den Eingangssatz “In den vergangen 30 Jahren blieb fast ein Drittel aller Gesellschaften ohne Unfall“ finde ich nicht wirklich beruhigend. Was ist mit den restlichen zwei Dritteln? Unglücke werden als Flugzeug-Totalverlust bezeichnet. Ja, saßen denn da keine Menschen drin?

    Es fing gleich schrecklich an mit Adria Airways mit 15,7, dem schlechtesten Ergebnis . Kenn ich gar nicht, vermutlich inzwischen alle Flugzeuge abgestürzt.

    Ein tolles Ergebnis mit 0,0 hatte z.B. Air Berlin, hab ich mich bei den Flügen nach Ibiza also immer umsonst geängstigt.
    Dass China Airlines auch nicht das gelbe vom Ei sei, hab ich schon mal gehört und war nicht erstaunt über die 1,3
    Ganz am Ende der Liste stand dann Vietnam Airlines mit 3,0. Also noch schlechter als Iran Air mit 2,3 oder Pakistan Int. Air mit 1,7. Oje, das wollte ich aber eigentlich nicht wissen.

    Etwas beruhigt hat mich, dass der letzte VA Unfall 12 Jahre zurückliegt. Alle Unfälle waren eher mit kleinen Maschinen wie Tupolev oder Yak.
    Außerdem ist VA seit einigen Jahren Mitglied der IOSA, was sie dazu verpflichtet, internationale Sicherheitsstandards einzuhalten.

    Als ich dann das Alter der Maschinen sah, wurde ich wieder unruhiger
    Airbus A329 : 14 Jahre, A 321: 3 Jahre, Boing 777: 7 Jahre

    Kann man als Fluggast einen A321 vorbestellen?

    Abgesehen von dem blöden Flug, freue ich mich schon riesig auf meinen Heimaturlaub. In dieser Zeit werde ich wohl nicht viel posten. Es sei denn, dass mir auf dem Weihnachtsmarkt oder in den verschneiten Alpen etwas zu Vietnam einfällt.
    Bis dann, liebe Grüße
    Heike

  • Bodytalk

    Dass das Mopedfahren hier nicht so meine Disziplin ist, habe ich inzwischen eingesehen und bin aufs Fahrrad umgestiegen. Zur Not kann man das nämlich schieben oder tragen und dann als Fußgänger mit Rad unterm Arm links abbiegen. Oder runterspringen und wegrennen, wenn der Verkehr wieder mal zu beängstigend ist.

    Inzwischen kenne ich ein paar Schleichwege, um Verkehrschaos-Knotenpunkte zu umfahren. So auch den Weg über den Sheraton-Parkplatz. Leider sind sie dort nicht so auf Radler eingestellt und so bin ich mit dem Hinterrad in einer Regenablaufrinne stecken geblieben. Der Reifen war sofort platt.

    Auf der Felge nach Hause fahrend, stellte sich mir in der Nachbarschaft ein Mann in den Weg. Zeigte auf mein Hinterrad und dann auf seinen Nachbarn, der da schon mit Druckluftpistole stand. Astreine Körpersprache, die ich sofort verstand. Ein Blick in die Räumlichkeiten und es war tatsächlich eine Werkstatt für Zweiräder. Willkommener Zufall.

    Meine Körpersprache: Auf die Pistole gezeigt, mit dem Kopf und der Hand geschüttelt, auf den Reifen gezeigt und dann getan als wenn ich einen Stock über dem Knie zerbrechen würde. Dann Hände umeinander rotiert, das hab ich mir im Fernsehen beim Auswechseln von Fußballspielern abgeguckt. Seine Antwort: Das übliche Ok, ok, ok.
    So ließ ich das Rad dort stehen und habe auf der Uhr gezeigt, dass ich drei Stunden später zum Abholen käme.

    Zum vereinbarten Termin stand mein Rad mit prallen Reifen auf dem Bürgersteig bereit. Kosten 10.000 Dong (ca. 30 ct). Da hab ich aber gestaunt, wie preiswert hier so was ist.
    Zweihundert Meter weiter, fuhr ich schon wieder auf der Felge. Also für einfach Aufpumpen war es dann doch nicht mehr sooo ein Schnäppchen. Aber ich hatte auch keine Nerven mehr, nochmal zurückzufahren.

    Das war wieder so eine typische Situation, in der es an der Sprache hapert und auch für einen ordinären Plattfuß reicht Körpersprache nicht. Würde mich ja brennend interessieren, was der Mechaniker mir mit seinem ok, ok, ok, sagen wollte.

  • Schädelbräu

    Da wollten uns australische Freunde hier in Hanoi mal richtig was Gutes und haben anlässlich unseres Besuches tief in die Tasche gegriffen um uns mit Gastgeberstolz echtes deutsches Bier zu servieren.

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    Die Dose für $2,50 : dass ist dreimal teurer als Carlsberg, Heineken, Hanoi Bia und Co hier. Wohl dafür, dass es in Deutschland produziert wurde.

    Leider wussten sie nicht, dass diese Marke in Deutschland wegen des, nenn ich es mal besonderen Geschmacks und der dollen Nachwirkungen (Schädel!!!) eher im untersten Preissegment zu finden ist, und deshalb vorwiegend von taschengeldregulierten Teenies für die ersten Experimente mit Alkohol besorgt wird.

    Wenn Heranwachsende damit ihre Selbstversuche starten, finde ich das klasse, denn die Strafe und somit Erkenntnis folgt am anderen Tage automatisch.

    Ich brauche das aber nicht mehr, so habe ich freundlich abgelehnt, nee keine Durst und so, heute vielleicht mal lieber Wasser, aber danke ganz lieb. Und sie ansonsten aus verzweifelter Höflichkeit im Unklaren gelassen.

  • Alle Asiaten sehen gleich aus!

    Sehen Asiaten wirklich alle gleich aus? Die meisten Europäer (und andere nichtasiatischen Weltbürger) empfinden das so und sie haben große Schwierigkeiten die asiatischen Gesichter auseinanderzuhalten.

    Natürlich sehen die Asiaten aber nicht alle gleich aus. Martin Giese vom Max-Planck Institut erklärt es damit, dass wir ein europäisch geprägtes Mittelwertsgesicht gespeichert haben, unsere sogenannte „In Group“ und im Rahmen dessen ganz gut unterscheiden können.
    Bei der „Out Group“, nämlich Gesichtern, die wir nicht so oft sehen, gelingt uns das nicht und so kommt es, dass sie für uns alle gleich wirken.

    Das Kind hat sogar einen Namen: Cross-Race-Effekt! Man unterscheidet also fein in der Gruppe vertrauter Gesichter, kann das aber nicht auf unvertraute Gesichter anwenden.

    Das passiert uns übrigens nicht nur mit Gesichtern. Während für uns auf einer Wiese alle Kühe gleich aussehen, kann der Bauer jede einzelne schon von weitem unterscheiden.
    Mir geht das so mit Autos. Bis heute sehen z.B. VW-Polo und VW-Golf für mich gleich aus, ich gäbe einen schlechten Zeugen ab, wenn es um Fluchtfahrzeuge geht. Andere können sogar die Baureihe nennen.

    Aber diesen Effekt kann man sich abgewöhnen und Unterscheidungsfähigkeit antrainieren. Im Falle der Asiatengesichter lebt man dafür entweder einige Zeit in Asien und kann sich so ein asiatischens Mittelwertsgesicht einprägen. Oder aber man nutzt in der Heimat moderne Technik und absolviert ein Softwareprogramm mit vielen internationalen Gesichtern. (z.B. www.globalemotion.de)

    Und wirklich, für mich sehen Asiaten nach 3 Monaten hier schon lange nicht mehr gleich aus. Es gibt hübsche, durchschnittliche und hässliche, alte und junge, runde, eckige und ovale Gesichter, genauso wie überall auf der Welt.

    Übrigens geht es den Chinesen mit uns nicht besser.
    Die Pekinger Wochenzeitung verwechselte z.B. Ende Juli 2011 ein Bild von Joschka Fischer mit Großinvestor George Sorros.

    Und mal unter uns: Alec Baldwin sieht doch aus wie Bürgermeister Wowereit!

  • Fressen und gefressen werden

    Zum Lehrertag hatte ich neben den Blumen auch noch feine Schokoladentäfelchen von Lindt im Dekokarton geschenkt bekommen. Damit mir die Kinder nicht zuvorkommen, habe ich sie erst mal ganz tief im Schrank versteckt. Gestern fielen sie mir wieder ein. Doch was für eine Enttäuschung. Statt der Kinder, hatten die Ameisen sie entdeckt und ein paar Täfelchen schon zu Schokopulver abgebaut. So ist das hier eben.

    Strafe muss sein, deshalb habe ich die ganze Packung erst mal ein paar Stunden ins Tiefkühlfach gestellt.
    In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen und ich habe beim weiteren Nachsehen dann doch noch einige Täfelchen entdeckt, die noch nicht so viel abgekriegt haben. Alle, auf denen ich nicht mehr als zwei gefrorene Ameisen finden konnte, hab ich dann noch gegessen, das waren aber nicht mehr viele. Von den Kindern wollte keiner mehr.

    Heute werden die Adventskalender vom Zellophan befreit, und wir werden sie wohl frei von der Decke hängen müssen, um Ameisenbefall zu vermeiden.

    Aber auch den Ameisen stehen harte Zeiten bevor, denn Forscher haben sie, neben anderen Insekten, als menschenrettende Eiweißquelle der Zukunft entdeckt. Wenn die Bevölkerungzahl weiter so zunähme, bliebe dem Menschen gar nichts anderes übrig, als auf Insekten-Eiweiß zurückzugreifen. Die Nahrungskette kehrt sich also um.
    Diesem Thema wurde in der Juli-Ausgabe 2011 von Neon (Neon.de, Neon-Link: Insekten) ein Bericht gewidmet. Sehr appetitlich sind da Gerichte abgebildet, deren Fleischbeilage aus Insekten besteht und die Autorin Lara Fritzsche macht den Selbstversuch, braucht allerdings nach jedem Bissen etwas Wodka zum nachspülen.

    Und ich kann euch sagen: Ameisen-Nuss von Lindt schmeckt gar nicht so übel.

  • Alles Neu

    Seit gestern bin ich auch ein bisschen vietnamesisch. Ich habe nach drei Monaten Besuchervisum, nun meinen Residentenpass erhalten.

    Jetzt muss ich mich am Flughafen nicht mehr in die Visum-Schlange stellen. Was heißt hier Schlange, es ist eine Menschentraube, die den Beamten die Ausweise, Passbilder, 50 Dollar und Datenbögen möglichst gleichzeitig reinwirft und ich wurde den Verdacht nie los, dass immer von oben abgearbeitet wird. Leute die nach einem kamen, erhalten fix ihre Dokumente, während andere bis zu einer Stunde da rumsitzen. Neben einigen Touristen sind es viele Vietnamesen mit deutschem Pass.

    Das fehlt mir hier manchmal: Eine ordentliche Schlange, wo es der Reihe nach geht. Auch am Eisstand oder am Infoschalter. Da haben es die Vietnamesen nicht so mit, mit dem Anstehen.
    Vielleicht sollte ich noch etwas vietnamesischer werden und die preussische Ordnung ablegen.

    Der Pass besteht aus einer eingeschweißten Karte, ist etwa doppelt so groß wie ein deutscher Personalausweis und ist in vietnamesischer Sprache mit englischer Übersetzung zu lesen. Er ist mit einem schönen, roten, runden Stempel in deren Mitte der vietnamesische Stern leuchtet, verziert.

    Das Schönste daran ist aber mein Passfoto, das selbst mir etwas fremd vorkommt. Glatt fünfzehn Jahre jünger um die Augen, die Wangenknochen etwas aufgepolstert, der Teint insgesamt etwas blasser. Hat da jemand mit Fotoshop gespielt? Leider hat aber niemand am Geburtsjahr gedreht.

    Man kann nicht alles haben...

  • Heute Prinzesssin

    Der Traum vieler junger Vietnamesinnen: Einmal Prinzessinnen-Braut sein. Wenn das Wetter schön ist, finden sich an bestimmten Stellen der Stadt manchmal 27 Brautpaare gleichzeitig ein zum Fototermin. Und natürlich auch ganz viele Touris, die denken (so wie anfangs ich auch) dass da gerade geheiratet wurde. Und irgendwie kann man da als Frau auch nicht einfach so weitergehen, ohne zu gucken und hach: zu seufzen. Die Bräute freuen sich über so viel öffentliches Interesse und posieren auch gerne extra für die Touristen-Kameras.

    Fotografiert wird aber schon vor der Hochzeit, denn das Myvideo/Powerpoint läuft dann bereits auf Großleinwand während der Hochzeit im Festsaal.

    Je nach Geldbeutel sind mindestens 3 Motive immer zu finden. Einmal im taditionellen Gewand, dann natürlich im Brautkleid und noch mal in einer noblen Abendrobe in den knalligsten Farben mit ganz viel Tüll und Schleppen. Der Bräutigam im Pappanzug ist eher Beischmuck und wird auf vielen Fotos auch mal einfach weggelassen.

    Die begleitende Crew, besteht aus Fotograf, Ankleidedame, Make up-Spezialist, Friseur, Beleuchter und natürlich besten Freundinnen. Die Bräute stark geschminkt, so dass sie bei näherer Betrachtung aussehen, als hätten sie Masken auf. Die Kleider sehen auf den ersten Blick atemberaubend aus, sind aber nur Theaterkostüme mit viel Bling Bling, oft ohne Saum, hinten auch schon mal offenstehend und werden nach dem Wechseln achtlos in Plastiktüten gestopft.
    Es sind immer die gleichen Orte in der Stadt, so z.B. vor dicken Hotels, am Hoan Kiem Lake und im botanischen Garten. Oft ist sogar Stau vor lauter Bräuten, dann sitzen sie gelangweilt in ihrer Robe im Straßenstaub auf dem Bürgersteig, den sie bei Gehen mit der Schleppe auch fegen. Auf den späteren Fotos haben die Mädchen dann gar nichts mehr gemein mit der Büroangsetellten von alltags sondern sehen tatsächlich aus wie Showstars.
    Hier einige Bilder

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    Der Touri rechts wird im echten Bild natürlich rausgeschmissen.

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    Und keiner kümmert sich um den Bräutigam...

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    Von weitem!

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    Abfahrt nach Wolke 7!

  • Engelchen werden geschaukelt.....

    Nach dem Blog über den Kindertransport auf Mopeds muss ich heute mal das Bild über vietnamesische Eltern etwas gerade rücken.
    Zu Fuß werden die lieben Kleinen hier nämlich viel schöner und sehr liebevoll transportiert.
    Kinderwagen spart man sich wegen desolater Straßenverhältnissen und zweckentfremdeter Bürgerstgeigen gleich, und so werden die Kinder die ersten Jahre viel getragen. Auch von Vätern, Großeltern und Geschwistern. Auf der Hüfte, in den Armen, auf dem Rücken, vor dem Bauch.

    Da es nur selten Babyzimmer und Babybettchen gibt, kuscheln sie auch nachts mit den Eltern oder Geschwistern.

    Menschen als Nesthocker geboren, brauchen den Körperkontakt, das Schaukeln, die Wärme und die Nähe anderer Menschen. Bei gleichmäßigem Sound schlafen sie meist besser als bei Totenstille. Alles Dinge, die in „hochentwickelten“ Ländern manchmal in Vergessenheit geraten.

    In Deutschland gibt es inzwischen Kinderwagen, die teurer sind als ein Auto mit noch zwei Jahren TÜV. Nach Heimkehr von der Säuglingsstation zieht das Baby oft in einen eigenen Raum mit eigenem Bett und wird dann mit Babyphon überwacht. Sogar fürs Schaukeln gibt es schon entsprechend elektrische Babyausstattung. Ein Dreijähriges, das immer noch nachts zu den Eltern ins Bett kommt, gilt als zu lasch erzogen.

    Wenn ich das meinen vietnamesischen Nachbarn erzählen würde, wären die sicher genauso beunruhigt, wie ich beim Anblick der Kinder auf den Mopeds.

  • Illegale Software

    Am Freitag fand ich eine bemerkenswerte Anzeige in den Vietnam-News

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    „Die Nutzung illegaler Software hat beinah ihre Zukunft ruiniert. Riskieren sie nicht das Gleiche.“

    Da entschuldigt sich auf einer halben Seite ein Computerbetrieb aus Hanoi für Sotfware Piraterie. Er gibt an, dass sein Unternehmen dabei erwischt wurde, erzählt wie, wann und von wem und benennt auch sieben Mitarbeiter aus den eigenen Reihen mit Vornamen und Schattenbild, die den Kunden geholfen haben, illegale Software auf PCs (wahrscheinlich bei ihnen erworben) zu installieren.
    Weiter entschuldigt er sich für diesen Klau bei den geistigen Eigentümern der Programme und dankt für die Chance, daraus gelernt haben zu dürfen. Alle Leser fordert er auf, so etwas nicht zu tun und schildert die möglichen Folgen durch illegale Software. Und bietet an, anderen von seinen Erfahrungen zu erzählen und profitieren zu lassen, damit andere auch damit aufhören.

    Diese Anzeige hat mich aber sehr verwundert. Was steckt wohl dahinter?

    Läuterung?
    Hoffnung auf Verringerung von noch ausstehender Strafe?
    Weil er seine Mitarbeiter retten will?
    Sorge um die Zukunft als Leiter eines Computergeschäfts?
    Sorge vor dem Verlust von Kunden?
    Ein ehrlicher Appell an andere Mitbewerber?
    Oder doch nur eine Promotion-Aktion, dass der eigene Laden clean ist?

    Oder: Sich retten vor Kunden, für die das ganz selbstverständlicher Service scheint, wenn sie einen PC bei ihm kaufen. Und jetzt hat er keinen Nerv mehr, seinen Kopf dafür hinzuhalten? Das scheint mir das Sinnvollste.

    Ich stelle mir das gerade für Deutschland vor: Im Geiz-ist Geil-Shop den Mitarbeiter um ein paar kostenlose Extra-Programme bitten.....

  • Doppelte Haushaltsführung

    Zu unserem Apartment gehört auch ein Maid. Wir haben sie nicht eingestellt, sie war wohl schon immer zuständig für diese Wohnung und jetzt auch für uns.
    Anfangs war es irritierend für mich, dass da jemand barfuss und im Schlafanzug und zwar 7 Tage die Woche, in unserer Wohnung herumschleicht, mit dem man nicht kommunizieren kann, denn sie spricht kein Englisch.

    Während man oft Gejammer hört, haben wir mit unserer wirklich Glück gehabt. Sie ist bildhübsch und immer gut gelaunt. Ohne sie ständen wir ganz schön oft auf dem Schlauch. Wenn was kaputt ist, besorgt sie Handwerker oder Ersatz, sie weiß wo ein Schuster, ein Schneider und eine Reinigung ist und kann nach dem Stromausfall die Elektrogeräte neu programmieren. Sie kann uns auch immer auf der Uhr zeigen, wann denn der Strom oder das Internet wieder läuft, keine Ahnung woher sie das weiß.

    Wenn es mal was Wichtiges gibt, bringt sie einen Zettel auf Englisch mit, vielleicht nutzt sie translate google, denn sie hat ein I-Phone in das sie manchmal mit sanfter, kichernder Stimme spricht. Umgekehrt bitten wir den Vermieter, sie zu informieren, über unsere Abwesenheit beispielsweise. Dann kommt sie trotzdem und räumt mal wieder alle Schränke und Regale auf, geht auf Ameisennesterjagd, oder sortiert meinen Modeschmuck nach Kettenlängen und Farben.

    Sie kocht montags bis freitags, und trifft in 90% der Fälle unseren Geschmack. In unserer Küche schwirren viele Geräte, Fläschchen, Lebensmittel und Gewürze herum, von deren Zweck ich keinen blassen Schimmer habe, so z.B. ein Reiskocher, der aussieht wie ein deutscher Brotbackautomat. Umgekehrt ist es für sie mit unserem Zubehör wohl genauso.
    So herrscht also eine klare Trennung in der Küche, wie etwa in einer WG oder im Studentenwohnheim. Jeder kauft seinen Kram selbst ein.

    Einmal haben wir vergessen, Geld in die Haushaltskasse nach zu legen, da gab es am nächsten Tag nichts zu Essen. Wir haben auch ohne Worte dazugelernt und passen jetzt immer auf. Sie führt akribisch Haushaltsbuch.

    Ihren wöchentlichen Lohn nimmt sie niemals persönlich. Den müssen wir in eine Glückwunschkarte stecken, „for Nguyen thank you“, draufschreiben und auf der Mikrowelle deponieren. Das hat uns der Vermieter erklärt.
    Selten kocht sie Sachen, die wir nicht so mögen, die entsorge ich dann diskret, damit sie nicht traurig ist.

    Wir sind also richtig glücklich mit ihr. Umgekehrt sie mit uns hoffentlich auch, denn ich bin ja auch so eine, die immer aufräumt und sauber macht bevor die Maid kommt, damit sie bloß keinen schlechten Eindruck von uns bekommt.

  • Auf dem Dach von Hanoi

    Diese Terasse des Sofitel Plaza am Westlake so hoch oben, kann ich jedem Hanoi-Besucher an einem Abend empfehlen. Die Aussicht vom 20. Stock ist atemberaubend. Ein kühles Lüftchen, man hört keinen Verkehrslärm und die Lichter der Stadt sind ein Kunstwerk für sich. Auch das Ambiente ist mal ganz was anderes als im übrigen Hanoi.

    In gemütlichen Korbmöbeln bei chilliger Musik (Cafe del Mar lässt grüßen) und spacigen Lichtinstallationen kann man leckere Cocktails schlürfen, sich ordentlich lümmeln, und sich irgendwo auf der Welt wähnen, bloß nicht in Hanoi.

    Außergewöhnlich ist auch die Dienstkleidung der Mitarbeiterinnen. Entweder im knallpinken Pagendress mit diesem niedlichen Pillbox –Hütchen nebst Kinnriemen oder mit blonder Lola-Pagen-Perücke und ganz in schwarz.
    Bei diesen blonden Perücken musste ich zweimal hingucken, kombiniert mit den Mandelaugen erinnert der Look ein bisschen an James-Bond-Girls. Und es hätte mich gar nicht gewundert, wenn sie mal ein bisschen an der Fassade im 20. Stock herumgeklettert wären.

    Bedienung und Service sind erstklassig, freundlicher Smalltalk in bestem Englisch, Französisch oder auch Deutsch mit den Gästen, Eskorte zu den Prachttoiletten und der Aufzug steht beim Abschied schon bereit.

    Schon wegen der Preise nichts für jeden Tag, aber mal hingehen lohnt sich auf jedem Fall.
    Vor allem an Tagen, wo man mal wieder richtig die Nase voll hat von der Enge, der Hitze, dem Lärm, dem Dreck und dem Gewusel des wahren Hanois.

  • Neues Spielzeug

    Ich hab zwei neue Spielzeuge. Zwei Luftentfeuchter. Die stehen zwar schon immer in der Wohnung, doch erst jetzt wo aufgrund erträglicher Temperaturen die Klimaanlagen nicht mehr so oft laufen, macht sich eine höhere Luftfeuchtigkeit in den Räumen bemerkbar. Zum Beispiel fühlt sich die Bettdecke klamm an. Damit nichts anfängt zu schimmeln, starte ich also die Luftentfeuchter.

    Eine Freundin von mir, hatte früher einen Staubsauger mit durchsichtigem Plastikgehäuse und konnte nach dem Saugen immer ganz genau sehen, wieviel schrecklichen Schmutz und Staub sie wieder aus den Teppichen und Polstern geholt hat. Da war sie immer ganz aus dem Häuschen vor Freude, die ich nie so recht nachvollziehen konnte.

    Jetzt geht es mir ähnlich. Wenn ich nach 6 Stunden Betrieb in einem 50 Kubikmeter Raum ca. 3 Liter Wasser aus dem Auffangbehälter hole, ist das für mich immer ein bisschen wie Laubhüttenfest. Wenn man nur daran denkt, was diese 3 Liter Wasser an Schimmel, Stock und Muff produziert hätten. Und ich habs verhindert! Wow!

    Ich muss nur immer aufpassen, dass Andere mir nicht mit dem Leeren zuvorkommen, und mich dadurch um mein schönes Erlebnis bringen.

    Ich glaub, ich werd hier langsam komisch.

    Liebe Grüße
    Heike

  • Bauarbeiter

    Dass hier wie verrückt gebaut wird, habe ich ja schon mal schriftlich erwähnt. Das Besondere ist, dass es wirklich vorwiegend Menschenkraft ist, mit denen hier die dollsten Bauten hochgezogen werden.
    In Deutschland steht so ein Rohbau innerhalb weniger Tage. Hier dauert es Monate bis Jahre, denn es ist wirklich alles Handarbeit mit einfachsten Hilfsmitteln. Maximal eine elektrische Winde wird eingesetzt, um die Massen nach oben zu befördern. Selbst das meiste Material wird per Karren bzw. Moped rangeschafft.

    Was mich am meisten beeindruckt: Die Bauarbeiter rackern nicht nur dort, nein sie leben für Monate auf ihrer Baustelle und richten sich deshalb unter einfachsten Bedingungen häuslich ein.
    Sie sind stets kontaktfreudig und grüßen, fragen manchmal nach einer Zigarette oder der Uhrzeit. Sie kommen ja auch viel herum.
    Wenn man abends vorbeikommt, hat das etwas von Lagerfeuerromantik. Im Licht der Funzeln kann man sehen, wie sie ihr Essen zubereiten, Wäsche waschen, Karten spielen, einige haben sich nach dem schweren Tag schon unter ihr Moskitonetz auf die Bastmatte geworfen. Bevor die erste Decke gezogen ist, tut’s eine Plane.
    Was mir romantisch vorkommt ist real natürlich das harte Leben. Sicherheits-Arbeitskleidung sieht man selten. Hier einige Eindrücke

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    Anders geht es oft nicht bei den engen Gassen!

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    Geht nicht, gibts nicht!

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    Wunschdenken!

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    Am Ende entstehen so tolle Bauten! In Handarbeit!

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